Die Gute-Laune-Kletterer

Die Gute-Laune-Kletterer

Scrambler sind Spaßmotorräder mit Klettertalent und derzeit in. Noch vor den Maschinen von Ducati und BMW hieß der Trendsetter Triumph Scrambler. Das puristische Bike trifft den Geschmack vieler Fahrer.

Als Scrambler (Kletterer ) werden Motorräder mit breitem Lenker und hohem Auspuff bezeichnet, die sich im Alltag als ausgesprochene Gute-Laune-Maschinen erweisen und sogar in leichtem Gelände gefahren werden können. Trendsetter schon seit 2007 ist die Triumph Scrambler.

Bescheiden klingende 58 PS müssen mit stolzen 214 Kilogramm Trockengewicht fertigwerden, da sind keine Hochgeschwindigkeits-Orgien zu erwarten. Stattdessen bringen eine aufrechte, bequeme Sitzposition, ein breiter Lenker, ein weiter Kniewinkel sowie unkompliziertes Handling jene Tiefenentspannung, die immer mehr Motorradfahrer dem Nervenkitzel von Topspeed und Hochleistung vorziehen.

Der Zweizylinder-Motor mit überschaubaren 865 ccm Hubraum untermalt jede Tour mit einem vertrauten Knattern und Poltern. Dieser sogenannte Parallel-Twin symbolisiert die britische Motorradkultur ungefähr in jenem Maße, wie Fish and Chips die Esskultur auf der Insel symbolisieren: Man muss es nicht mögen, aber jeder kennt es, und sehr viele Menschen brauchen nicht mehr.

Das Triebwerk im Scrambler ist auf Durchzugskraft und Laufkultur ausgelegt. Es ist der passende Begleiter, wenn man hoch zu Ross unaufgeregt über Asphalt und durch leichtes Gelände fährt. Das Motorrad entsteht jedoch nicht im britischen Stammwerk der Marke südöstlich von Birmingham, sondern in Thailand. Das ist kein Nachteil, denn Materialqualität und Verarbeitung stimmen.

Wichtigste Merkmale der Straßenmaschinen mit Geländeeignung sind breiter Lenker, höhergelegte Auspuffanlage und grobstollige Reifen. Es handelt sich sozusagen um eine Mischung aus Straßenmotorrad und Geländemaschine. In den 50er und 60 Jahren entstanden Scrambler durch den Umbau normaler Bikes. Sie wurden im Laufe der Zeit durch geländeorientiertere Enduros oder Motorcross-Maschinen verdrängt. Bis dahin bestritten die Fans von Schlamm, Geröll und unbefestigten Pisten auf Scramblern unter anderem die berühmte Sechstagefahrt in Ostdeutschland. Auch Steve McQueen , Hollywood-Star, Triumph-Fan und legendärer "King of Cool", nahm 1964 daran teil.

Triumph erklärt, warum dieses Modell seit 2007 wieder im Programm ist: "Wir haben die Scrambler gebaut, um die Lust auf Freiheit und Ausbruch zu wecken und an unbeschwerte Zeiten zu erinnern, als ein Motorrad und ein Fahrziel alles waren, was man brauchte."

So gesehen passt der Scrambler-Trend zum allgemeinen Hang heutiger Motorradfahrer zu den puristischen Bikes der 60er Jahre, ohne Elektronik, ohne überbordende Sonderausstattungen. Nach dieser Devise feiert BMW seit 2014 einen Riesenerfolg mit seinem Retro-Roadster R nineT, der bereits das zweiterfolgreichste Modell der Marke ist - und das für knapp 15 000 Euro.

Im Herbst soll die R nineT Scrambler folgen. Neben den typischen Attributen zeichnen sie minimal erhöhte Federwege aus, die ihre Räder vorne um fünf und hinten um 20 Millimeter flexibler führen als beim straßenorientierten Vorbild R nineT. Deutlich gröber profilierte Reifen werden nur als Zubehör angeboten, denn viele Käufer werden das Kletter-Bike fast immer auf Asphalt bewegen und vor allem die bequemere Sitzposition genießen.

Auch Ducati erfreut sich mit seiner wiederauferstandenen Scrambler intensiver Nachfrage. Nachdem die Italiener von 1962 bis 1978 kleinere Allrounder mit 250 bis 450 ccm im Programm hatten, wurde ab 2015 die Scrambler der Neuzeit zunächst mit 800 ccm ein unglaublicher Erfolg. Das Italo-Bike für leichtes Geröll wurde aus dem Stand Ducatis neuer Bestseller und liegt in der Gunst deutscher Motorradkäufer insgesamt schon auf Rang neun. Kein Wunder also, dass die Marke aus Bologna inzwischen noch die kleinere Scrambler Sixty2 mit 399 ccm und 41 PS nachgeschoben hat.

Ausgereifte Spaß-Maschine

Obwohl Triumph seine gesamte Zweizylinder-Reihe erneuert hat, bleibt die aktuelle Scrambler vorerst im Programm. Das britische Fun-Bike ist extrem ausgereift, die Leistung des 865-ccm-Motors reicht für diese Art von Relax-Motorrad. Zumindest 2016 wird sie noch in dieser Form und weiterhin für 9840 Euro zu haben sein. Vielleicht kommt dann eine 1,2-Liter-Scrambler auf den Markt. Dass man nur zwischen fünf Gängen wählen kann, ist zu verschmerzen.

Aus dem Stand wurde die 800er Scrambler zu Ducatis Bestseller.
Typisch für die Triumph Scrambler ist der höher gelegte Auspuff.
Hollywood-Star Steve McQueen fuhr eine Triumph Scrambler.
Der Trendsetter der Kletterer ist die Triumph Scrambler.

Unkomplizierte, leicht fahrbare und erschwingliche Motorräder wie die meisten Scrambler der Neuzeit tragen dazu bei, dass die Bike-Branche seit Jahren wieder zulegt und sich über Nachwuchs freuen darf. Der Kletterer wird in den Zulassungstatistiken seinem Namen absolut gerecht.