Japanischer Flitzer: Der Stromer mit dem Hundeblick

Japanischer Flitzer : Der Stromer mit dem Hundeblick

Ab September will Honda mit seinem neuen Modell „e“ auf dem europäischen Markt der Elektroautos mitmischen.

Elektro? Das machen heute doch alle – von Audi bis Volvo. Und demnächst also auch Honda: Der für die IAA angekündigte „e“, ein schnörkellos gezeichneter viersitziger Fünftürer im Polo-Format (Länge 3,90 Meter) lässt mit bald 136 PS/100 kW und 300 Newtonmetern muntere Fahrleistungen erwarten. Sein Akku soll sich in einer Kaffeepause zu 80 Prozent aufladen lassen und für mindestens 200 Kilometer reichen. Hondas „e“ wird bei den elektrischen Kleinen die Rolle eines formal wie technisch außergewöhnlichen Außenseiters spielen, freilich auch im Preis. Erste Schätzungen gehen von 35 000 Euro aus.

Der elektrische Honda gibt sich puristisch ohne überflüssige Linien, Sicken, Falze. Mit runden Hundeaugen als Scheinwerfer, mit Anklängen an den ersten Civic am Heck. „Wir wollen Sympathie mit Nostalgie verbinden“, erklären die Vertreter des Unternehmens. Besonderheiten sind in den Fensterrahmen versteckte Griffe für die hinteren Türen, die den „e“ optisch an einen sportlichen Dreitürer erinnern lassen. Auch die vorderen Türgriffe sind versenkt, sie springen zum Öffnen heraus und sind dann beleuchtet. Ein Gag vorn und hinten sind von innen beleuchtete Markenzeichen – die von den Zulassungsvorschriften aber vermutlich gekippt werden. Runde Leuchten kennzeichnen auch das Heck, wie ihre Pendants vorn mit einer (bei allen Karosseriefarben) schwarzen Blende verbunden.

Als Armaturenbrett breiten sich fünf Bildschirme aus, versorgt von nicht weniger als acht Kameras. Zwei kleine Bildschirme ersetzen die Außenspiegel. Die seitlichen Kameras bleiben bei Schmuddelwetter sauber, sie senken zudem den Luftwiderstand. Das 8-Zoll-Display vor dem Fahrer zeigt wie üblich alle wichtigen Informationen. Die beiden weiteren Touchscreens (12,3 Zoll) dienen unter anderem als Parkhilfe, für Klima, Navi, Telefon und Unterhaltung. Der Innenspiegel ist ebenfalls ein Bildschirm, lässt sich aber auch als normaler Spiegel schalten.

Platz gibt es etwa wie in der Polo-Klasse, vorn reichlich auf weit verstellbaren Sitzen. Hinten reicht es unverkrampft für zwei Erwachsene. Der Kofferraum allerdings ist eher klein. Er lässt sich wie üblich durch Vorklappen der ungeteilten Rücksitzlehne zum Laderaum erweitern.

Auch technisch ist der Honda „e“ anders als die anderen. Hinterradantrieb soll für ein sportliches Fahrgefühl sorgen. Vor allem ermöglicht er stärkeres Einschlagen der Vorderräder und damit einen besonders kleinen Wendekreis: 8,60 Meter fast wie bei einem Smart. Die Batterie (in der Serie mit Garantie für acht Jahre und 160 000 Kilometer) hat ihren Platz wie üblich im Unterboden zwischen den Sitzen. Mit ihren rund 500 Kilogramm Gewicht sorgt sie für einen niedrigen Schwerpunkt und damit für geringe Neigung in Kurven. Eine durchsichtige Klappe vorn in der Haube enthält den Ladestecker und eine Ladeanzeige.

Mit 36 Kilowattstunden (kWh) ist der Akku kleiner als bei den meisten Wettbewerbern in der Klasse. Honda spricht von mindestens 200 Kilometern Reichweite nach WLTP, bei sanfter Gangart sollen bis zu 300 Kilometer möglich sein. Speziell im Winter bei häufigem Gebrauch der Heizung (Strombedarf bis 5 kW) erscheinen 36 kWh als eher knapp. „Wozu eine größere Batterie“, fragt dennoch Kotaro Yamamoto von der technischen Entwicklung, „für den anvisierten Einsatz in der Stadt und im Umland reichen 200 Kilometer allemal. Größere Akkus machen das Auto nur größer, schwerer und teurer.“

Wie die Fahrwerte stehen auch die Preise noch nicht fest. Mit der üppigen Ausstattung – die erwähnten fünf Bildschirme sollen ebenso serienmäßig sein wie LED-Scheinwerfer oder ein 230-Volt-Anschluss im Auto – werden sie vermutlich deutlich über dem neuen Opel Corsa-e liegen. Dieser Hauptkonkurrent beginnt mit knapp 30 000 Euro.

Offiziell vorgestellt wird der „e“ zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September. Die Produktion soll gegen Jahresende anlaufen. 5000 Exemplare sollen nächstes Jahr nach Europa kommen, 2500 nach Norwegen, 1500 nach Deutschland. Um deren Verkauf wird sich Honda kaum Gedanken machen müssen, selbst wenn der Preis 35 000 Euro übersteigen sollte. Die jüngst verlängerte E-Auto-Prämie von 4000 Euro gilt auch für Honda. Mit 800 Euro Anzahlung lässt sich ein „e“ bereits heute bestellen.

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