CMT Stuttgart 2019 : Die Caravan-Branche im Glücksrausch

Auf der Freizeit- und Urlaubsmesse CMT in Stuttgart (bis 20. Januar) präsentiert die Caravaning-Industrie einmal mehr eine kaum noch überschaubare Fülle von Wohnwagen und Wohnmobilen.

1000 Reisemobile und Caravans, 120 Premieren und eine ausgeprägt gute Stimmung. Das waren die Rahmenbedingungen der Freizeit- und Urlaubsmesse CMT in Stuttgart, der traditionell ersten Fachausstellung des neuen Jahres.

Die Branche hat 2018 zum achten Mal in Folge mit neuen Rekordzahlen abgeschlossen, rund 47 000 Reisemobile und etwa 24 000 Wohnwagen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft, so viele wie nie zuvor. Auch für die beginnende Saison rechnet man mit einer erneuten Steigerung um zehn Prozent.

Leichtbau, Vollausstattung, Komfort und Sicherheit sind erneut die Themen der Hersteller. Die Gewichtsgrenze von 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse wird immer bedeutsamer, denn schwere Reisemobile dürfen nur mit dem Spezialführerschein der Klasse C1 gefahren werden. Außerdem fällt in vielen Urlaubsländern höhere Straßenmaut an, es gilt das Lastwagen-Tempolimit von 80 km/h und das Überholverbot für Brummis.

Die komplette Komfortausstattung ist bei vielen Herstellern Pflicht statt Kür. Hobby präsentierte das teilintegrierte Reisemobil Optima Ontour Edition auf Citroën-Basis. Der Wagen ist 6,78 Meter lang, 2,16 Meter breit und hat eine Zuladung von 618 Kilogramm, ohne die 3,5-Tonnen-Grenze zu überschreiten. Für 50 600 Euro gibt es serienmäßig einen Auszug für die Gasflaschen, einen 96-Liter-Abwassertank, der isoliert und beheizt ist, Fernseher mit Sat-Anlage und DVD-Spieler, eine Rückfahrkamera, Klimaanlage, Leichtmetallräder und ein Navigationssystem. Günstiger geht es kaum.

Preisschlager zeigte auch die zur Hymer-Gruppe gehörende Einsteigermarke Carado. Die schmale und leichte Van-Serie in integrierter Bauweise (ebenfalls auf Citroën-Basis) gibt es als V 132 für 35 999 und als V 337 für 38 999 Euro. Die Einrichtung ist einfach, aber nicht dürftig. Die Softclose-Schließmechanik der Klappen und Türen findet sich üblicherweise erst in höherwertigeren Modellen.

In einer teureren Klasse, aber immer noch vergleichsweise günstig, rollen die beiden Crafter Kastenwagen von VWN (Volkswagen Nutzfahrzeuge) an den Verkaufsstart. Der Grand California 600 kostet mit einem Doppelquerbett im Heck, dem 177 PS/130 kW starken Diesel und Getriebe-Automatik schlanke 54 990 Euro. Der längere Grand California 680 bei gleicher Ausstattung und Längs-Einzelbetten hinten 57 100 Euro. Die ersten Auslieferungen sollen Ende Mai erfolgen.

Bei der Tochtermarke Weinsberg, bekommt der Kastenwagen Carabus eine bessere Isolation. Der 600 MQH etwa hat ein doppelschaliges Superhochdach, bietet 2,10 Meter Stehhöhe und ein Hubbett.

Überarbeitet wurde die Caravan-Serie Vivaldi bei Tabbert. Vier Grundrisse, alle mit dem neuen Zweiwege-Kühlschrank, gibt es ab 24 500 Euro einschließlich der serienmäßigen Truma C Kombi, einem Gerät, das sowohl heizen als auch Wasser erwärmen kann.

