BMW 320d und Mercedes C 220 d im Vergleich

Automobil : Premium-Limousinen Kopf an Kopf

Aktuell reizt in der Premium-Mittelklasse besonders der Vergleich des BMW 3er mit der Mercedes-Benz C-Klasse. Unsere Testfahrten haben gezeigt, dass der BMW 320d und der Mercedes C 220 d in ihrem Segment Maßstäbe setzen.

In unserem Vergleich treffen die beiden rund 4,70 Meter langen Mittelklasse-Limousinen BMW 320d und Mercedes C 220 d mit den weiterhin gefragten 2,0-Liter-Dieselmotoren aufeinander. Es ist nicht gerade nebensächlich in diesen Zeiten, dass beide zu den besonders abgasreinen Selbstzündern zählen.

Der BMW 320d, der in frischem Gewand mit zwei echten Turboladern (statt eines Twin-Scroll-Laders mit zwei Strömungskanälen) antritt, leistet 190 PS/140 kW. Beim Mercedes C 220 d sind es mit 194 PS/143 kW geringfügig mehr. Beim bulligen Drehmoment von 400 Newtonmetern herrscht Gleichstand. Der neue Vierzylinder der Stuttgarter schafft die Leistungswerte mit einem wassergekühlten Lader. Die Kraft wird jeweils auf die Hinterräder abgegeben.

Wenn die beiden Limousinen in den Ring steigen, ist es immer eine reizvolle Paarung. Den einen als besonders dynamisch und den anderen als besonders komfortabel zu beschreiben, wäre zu einfach. Dazu liegen die fahrerischen Qualitäten der beiden zu nah beieinander.

Der 3er vermittelt einen geschmeidigen Fahrkomfort, und der C 220 d gibt sich im Handling dynamischer, als mancher denkt. Trotzdem ist der BMW stärker auf Agilität getrimmt, vor allem in der gefahrenen Version M-Sport, denn die hat die entsprechenden Zutaten an Bord: adaptive Dämpfer, variable Sportlenkung, Sportbremse und Tieferlegung.

Schon auf kleine Lenkbewegungen spricht der BMW bei höherem Tempo direkt an und verhält sich dabei dennoch fahrstabil. Lediglich auf Landstraßen muss der Fahrer geradeaus immer mal wieder leichte Kurskorrekturen vornehmen. Manche mögen speziell im Sport-Modus von einer harten Abstimmung sprechen und verweisen auf den Komfortabstrich auf kurzen Unebenheiten. Aber genau das liebt der BMW-Fahrer, wenn er das M-Paket bucht.

Der C 220 d fühlt sich dagegen gelassener an, obwohl er ähnlich schnell um die Ecken wieseln kann. Er federt selbst im strafferen Sportmodus komfortabler als der 3er in der Einstellung „Comfort“. Die Mercedes-Luftfederung, die mit 1666 Euro berechnet wird, trägt zum vorzüglichen Eindruck bei.

Kaum Unterschiede sind beim Platzangebot zu vermelden. Okay, im Fond der C-Klasse geht es etwas enger zu. Aber was sind schon drei Zentimeter mehr im sogenannten Normsitzraum. Bereits beim Gepäckabteil herrscht wieder Gleichstand: 480 Liter.

Apropos hinten: Da hatte der Münchener Testwagen 255/35er-Bereifung und der Stuttgarter 245/40er; gewiss nur ein kleiner Unterschied, auch zu vorne (225er). Einigkeit besteht wieder beim Auspuff: dicke Endrohre am Heck beidseitig.

Die Dieselmotoren bringen genug Power auf die Straße, um flott unterwegs zu sein, wann immer es sinnvoll erscheint. In Beschleunigung und Elastizität nehmen sie sich nicht viel, auch wenn der BMW die Nase knapp vorn hat, zum Beispiel beim Prestige-Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 7,1 Sekunden (statt 7,2 Sekunden). In der Spitze (240 km/h) sind sie sich wieder einig. Das sind Werte, die vor etwa 25 Jahren noch reinen Topsportlern vorbehalten waren.

Geschaltet wird beim BMW über eine vorzüglich agierende Achtgangautomatik (Option), beim Mercedes übernimmt eine Neungangautomatik das Sortieren der Gangstufen. Die Feinabstimmung beim 320er, speziell der Schaltpunkte, aber auch des Fahrwerks, empfanden wir – obwohl keine Sportenthusiasten – im Fahrmodus „Eco“ harmonischer.

Die durchzugsstarken Diesel können im Vergleich zu Benzinern in niedrigeren Touren verbrauchsgünstig bewegt werden. Das hilft auch, den Spritbedarf zu senken. Auch da liegen die beiden Kontrahenten bei ähnlichem Leergewicht (um 1600 Kilogramm) nahe zusammen, mit leichten Vorteilen für den 320d, der im Schnitt 6,0 statt 6,2 Liter auf 100 Kilometer verlangte. Das spricht schon deutlich für den Diesel, wenn er wie die beiden abgasmäßig fit ist für die Zukunft. 320d und C 220 d erfüllen die Euro 6d-temp. Auf Landstraßen können beide sogar mit gut fünf Litern im Verkehr mitschwimmen.

Galt die C-Klasse in früheren Jahren als etwas behäbig, so überzeugte der Mercedes C220 d im Test mit dynamischem Handling. Dennoch bietet auch die C-Klasse hohen Fahrkomfort. Foto: Daimler
Der BMW 320d ist mit Digitaldisplay zu haben. Auf dem Mitteltunnel sitzt der i-Drive-Controller mit Touchpad. Foto: BMW
Die C-Klasse verfügt über ein digitales Kombiinstrument. Dieses Display vor dem Fahrer ist konfigurierbar. Foto: Daimler

Der BMW 320d ist in der gefahrenen Version mit 48 700 Euro um rund 4700 Euro teurer als der Mercedes C 220 d Avantgarde. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass das serienmäßige Ausstattungsniveau beim Mercedes (zum Beispiel bei den LED-Scheinwerfern, der Spurführung, den Abstands- und Tempolimit-Assistenten) nicht entsprechend hoch liegt und er noch nicht über das neue Vernetzungs- und Infotainment-System (MBUX) verfügt. Der Bayer ist ihm deshalb bei der Bedienung des (Multimedia-) Systems und den vielseitigen Funktionen momentan voraus – und hat auch in einigen anderen Disziplinen die Nase leicht vorn.

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