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Die Neuauflage des kantigen Offroaders
Ein Lifting für den Geländesportler

Der neue Suzuki Jimny kommt mit vielen zeitgemäßen Extras – und zu einem neuen Preis – auf den Markt.
Der neue Suzuki Jimny kommt mit vielen zeitgemäßen Extras – und zu einem neuen Preis – auf den Markt.
Bensheim. 20 Jahre begeisterte der Suzuki Jimny seine Fans als kleiner und preiswerter Geländewagen. Der Nachfolger will es besser machen. Von Stefan Woltereck

Dreieinhalb Meter lang, müde 84 PS, aber nur 1100 Kilogramm schwer und serienmäßig Allrad. Seine Fans, in Deutschland bald 90 000, schätzen den Suzuki Jimny als ehrlich, authentisch – und seine Talente im Geröll. Und den Preis: Nur Lada Niva (40 Jahre alt) und Fiat Panda 4x4 (bedingt vergleichbar) sind noch günstiger.


Dass der Jimny eng und kantig, die Leistung auf Landstraße und Autobahn mau, die Federung bockig war, tat dem Vergnügen kaum Abbruch. Mancher Jäger, so Suzuki, soll auf den letzten Metern zum Hochsitz in den Jimny umgestiegen sein. Cayenne, G-Klasse, ­Range Rover blieben am Waldrand stehen. Schließlich sollten die teuren, glanzgedrehten Aluräder keine Kratzer bekommen.

Jetzt ist der Jimny in neuer Form erschienen. Seine Talente im Gelände bleiben, neue Vorteile kommen hinzu, darunter mehr Innen- wie Kofferraum und moderne Elektronik, die auch die Sicherheit verbessert. Das Ganze kommt freilich auch zu einem neuen Preis auf den Markt: Ab 17 915 Euro ist der Jimny zu haben. Das sind gut 2000 Euro mehr als bisher.



Dafür glänzt bereits die Basisversion mit Details, die bisher Zuschlag kosteten, wie Klimaanlage und Radio, oder die es gar nicht gab, ein Spurhaltesystem etwa, automatische Notbremse, Totwinkel-Warner, Verkehrszeichen- und Müdigkeitserkennung. Auch den neuen Jimny sieht Suzuki als kompetenten Geländewagen, serienmäßig mit Allrad. Seine Form wurde halb spöttelnd, halb anerkennend als „uneheliches Kind von Jeep und G-Klasse“ apostrophiert. Die senkrechten Kühlerstreben lehnen sich wie schon bei den Vorgängern an den Jeep an, den immer noch bekanntesten Geländewagen überhaupt. Das Heck zitiert die G-Klasse aus Stuttgart: senkrechte Wände, flaches Dach, stark geschrumpft, Reserverad außen in der Mitte. Das Ganze wirkt quadratisch, praktisch, auf das Wesentliche reduziert. Von den in Mode kommenden, hoch gebauten Crossover-Karosserien (eine Mischform aus Geländewagen und Kombi) jedenfalls ist er meilenweit entfernt. Das neue Gehäuse wurde, man höre und staune, fünf Zentimeter kürzer (3,65 Meter), dafür ist es vier Zentimeter breiter (1,65 Meter). Trotz gleichem Achsabstand (2,25 Meter) gibt es vorn deutlich mehr Platz. Das Heck zwingt Erwachsene noch immer in Embryo-Haltung, aber keiner kauft sich einen Jimny, um in ihm andauernd vier Personen unterzubringen. Werden die Sitze umgelegt, entstehen 377 Liter Laderaum, 53 mehr als bisher, ohne Rücksitze sind es jetzt sogar 830 Liter.

Quadratisch, praktisch, übersichtlich ist der Neue auch innen. Die großen klaren Skalen für Tacho und Drehzahlmesser lassen sich gut ablesen, der Bordcomputer ermittelt Momentanverbrauch und Reichweite, die verschiedenen Hebel und Schalter erschließen sich sofort. Das schwarze, fast durchgängig harte Kunststoffmaterial freilich wirkt nicht besonders schön. Und die Schalter für die elektrischen Fenster unten im Armaturenbrett erfordern jedes Mal eine Verbeugung, wie üblich in den Türen untergebracht wären sie weit praktischer.

Die Basis bilden nach wie vor ein solider Leiterrahmen und Starrachsen vorn und hinten – gut neben, weniger gut auf holprigen Straßen. Die Lenkung vermittelt nach wie vor wenig Gefühl. Nur 9,80 Meter Wendekreis und die gute Übersicht durch die hohe Sitzposition entschädigen dafür. Ein Sportwagen soll der Jimny auch gar nicht sein.

Die täglichen Fahrten jedenfalls erledigt er mit Anstand. 21 Zentimeter Bodenfreiheit, schaltbarer Allradantrieb samt Untersetzung und elektronische Sperren machen ihn nach wie vor zum Ass im Gelände. Selbst ein Bachlauf hält ihn nicht auf. Bis 40 Zentimeter Wassertiefe lassen sich durchwaten. Der Jimny, so seine Fans, komme auch dann noch weiter, wenn zeitgeistige, rundgeschliffene Crossover-Modelle längst die Waffen streckten. Auf Landstraße und Autobahn spielen diese Crosser ihre Stärken aus. Der Jimny hat zwar einen neuen 1,5-Liter-Motor (102 PS/75 kW), aber es ist ein Sauger alter Schule mit wenig Mumm (130 Nm) bei hoher Drehzahl (4000 U/min).

Im Gelände spielt das keine Rolle, auf längeren Fahrten aber nerven Geräusch- wie Leistungsniveau. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 145 km/h, ein Beschleunigungswert null auf hundert wird erst gar nicht angegeben. Leise Vorwürfe, die Crosser-Modelle anderer Marken würden doch alles besser können als ein Jimny selbst in neuer Form, begegnet Suzuki lächelnd: Bitte, wir haben doch auch Vitara und SX Cross.