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Der Beduine auf dem Boulevard

Der aufgefrischte VW Touareg ist am neuen Kühlergrill und den Bi-Xenon-Scheinwerfern zu erkennen. Foto: VW
Der aufgefrischte VW Touareg ist am neuen Kühlergrill und den Bi-Xenon-Scheinwerfern zu erkennen. Foto: VW FOTO: VW
Wolfsburg. Für VW hat sich der Einstieg in die Klasse der großen SUVs gelohnt. 750 000 Käufer haben sich seit 2002 für den Touareg entschieden. Bei einer Überarbeitung wurde der Verbrauch um bis zu 15 Prozent gesenkt. unserem Mitarbeiter Michael Kirchberger

In der Wüste sieht man den VW Touareg selten, allenfalls bei einer der Abenteuer-Rallyes, die über Buckelpisten und durch Treibsand führen. Bei uns ist das große und leistungsstarke SUV (Sport utility vehicle - sportliches Mehrzweckfahrzeug), das sich mit dem Porsche Cayenne allerlei Gemeinsamkeiten teilt, eher auf dem Reiterhof oder vor dem Yachtclub zu finden. Seine Fahrer schätzen das großzügige Kofferraumvolumen, die Traktionsstärke und die hohe Anhängelast des wuchtigen Allraders. Seit 2002 wurden über 750 000 Exemplare des großen SUVs verkauft.

Jetzt hat VW den Touareg umfassend aufgefrischt und die Motoren überarbeitet. Er weist jetzt eine Spur mehr Eleganz auf, mit neu gestalteten Leuchten, die serienmäßig über Xenonlicht verfügen, und einem neuen Kühler, der mit mehr Chrom verziert ist. Neue Stoßfänger vorne und hinten sowie geänderte Rückleuchten ergänzen die Pflegemaßnahmen.

Alle Touareg-Versionen sind mit einer Achtstufen-Automatik ausgestattet. Die beiden Sechszylinder- sowie der Achtzylinder-Diesel sind nach einer Überarbeitung um bis zu 15 Prozent sparsamer geworden. So kommt der 3,0-Liter-V6, der um 17 auf 262 PS erstarkt ist und ab 55 625 Euro kostet, nach der Norm jetzt mit 6,6 Litern Diesel 100 Kilometer weit. Ein neues Katalysatorsystem, eine Start-Stopp-Automatik, die bereits bei weniger als sieben km/h aktiv wird, und innermotorische Maßnahmen ermöglichen diesen Wert. Neu ist auch die Freilauffunktion, die beim Gaswegnehmen bis Tempo 160 in den Leerlauf wechselt und den Touareg rollen lässt. Segeln nennt VW diesen Fahrzustand. War bisher nur die Hybridversion des SUVs (Normverbrauch: 8,2 Liter Super, ab 77 525 Euro), in der ein 3,0-Liter-Sechszylinder-Benziner (333 PS/245 kW) und ein Elektromotor (46 PS/34 kW) kombiniert sind, damit ausgestattet, verfügen jetzt alle Touareg-Versionen über den Freilauf.

Auf ersten Testfahrten über Land und Autobahnen mit dem V6-TDI lag unser Verbrauch knapp unter zehn Litern. Für einen Zweitonner ist das nicht wirklich verwerflich, zumal die Fahrleistungen sehr anständig sind: 225 km/h Spitze und eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 7,3 Sekunden.

Weitere Triebwerke sind ein 3,0-Liter-V6-Diesel mit 204 PS/150 kW (Normverbrauch: 6,6 Liter, ab 52 125 Euro) und ein 4,1-Liter-Achtzylinder-Benziner mit 340 PS/250 kW (Verbrauch: 9,1 Liter Super, ab 74 725 Euro).

Vor allem das Ladevermögen und die Anhängelast machen den Touareg für bestimmte Kudengruppen besonders attraktiv. 3,5 Tonnen darf er ziehen, das schaffen nur wenige. Und bei 697 bis 1642 Litern Kofferraumvolumen sowie einer Zuladung von 770 Kilogramm müssen Segler oder Reiter kaum etwas zu Hause lassen.

Trotz seiner Masse fährt sich der nach dem Phaeton zweitteuerste VW kaum unhandlicher als eine Mittelklasse-Limousine. Lenkung und Bremsen arbeiten präzise, die Federung agiert auf hohem Niveau und bügelt Waschbretter glatt.

Es gibt serienmäßig eine Menge Komfort an Bord, dennoch ist die Liste der begehrenswerten Extras lang. So kostet das Fahrerassistenzpaket mit Abstandstempomat, Stop-and-go-Funktion, Notbremsfunktion, Spurhalte- und Spurwechselwächtern, Verkehrszeichenerkennung und Insassenschutzsystem 3545 Euro. Für das Radio- und Navigationssystem verlangt VW 2345 Euro, für die Rundumkamera mit Einparkhilfe 1970 Euro. Lederausstattung kostet 3910 Euro, außerdem sind Chrom und Edelholzapplikationen im Angebot. Solche Extras treiben den Preis des Touareg leicht auf über 90 000 Euro. Wer weniger Geld ausgeben, aber den VW-Konzern nicht verlassen will, muss sich gedulden, bis die Tochtermarke Skoda spätestens 2016 die größere Ausführung des Yeti vorstellt. Das neue SUV wird derzeit unter dem Arbeitsnamen Snowman entwickelt.