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Interview mit Borgward-Designer Anders Warming
„Ich bin kein Liebhaber von klassischem Retro-Design“

Der dänische Designer Anders Warming (46) arbeitete für Volkswagen und BMW, zeichnete zuletzt bei Mini die dritte Generation und vollzog damit im Jahre 2014 den Sprung in die Mini-Neuzeit. Von Gundel Jacobi

Nun ist er seit eineinhalb Jahren Designchef bei Borgward. Im Interview spricht er über den schwierigen Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Herr Warming, Sie kennen sich aus mit Retro-Design. Liegt die Zukunft von Borgward in der Vergangenheit?


Warming: Natürlich ist das Borgward-Erbe wichtig. Aber ich bin kein Liebhaber von klassischem Retro-Design, denn unsere Marke ist nicht rückwärtsgerichtet, sondern steht für Pioniergeist. Auch der Firmengründer Carl Borgward hat seinerzeit stets neue Ideen umgesetzt.



Das heißt, außer dem traditionellen Rauten-Markenzeichen wird nichts in die neue Ära einfließen?

Warming: Tatsächlich sind wir sehr stolz auf unser Logo, es steht ja zentral in der Mitte des Gesichts. Darüber hinaus wollen wir mit der Scheinwerfer-Grafik links und rechts wiedererkennbare Augen gestalten, wie wir es bereits beim Isabella Concept gezeigt haben.

Dieses Konzeptfahrzeug stand vergangenes Jahr auf der IAA in Frankfurt, mit mutigen Linien und Flächen.

Warming: Genau, und damit sind wir beim zweiten wichtigen Thema. Man muss es schaffen, auch in der Seitenansicht eine Ikone zu schaffen. Deshalb werden wir in den legendären Isabella-Hüftschwung Hightech-Elemente wie versenkbare Türgriffe oder Radarsensoren einfügen. Damit bleibt die ursprüngliche Schönheit neu gezeichnet erhalten.

Wie kann es denn gelingen, dass jemand auf einen Borgward aufmerksam wird und ihn haben möchte?

Warming: Ich möchte mögliche Kunden dazu bringen, dass sie beim ersten Blick auf eines unserer Modelle sagen: „Wow! Der sieht super aus.“ Diese Wirkung wird durch eine Summe vieler Einzelheiten erzielt. Wenn das Auto dann noch vollgepackt ist mit aktuellster Technologie, dann haben wir sehr gute Chancen, künftige Käufer zu überzeugen.

Den aktuellen BX7 haben noch andere gestaltet. Wann werden wir denn das erste Borgward-Modell kaufen können, das Ihre Handschrift trägt?

Warming: Das wird noch etwas dauern. Aber natürlich arbeitet mein Team mit mir an der Modellpflege bestehender Fahrzeuge. Wenn sie genau hinschauen, werden sie einen fließenden Übergang erkennen.

Aktuell stehen hierzulande zwei Borgward-SUVs bereit. Wie sieht es mit anderen Karosserieformen aus?

Warming: Im Hinblick auf die Elektromobilität eignet sich wegen des Platzbedarfs für die Batterien natürlich hervorragend ein SUV. Aber tatsächlich glaube ich, dass wir verschiedene Kunden mit unserer emotionalen Design-Sprache gewinnen können. Das wären neben SUVs auch Limousinen, Coupés oder Cabrios.

Wie sehen Sie die Zukunft der Marke Borgward, die in der Vergangenheit Höhenflüge, aber auch völliges Scheitern erlebt hat?

Warming: Hier schließt sich der Kreis wieder, denn uns hilft das beeindruckende Erbe, mit dem wir sorgsam umgehen wollen. Solch eine Grundlage haben völlig neu erfundene Marken einfach nicht. Wenn wir es schaffen, diesen ursprünglichen Pioniergeist in faszinierenden Modellen wiederaufleben zu lassen, bin ich von einem dauerhaften Erfolg überzeugt.

Das Interview führte Gundel Jacobi.