| 18:20 Uhr

Schlichtes Design mit inneren Werten
Auf Augenhöhe mit den Platzhirschen

Der koreanische Kombi hat in der neuesten Version zu seinen europäischen Mitbewerbern aufgeschlossen.
Der koreanische Kombi hat in der neuesten Version zu seinen europäischen Mitbewerbern aufgeschlossen.
Frankfurt. Der neue Kia Ceed SW hat im Vergleich zum Vorgänger zugelegt: Er bietet mehr Platz, neue Sicherheitssysteme und moderne Motoren. Von Gundel Jacobi

Auch in seiner dritten Generation trägt der Kia Ceed als Kombi die Bezeichnung SW für Sportswagon. Er ist weiterhin am markentypischen Kühlergrill zu erkennen, der als Hundeknochen, Hantel oder Tigernase gedeutet wird und von Chefdesigner Peter Schreyer entworfen wurde, der vor mittlerweile zwölf Jahren von Volkswagen zu Kia wechselte. Schreyer zeichnet inzwischen auch für die koreanische Schwestermarke Hyundai verantwortlich – und gilt als ernsthafter Volkswagen-Jäger. Im vorliegenden Fall handelt es sich um den Wettbewerber des VW Golf Variant.


Als gestalterischen Knaller will man den Ceed SW vielleicht nicht bezeichnen, aber er trägt das gefällige Äußere, das die Zielgruppe in dieser Wagenklasse schätzt – mit ein paar Kanten und Wölbungen mehr als der Vorgänger. Am Heck fallen vor allem der recht große Dachspoiler und die flott gezeichneten Rückleuchten auf.

Die wahren Qualitäten liegen im Inneren. Dort verfügt der Kombi über alle Gene eines praktischen Automobils. Aufgeräumt geht es im Cockpit zu, denn Schalter, Knöpfe, Rundinstrumente sowie berührungsempfindlicher Bildschirm sind klar geordnet und leicht zu bedienen. Ob Sitzkomfort oder Verarbeitung, man befindet sich zweifelsfrei auf Augenhöhe mit den Platzhirschen aus Europa à la Ford Focus Turnier oder Opel Astra Sportstourer. Auch im Fond herrscht keine Raumnot; in den höherwertigen Ausstattungen ist die Rückbank dreifach unterteilt umklappbar.



Kombifahrer blicken naturgemäß mit großen Erwartungen auf den Kofferraum, und da ist der Ceed SW in den vordersten Rängen dieser Fahrzeugklasse einzustufen: 625 Liter Stauvolumen bis zur unteren Fensterkante und bis zu 1694 Liter dachhoch bei umgeklappten Sitzen, wobei eine nahezu ebene Fläche entsteht.

Die hinteren Rückenlehnen lassen sich bequem per Hebel vom Gepäckabteil aus entsperren und umlegen. Obendrein ermöglicht die Ladekante in 62 Zentimetern Höhe ein rückenschonendes Be- und Entladen. Auf Wunsch gibt’s eine elektrische Heckklappe, ein Gepäckraumtrennsystem auf Schienen und ein Schutznetz zwischen Transportraum und Fahrgastzelle. Man kann die Gepäckabdeckung passgenau in ein Fach unter dem Boden ablegen, was sich noch nicht bei allen Herstellern durchgesetzt hat.

Die SW-Motorenpalette umfasst die gleichen Triebwerke wie die des Ceed-Fünftürers: drei Benziner sowie zwei Diesel mit Leistungen zwischen 100 PS/73 kW und 140 PS/103 kW – alle entsprechen der Abgasnorm Euro 6d-temp. Den Einstieg bildet der 100 PS/73 kW starke 1,4-Liter-Ottomotor (Details in den „Zahlen und Daten“). Aus einem Liter Hubraum speist sich hingegen der 120 PS/88 kW leistende Dreizylinder. Die größte Nachfrage soll laut der Kia-Verkaufsstrategen dem kräftigsten der drei Benziner gelten: einem 140 PS/103 kW starken 1,4-Liter Turbomotor.

Der Normverbrauch des Vierzylinders liegt bei 5,9 Liter Super (CO2-Ausstoß: 135 g/km), ein Wert, den wir auf ersten Testfahrten mit glatten sechs Litern nur knapp verfehlten. Sein ausgesprochen ruhig laufender Motor konnte mit stets genügend Kraftreserven überzeugen, die mit leichtem Gasfuß abrufbar waren. Bei den Fahrzeugen der Dieselfraktion stehen zwei 1,6-Liter-Selbstzünder zur Verfügung. Aus diesen Motoren haben die Ingenieure 115 PS/85 kW oder 136 PS/100 kW herausgekitzelt. Ein Dieselpartikelfilter mit einer SCR-Abgasreinigung ist mit an Bord.

Kia-Deutschland-Geschäftsführer Steffen Cost erklärte bei der Präsentation des Ceed SW: „Wir glauben an den Diesel. Unser CRDi 136 begnügt sich in der sparsamsten Ausführung mit 3,9 Liter Kraftstoff, also 104 Gramm CO2 pro Kilometer. Das ist unschlagbar.“

Alle Motoren werden je nach Ausstattung mit einem Sechsganggetriebe oder einer Siebenstufen-Doppelkupplungsautomatik angeboten. Elektronische Helfer vom Stau- und Parkassistent über Frontkollisionswarner mit Fußgängererkennung einschließlich Notbremsfunktion bis hin zur Verkehrszeichenerkennung sind auf Wunsch zu bekommen.

Der um zehn Zentimeter auf 4,60 Meter Länge gewachsene Ceed SW wird im slowakischen Kia-Werk Zilina nahe der Hauptstadt Bratislava produziert und kostet in der Basisausführung ab 16 990 Euro. Das sind rund 1000 Euro mehr als für den vergleichbaren fünftürigen Ceed. Bei den Diesel-Kombi-Modellen beginnt die Preisliste bei 18 899 Euro.