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Motorradmesse in Mailand
Von extrem stark bis überraschend elektrisch

Harley-Davidsons erstes Elektromotorrad LiveWire soll im Spätsommer 2019 auf den Markt kommen. Die Optik ist schon mal vielversprechend.
Harley-Davidsons erstes Elektromotorrad LiveWire soll im Spätsommer 2019 auf den Markt kommen. Die Optik ist schon mal vielversprechend. FOTO: Josh Kurpius
Mailand. Die Highlights der Mailänder Motorradmesse Eicma haben’s in sich. Neben Ducatis neuem Superbike mit 221 PS verblüfft besonders die erste Elektro-Harley. Von Ralf Schütze

Es fühlt sich in etwa so an, als hätte sich eine Fußballmannschaft alle Kraft für die zweite Halbzeit aufgehoben: Nach der Intermot Anfang Oktober in Köln glänzt jetzt die Motorradmesse Eicma in Mailand mit noch mehr Neuheiten aller Art – von der elektrischen Harley bis hin zum neuen Superbike Ducati Panigale V4 R mit exorbitanten 162 kW/221 PS. Neben technischen Finessen überrascht die Italo-Sportlerin mit aerodynamischen Details aus der MotoGP, der Königsklasse im Motorradrennsport. Sogenannte Winglets sollen – wie in der Formel 1 – bei hohem Tempo Stabilität bringen. Gut so, denn mit einem Spezial-Auspuff nur für die Rennstrecke sollen sogar 234 PS möglich sein.


Sogar der Auftritt des deutschen Marktführers BMW Motorrad lief in Köln nur auf Sparflamme. In Mailand dagegen brennen die Bayern ein regelrechtes Feuerwerk ab. Höhepunkt in Sachen Leistung: Die überarbeitete supersportliche S 1000 RR. Bei ihrem hochdrehenden Ein-Liter-Vierzylinder sorgt jetzt die variable Ventilsteuerung ShiftCam für ausgewogenere Leistungs- und Drehmomentkurven. Erst vor kurzem hatte der technische Kniff in der Reise-Enduro BMW R 1250 GS Weltpremiere gefeiert. Ergebnis: Die S 1000 RR hat jetzt 207 PS bei gerade mal 197 kg Ballast. Mit gut 18 000 Euro kostet sie etwa die Hälfte der Über-Ducati.

Bei ihrem Heimspiel legen sich natürlich die italienischen Motorradmarken besonders ins Zeug. Unter den Mailänder Neuheiten fällt auch das extrem starke Naked Bike MV Agusta Brutale 1000 „Serie Oro“ auf: mit satten 208 PS aus 999 ccm Hubraum. Spitzentempo auf der italienischen Kanonenkugel sollen 302 km/h sein – ohne Verkleidung wohlgemerkt. Und ein Race-Kit kann den Motor noch ein Stück weiter auf 212 PS pushen. Als direkte Konkurrenz zu den neuen verkleideten Supersportlern von Ducati und BMW schicken die Azzurri von Aprilia ihre RSV4 1100 Factory gestärkt und verschlankt ins Rennen: Sie leistet jetzt 160 kW/217 PS und katapultiert nur noch 199 kg Ballast über den Asphalt.



Harley-Fans sollten sich schon mal umgewöhnen: Statt des markentypischen V2-Bollerns wird ab Spätsommer 2019 die rein elektrische Harley-Davidson LiveWire über unsere Straßen zischen. Technische Details sind noch geheim. Aber Testfahrten mit dem Prototypen vor zwei Jahren lassen viel Leistung, hohe Reichweite und einen eigenwilligen Sound erwarten.

Gleich drei spannende Mittelklasse-Enduros feierten auf der Eicma Weltpremiere: Die KTM 790 Adventure mit dem vom Schwestermodell Duke her bekannten Zweizylindermotor. Und die Yamaha 700 Ténéré. Während die Japanerin mit 54 kW/73 PS bescheidener unterwegs ist, hat die Österreicherin von KTM die unbändige Kraft der 790 Duke geerbt: 70 kW/95 PS leistet die 790 Adventure. Fürs Gelände ist sie unter anderem mit einem 21 Zoll großen Vorderrad gut gerüstet und ein 20 Liter-Tank sollte auf Fernreisen auf- und abseits der Straße sehr gute Reichweiten bringen.

Unter den seit Jahren sehr beliebten Retro-Bikes sticht für 2019 die brandneue Triumph Scrambler 1200 hervor. Die Engländer waren lange Zeit Pioniere bei den leicht geländegängigen Allroundern namens Scrambler (Englisch für „Klettern“), ehe Rivalen wie BMW und Ducati nachzogen. Jetzt schlägt Triumph zurück: Mit den beiden Varianten Scrambler 1200 XC und XE (beide mit 66 kW/90 PS). Letztere ist stärker aufs Offroadfahren getrimmt und etwas größer in Radstand und Sitzhöhe.

Neue Normalo-Bikes in Mailand: Honda hat seine Mainstream-Mittelklasse CB 500 stark überarbeitet. Die Varianten X, R und F (Adventure-, Sport- und Roadster-Variante) verfügen jetzt alle über eine komfortablere Antihopping-Kupplung. Die Spitzenleistung ist mit 35 kW/48 PS zwar unverändert, aber die 500er Hondas haben mehr Kraft in der Drehzahlmitte.

Auf einer Motorrad-Weltmesse dürfen natürlich Roller-Neuheiten nicht fehlen – allen voran der Klassiker von Vespa, die 300 GTS Super. Seit Jahren ist er der meistverkaufte Roller in Deutschland. Jetzt hat das kultige Italo-Gefährt mit fast 18 kW/24 PS immerhin um zwölf Prozent mehr Leistung. Das für den Antriebskomfort so wichtige Drehmoment hat sogar um 18 Prozent auf 26 Nm zugelegt. Die Vespa GTS erfüllt bereits Euro5 und soll nur 3,2 Liter pro 100 Kilometer brauchen. Alternativ zur 300er gibt es die GTS Super auch als 125er.