Dethleffs erweitert die c’go-Caravan-Baureihe um zwei Up-Varianten. Die Wohnwagen sollen mit ihrer jungen, frischen Anmutung und günstigen Preisen vor allem Einsteiger-Familien ansprechen. Helle Möbel, klare Linien und Leichtbau bestimmen die Ausstattung. Die Preise starten bei 16 990 Euro.

Bei den Reisemobilen setzt Dethleffs nun ebenfalls auf den neuen Mercedes-Benz Sprinter. Er macht den Globeline T 66 13 mobil, ein teilintegriertes, 6,96 Meter langes Reisemobil, das in der 3,5-Tonnen-Klasse antritt. Hinterradantrieb, Einzelbetten und ein stufenloser Boden sind seine wesentlichen Merkmale. Das Hubbett gibt es optional. Der Grundpreis liegt bei 62 999 Euro.

Der neue Challenger 274 hat fünf Sitzplätze und ist 6,39 Meter lang. Als Basis dient der komfortable Ford Transit, der deutlich günstiger als VW Crafter oder Mercedes Sprinter ist und den Rivalen und Marktführer Fiat Ducato mit besserem Komfort entgegentritt. Clever ist das Etagenbett in der Wagenmitte, das zweistöckig per Gurtbefestigungen und Elektroantrieb unter das Dach angehoben werden kann.

Von Roller Team kommt mit dem Kronos mal wieder ein Alkoven-Fahrzeug: Der 279 M hat eine variable und riesige Heckgarage und kostet 47 753 Euro.

Innovationsreich zeigte sich Knaus-Tabbert. Der neue Van TI Plus auf Basis des MAN TGE hat als Modell 700 LF in der Wagenmitte zwei in Fahrtrichtung angeordnete Sitze. Die lassen sich sehr einfach zum Doppelbett umbauen. Während der Fahrt dagegen bekommen sie mit aufblasbaren Luftpolstern an den Rändern von Sitzfläche und Rückenlehne eine dynamischere Kontur und bieten so wesentlich mehr Seitenhalt. Der 700 LF kostet 64 990 Euro, mit Allradantrieb steigt der Preis um 2350 Euro.

Im Kastenwagen Boxlife wärmt künftig eine Dieselheizung den Innenraum, was das Stauvolumen für den Gasvorrat reduziert.

In einer anderen Preisklasse ist Hymer unterwegs. Bei 70 000 Euro beginnt die Preisliste der neuen Modelle 550 und 600, die das Angebot der Baureihe B Modern Comfort um zwei Aufbaulängen erweitern. Beide rollen auf dem Mercedes Sprinter und können mit integriertem oder teilintegriertem Aufbau geordert werden.

Bei Eriba feierte der Touring 820 Premiere, ein Luxus-Wohnwagen, der ultramodern gestaltet ist. 150 Liter Kühlschrank, Kaffee-Kapselmaschine sowie ein fürstliches Schlafzimmer im Heck werden geboten. Zur Serienausstattung gehören ein Bad mit separater Dusche, elektrische Hubstützen, die Lackierung in Silbermetallic und das umlaufende, blaue LED-Leuchtenband. Mit einem Preis von 75 000 Euro wird der maximal 2,5 Tonnen schwere Acht-Meter-Caravan jedoch ein seltener Gast auf den Campingplätzen bleiben.

La Strada präsentiert als erstes Unternehmen den Sprinter mit Allradantrieb. Für den gut ausgestatteten Regent 4x4 werden aber auch schnell 100 000 Euro fällig. Neu im Programm ist eine Variante des Avanti H, der als Plus eine pfiffige Regalkonstruktion im Heck hat, mit der sich der Stauraum hinter den Doppeltüren des Fiat Ducato besser nutzen lässt.

Knapp sieben Meter lang, rein elektrisch und ziemlich teuer: Die Marke Iridium präsentierte ein serienreife Reisemobil mit Elektroantrieb. Die im Boden verbauten Akkus sollen eine Reichweite von 300 Kilometern ermöglichen. Der Preis des teilintegrierten Viertonners liegt bei 169 000 Euro.

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