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Der heimliche Allrad-Spezialist

Der heimliche Allrad-Spezialist

Skoda hat sich geradezu heimlich zum 4x4-Spezialisten entwickelt und plant bereits weitere allradgetriebene Fahrzeuge. Auch Coupé und Cabrio könnten schon bald das Sortiment ergänzen. Entwürfe gibt es schon.

 Die allradgetriebene Scout-Ausführung des Octavia Combi verfügt über allerlei robuste Anbauteile.
Die allradgetriebene Scout-Ausführung des Octavia Combi verfügt über allerlei robuste Anbauteile.
 Auch der kleine Van Roomster ist als Scout-Version auf Wunsch mit einem 4x4-Antrieb erhältlich.
Auch der kleine Van Roomster ist als Scout-Version auf Wunsch mit einem 4x4-Antrieb erhältlich.

Allradantrieb. Da denkt manch einer an den Mitsubishi Pajero, an den Unimog vielleicht oder auch noch an das G-Modell von Mercedes-Benz. Auf jeden Fall aber an Audi. Das sind die mit dem Quattro-Antrieb. Doch der Marke mit den vier Ringen erwächst Konkurrenz unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns. Langsam, aber beständig hat sich Skoda als Allradspezialist etabliert, verkauft prozentual mehr 4x4-Fahrzeuge als die Schwestermarken VW und Audi.

Der Trick ist die punktgenaue Platzierung der Produkte aus der Spezialitäten-Abteilung. Sie tragen den Beinamen Scout. Platzhirsch ist der mit allerlei martialischen Anbauteilen aufgehübschte Octavia Combi Scout. Seit Anfang August ist die dritte Generation des kompakten Kombis im Rennen, die ab 30 250 Euro erhältlich ist.

Sogar den kleinen Fabia, der bis 2010 gebaut wurde, gab es schon als Scout-Version. Diese hatte allerdings nur zwei angetriebene Räder. Den Käufern war nur das Offroad-Kleid wichtig. Der Mikrovan Roomster ist indes weiterhin als Scout ab 18 190 Euro verfügbar.

Auf ein gutes Absatzvolumen bringt es das Kompakt-SUV Yeti. Der sympathische "Schneemensch" ist in zwei Ausführungen erhältlich: einer Normalversion und einer Outdoor genannten Version mit robusterem Kleid. Der Yeti (ab 19 190 Euro) ist sowohl mit Front- als auch mit Allradantrieb verfügbar. Der günstige Preis lockt manchen Käufer, und vom Format her passt er ideal zwischen einen Opel Mokka und einen VW Tiguan. Die Lücke wird zum Tummelplatz für Skoda.

Ein echter Geländegänger ist der Yeti allerdings nicht. Zwar kann er mit seiner elektronischen Differenzialsperre, der multifunktionellen Kraftverteilung über eine Haldex-Kupplung und guter Achsverschränkung manch anspruchsvolle Aufgabe bewältigen, die großen Sandkastenspiele, bei denen nur Archetypen wie Land-Rover, der Mercedes G oder der Toyota Landcruiser bestehen, beherrscht er freilich nicht.

Den Erfolg des Yeti erhofft sich Skoda bald für einen weiteren Allrader. Unter dem Arbeitsnamen Snowman entwickeln die Designer und Techniker in Mlada Boleslav ein weiteres SUV, das als großer Bruder des Yeti den VW Tiguan geringfügig übertrifft und mit einem üppigen Platzangebot sowie sehr anständigen Offroad-Eigenschaften das Programm erweitern soll.

Doch auch der Snowman soll auf der Straße bleiben. Er soll mit gesteigerter Traktion eher im Anhängerbetrieb bestehen, wenn es gilt, schwere Wohnwagen, Pferdetransporter oder Bootstrailer über nasse Wiesen oder durch tiefes Geläuf zu ziehen. Formal wird er die Designphilosophie von Skoda weiterführen, wie das die auf dem vorigen Genfer Automobilsalon gezeigt Studie Vision C bereits angedeutet hat. Mit glatten Flächen und scharfen Kanten soll der Snowman im nächsten Jahr die Schauräume der Händler bereichern. Designchef Jozef Kaban zumindest führt die eingeschlagene Richtung mit größter Konsequenz fort.

Der Snowman wird vermutlich außerdem eine Option bieten, die bei Skoda bislang nicht im Angebot war. Ein sechster und siebter Sitzplatz auf einer aufklappbaren Behelfsbank im Fahrzeugheck dürfte viele Kunden zwecks Kindergarten- oder Schultransport interessieren. Damit wird die tschechische VW-Tochter allmählich zum Vollsortimenter, dann fehlen nur noch Coupé und Cabrio-Versionen - wie sie die bereits erwähnte Genfer Studie schon angedeutet hat.

So sehr sich Seat über Zuwächse freuen kann und so intensiv Audi den einstigen Vorsprung durch Technik wieder zu erlangen sucht, seine Wachstumsziele erreicht der VW-Konzern nur, wenn Skoda einen großen Teil dazu beiträgt.