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BMW 4er-Cabrio: Eine Luftveränderung in 18 Sekunden

Neuvorstellung : Eine Luftveränderung in 18 Sekunden

Nach dem 4er-Coupé hat BMW auch das 4er-Cabrio erneuert. Statt eines dreiteiligen Klappverdecks aus Metall gibt es eine Stoffmütze.

Himmelweit offen, das mag die Cabrio-Gemeinde am liebsten. Besonders, wenn das Gefährt von BMW stammt. Beim neuen 4er kann sich der Fan am klassischen Stoffverdeck genauso erfreuen wie an der dynamischen und sportlichen Linienführung, vielleicht auch an der großen Niere, die wie so vieles vom 4er-Coupe übernommen wird.

Den idealen Kunden haben die BMW-Manager jedenfalls ausgemacht. Er oder sie ist zwischen 45 und 55 Jahre alt und erfolgreich im Beruf, was auch auf die Einkommensverhältnisse schließen lässt. Denn stolze 54 800 Euro muss der Käufer mindestens für das Einstiegsmodell BMW 420i Cabrio Steptronic berappen. Für das Topmodell M440i x-Drive sind es sogar 75 900 Euro. Und die Preisliste für Extras ist lang.

Schon der erste Blick lässt das geschärfte Design des 4er-Cabrios erkennen: Neben der etwas überdimensionierten, wenn nicht sogar protzigen Niere zählen die flachen Scheinwerfer dazu, serienmäßig mit LED-Licht. Sie sind seitlich bis hin zu den Radhäusern gezogen. Zum kräftigen Auftritt tragen nicht zuletzt die geänderten Proportionen bei. Die Karosserie streckt sich nun um fast 13 Zentimeter auf 4,77 Meter Länge; das Plus in der Breite (1,85 Meter) liegt bei drei, beim Radstand (2,85 Meter) bei vier Zentimetern.

Ist man eingestiegen, zeigen sich die Qualitäten der bayerischen Autobauer. Auch im BMW 4er-Cabrio fühlt sich alles gediegen an, je nach Modell und Ausstattung herrscht hier mehr oder weniger Luxus pur. Mit der Bedienung ist der Fahrer schnell vertraut. Für die meisten wird das Öffnen der Stoffkapuze, die das Klappdach ablöst, das Highlight sein. Den Vorgang inszenieren die Elektromotoren ballettartig bis Tempo 50 in nur 18 Sekunden.

Die guten Platzverhältnisse vorn und die ausgezeichnete Sitzposition tragen zum Fahrgenuss bei. BMW hat die Aufgabe, möglichst viel Raum fürs Gepäckabteil zu schaffen, ernst genommen. Es sind 385 Liter Volumen, da passt allerhand hinein, nicht nur die Golfbags. Bei geöffnetem Dach sind es immerhin noch 300 Liter, 80 Liter mehr als beim Vorgänger; geschlossen macht sich die Differenz (plus 15 Liter) kaum bemerkbar.

Zum guten Gesamteindruck tragen nicht zuletzt die Turbomotoren bei. Mag sich mancher eher Sechszylinder, genau die von früher mit ihrem samtweichem Lauf, wünschen, jetzt sind es 2,0-Liter-Vierzylinder. Eine Ausnahme gibt es: den besonders sportlichen M440i x-Drive mit 374 PS/275 kW starkem 3,0-Liter-Reihen-Sechszylinder. Zwischen der Einsteigsmotorisierung 420 Cabrio (184 PS/135 kW) und diesem Topmodell rangiert der 430i (258 PS/190 kW) ab 59 800 Euro. Auch ein Diesel ist dabei, der 420d (190 PS/140 kW) ab 57 300 Euro. Für die optische Aufrüstung durch das M-Sport-Paket muss der Kunde 4200 Euro drauflegen.

Schon der 184-PS-Basismotor macht seine Sache sehr gut, dafür sorgt auch das Drehmoment von 300 Nm in Zusammenarbeit mit der harmonischen Automatik. Klar, das Topmodell hat da mehr zu bieten, mächtige 500 Newtonmeter sind es. Der sparsame Diesel bringt es auf 400 Newtonmeter und verbraucht kaum mehr als fünf Liter nach der WLTP-Norm.

Neben dem starken Sechszylinder-Benziner tritt nur der Diesel mit Mildhybrid, einem 48-Volt-Startergenerator, an; Abgasnorm Euro 6d inklusive. Zudem hat BMW allen Modellversionen erstmals eine Acht-Stufen-Automatik spendiert. Weitere Verbesserungen lassen sie dem Fahrwerk zukommen, darunter hydraulische Anschläge. Auf ersten Testfahrten wirkte sich das stufenlose und progressive Ansprechverhalten vor allem bei Unebenheiten und in Kurven angenehm aus. BMW hat bei allen 4ern den Schwerpunkt um 23 Millimeter abgesenkt, die Spur hinten verbreitert und die Bremsen (teilweise Keramik) verbessert. Nicht zuletzt wird auch der Luftwiderstand gesenkt.

Selbstverständlich halten die neuesten Assistenz- und Infotainment-Systeme Einzug. Ein Ausnahmefall und gefühlter Star ist freilich der Allradler M440i, der alle Fahrsituationen souverän absolviert und sich besonders agil und präzise lenken lässt.

 Anders als andere Hersteller verzichtet BMW sowohl beim Kombi-Instrument als auch beim Info- und Bedien-Display im 4er auf ein Riesenformat.
Anders als andere Hersteller verzichtet BMW sowohl beim Kombi-Instrument als auch beim Info- und Bedien-Display im 4er auf ein Riesenformat. Foto: BMW

Cabrios haben bei BMW eine lange Geschichte. Schon 1936 startete das erste, inzwischen haben die Münchner insgesamt eine Million Einheiten abgesetzt. Das heutige offene Modell, das erst seit 2013 den Namen 4er trägt (vorher war es Teil der 3er-Reihe), geht vor allem in die USA, gefolgt von Deutschland, Großbritannien und China. Der Anteil der Cabrio-Version liegt bei 25 Prozent, während Coupé und Gran Coupé 30 beziehungsweise 45 Prozent ausmachen.