Der neue VW Golf: Der Bestseller wird unbezwingbar bleiben

Neuvorstellung : Der Bestseller wird unbezwingbar bleiben

Äußerlich vertraut kommt der neue Golf daher, aber unter dem Blechkleid zieht neue Technik ein. Volkswagen hat sich dabei auf zwei Punkte konzentriert: Digitalisierung und Hybridisierung.

Bei der Weltpremiere der achten Generation des Golf in Wolfsburg unweit der Montagelinien zeigt sich die „Ikone in der Kompaktklasse“, so VW, fit für die Herausforderungen in der Automobilindustrie. Der Golf ist mit 35 Millionen Exemplaren das meistgebaute Modell bei VW und gleichzeitig das Herz der Marke. Auf ihn wird es in Zukunft ankommen, auch wenn das reine Elektroauto von VW, der ID.3, schon in den Startlöchern steht und ab Mitte 2020 ausgeliefert wird.

Der Golf VIII kommt bereits im Dezember zu den Kunden. „Cool und sportlich wie kein anderer Golf vorher sieht er aus“, findet VW-Chef Herbert Diess. Doch erst bei genauem Hinsehen fallen die Änderungen auf. Es bleibt weitgehend bei den bisherigen Abmessungen. Mit 4,28 Metern Länge misst er 2,6 Zentimeter mehr als der Vorgänger. Die Breite (1,79 Meter) bleibt gleich, die Höhe (1,46 Meter) nimmt um 3,6 Zentimeter ab. Der Radstand ist mit 2,64 Metern gleich.

Die stärker konturierte und weiter heruntergezogene Motorhaube fällt genauso ins Auge wie die schlankeren Scheinwerfer, die immer mit LED-Technik ausgestattet sind, und der schmalere Kühlergrill. Da nähert er sich etwas dem Polo an. Auch Seitenansicht und Heck des Golf, der künftig nur noch als Fünftürer angeboten wird, wirken dynamischer.

An der Heckpartie fällt die stärkere Ausformung auf, die ihn bei gleicher Spurweite wie bisher breiter wirken lässt. Vorn wie hinten prangt erstmals das frische Marken-Logo. Bei den Endrohren greift VW einen Trend auf: Sie verstecken sich unter der Heckschürze.

Wie sollte es beim Klassenprimus auch anders sein, die erste Sitzprobe fällt zur vollen Zufriedenheit aus. Das Platzangebot kann sich sehen lassen, auch im Fond bei bequemer Bein- und Kopffreiheit. Wir fühlten uns geborgen und sofort mit der Bedienung vertraut, obwohl das serienmäßig digitale Cockpit doch einiges an Umgewöhnung verlangt.

Für Smartphone-Nutzer stellt der Tablet-artige Touchscreen aber kein Handicap dar. Mittig installiert und ohne Aufpreis erhält ihn der Kunde im Acht-Zoll-Format, in höheren Ausstattungsstufen misst er 10 Zoll. Das Cockpit wirkt allein schon durch die geringe Zahl an Tasten aufgeräumt. Das bisher bereits vernünftige Kofferraumvolumen (380 – 1270 Liter) soll übrigens nicht wachsen.

Aufhorchen ist bei den Motoren angesagt, Hybride sind auf dem Vormarsch (siehe Info-Box). Insgesamt bietet VW zwölf Motorisierungen an, von denen acht neu sind. Bei den Benzinern führt VW demnächst die neuen Mildhybride mit Riemen-Startergenerator und 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie ein. Sie heißen eTSI und sind in den drei Leistungsstufen verfügbar: der 1.0 mit 110 PS/81 kW und Siebenstufen-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) sowie die beiden 1,5-Liter mit 130 PS/96 kW und 150 PS/110 kW und DSG.

Angekündigt sind zudem zwei Plug-in-Hybride: der 1.4 TSI PHEV mit 204 PS und mit 245 PS Systemleistung, jeweils mit DSG. Beide haben eine neue 13-kWh-Lithium-Ionen-Batterie an Bord, die bis zu 60 Kilometer Reichweite im reinen Elektrobetrieb ermöglichen soll.

Als Einstiegsmotor fungiert der 1,0-Liter-Dreizylinder-TSI mit 90 PS/66 kW und Handschaltung. Die stärkere Version bietet 110 PS/81 kW. Mehr Power liefert der Vierzylinder 1.5 TSI mit 130 PS/96 kW oder 150 PS/110 kW. Beide Versionen haben Sechsgang-Handschaltungen. Der Verbrauch konnte über die gesamte Baureihe um zehn, bei den TDI um 17 Prozent gesenkt werden. Auf Erprobungsfahrten haben VW-Mitarbeiter meist um 4,5 Liter auf 100 Kilometer abgelesen.

Wieder mehr Spaß dürften dank sauberer Abgaswerte die Anhänger des Diesels haben. Erstaunliches Novum im TDI sind zwei Stickoxid-Katalysatoren, wodurch der NOx-Ausstoß um 80 Prozent sinkt. Zudem hat der Diesel künftig 2,0 Liter statt 1,6 Liter Hubraum und erzeugt in zwei Leistungsstufen 115 PS/85 kW und 150 PS/110 kW. Wahlweise gibt es Handschaltung oder DSG.

Zum Marktstart werden nur einige der Motoren verfügbar sein. Man spricht vom 1.5 TSI und den beiden Dieselaggregaten. Bei den alternativen Antrieben wird VW außer den Hybriden später auch die Erdgasvariante TGI anbieten, die 130 PS/96 kW leistet.

Auf neuestem Stand ist die Vernetzung, manches freilich optional. Erstmals bei einem VW-Modell bietet der neue Golf Car2X-Infos, die den Fahrer im Umkreis von 800 Metern vor Gefahrenstellen warnen. Dank festverbauter eSIM sei der Neue immer online, hieß es bei der Premiere. Zudem ist autonomes Fahren mit Einschränkungen möglich. Man spricht von assistiertem Fahren.

VW baut im neuen Golf ein digitales Cockpit ein. Der Fahrer kann die Displays nach seinem Geschmack konfigurieren und programmieren. Foto: Volkswagen
Das Heck des Golf 8 ist stärker ausgeformt, was ihn bei gleicher Spurweite wie bisher breiter wirken lässt. Foto: Volkswagen

Der Golf der achten Generation hört auf natürliche Sprachbefehle, was die Bedienung erleichtert. „Frag Alexa“ ist direkt in das Auto integriert. Diverse Assistenzsysteme unterstützen den Fahrer. Sogar nachträglich können Systeme freigeschaltet werden. Künftig lässt sich der Golf in vier Ausstattungsstufen ordern: Golf, Life, Style und R. Preise nennt Volkswagen noch nicht, Insider rechnen mit etwa 19 000 Euro für die Basisversion trotz der Aufwertung rundum wie digitales Cockpit, Vernetzung und Klimaanlage in Serie.

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