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Wie sicher sind Versicherungen?
Eine günstige Prämie ist nicht alles

Den Überblick im Tarifdschungel zu behalten, ist für Verbraucher oft schwer.
Den Überblick im Tarifdschungel zu behalten, ist für Verbraucher oft schwer. FOTO: dpa-tmn / Franziska Koark
Berlin. Im November überbieten sich die Versicherer mit Angeboten, die auf den ersten Blick sensationell wirken. Doch dabei gilt es ganz genau hinzuschauen, denn bei den Leistungen gehen die Verträge zum Teil deutlich auseinander. Von Stefan Woltereck

Online-Portale, Automagazine, Tageszeitungen sind in diesen Wochen voll von Versicherungswerbung: Dicke Rabatte werden versprochen. Manchmal lässt sich wirklich sparen – vor allem bei Gesellschaften, die nur online auftreten: Keine Vertreter, keine Kosten. Aber auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt – und nicht alles preiswert, das als günstig angepriesen wird.


Die Kündigung muss in aller Regel am 30. November bei der Versicherung vorliegen, damit der Vertrag zum Jahresende ausläuft. Das Weitere ist einfach: Eines der zahlreichen Vergleichsportale anklicken, Antrag auf dem Bildschirm ausfüllen – Auto mit Alter, Typ- und Schlüsselnummer, Name und Beruf des Versicherungsnehmers und des Fahrers (mit Alter), Wohnort, Schadenfreiheitsrabatt, Kilometerstand sowie zurückgelegte Jahreskilometer. Dazu Details wie Familien­stand, Kin­der, Grundbesitz, Garage, weitere Versicherungen bei derselben Gesellschaft. Kasko-Ver­sicherer wollen dazu den Neuwert von Wagen und Zubehör wissen. Und schon spuckt der Computer die jährliche Prämie aus.

Jetzt beginnt das Wichtigste: Basis-Tarife bieten oft nur Mindestleistungen. So sollte die Haftpflicht-Deckungssumme 100 Millionen Euro betragen: Sie reichen selbst für einen Großschaden (zum Beispiel mit einem Bus und vielen Verletzten). Auf die sogenannte Mallorca-Police achten: Sie springt ein, wenn eine sehr niedrige Haftpflicht-Mindestdeckung im Ausland bei einem Schaden nicht ausreicht.



Der Versicherer sollte auf den Einwand grober Fahrlässigkeit verzichten – etwa wenn der Fahrer versehentlich eine rote Ampel überfährt und es dabei kracht. Für Alkohol und Drogen freilich gilt dieser Verzicht nicht. Eine Neuwertentschä­digung zahlt für ein neues Auto im ersten Jahr bei Totalschaden den vollen Preis, üblicherweise ist es schon nach einem halben Jahr nur noch höchstens 80 Prozent des Neupreises wert.

Für Leasingfahrzeuge ist GAP-Deckung wichtig: Sie kommt bei Diebstahl oder Totalschaden für die Lücke (englisch „gap“) zwischen der Leistung der Kasko- oder der gegnerischen Haftpflichtversicherung und dem sogenannten Ablösewert auf, mit dem das Fahrzeug noch in den Büchern steht. Vollkasko lohnt nur für neuere Autos, deren Wert noch hoch ist – und ist bei hohem Schadenfreiheitsrabatt oft kaum teurer als Teilkasko. Diese sollte nicht nur von einem Marder angebissene Schläuche, sondern alle Wildunfälle bezahlen – und deren manch­mal kostspielige Folgen.

Schadenfreiheitsrabatte (SFR) und Rückstufungen sind überall ähnlich. Bei hohem SFR lohnt sich unter Umständen ein Rabattretter als zusätzliche Vertragsoption: Trotz Schaden bleibt dann die niedrige Prämie. Kasko wird billiger bei Selbstbeteiligung – und wenn das Auto im Schadensfall in einer Vertragswerkstatt der Versicherung repariert wird.

Falsche Angaben – etwa beim Alter oder zurückgelegten Jahreskilometern – lohnen sich nicht: Bei einem Unfall kommen die wahren Zahlen ans Licht, und die Versicherung verlangt kräftige Nachschläge.

Speziell junge Fahrer können zudem sparen, indem sie eine Blackbox im Auto installieren. Sie zeichnet alle Fahrten auf – Strecke, Uhrzeit, Tempo, sanftes Gleiten oder aber heftige Querbeschleunigung, Vollgas, hartes Bremsen. Aus den Daten er­rechnet die Box eine Punktzahl. Sie wird per Smart­pho­ne an die Versicherung übermittelt: Ein günstiger Wert ergibt eine niedrige Prämie.

Solche Telematik- oder „Pay as you drive“-Tarife sind etwa in Großbritannien oder Italien verbreitet, bei uns noch wenig. Junge Fahrer können teure Versicherungen auch ohne sie vermeiden. Das Auto kann auf die Eltern als Zweitwagen angemeldet werden. Manche Gesellschaften bieten für sie den­selben Schadenfreiheitsrabatt an wie für das erste Auto. Etliche Automobilhersteller bieten dazu für über sie finanzierte Neuwagen sehr günstige Versicherungen selbst für ganz junge Fahrer. Findige Leute könnten mit einem solchen Angebot – oder einem besonders günstigen aus dem Internet – bei ihrer bisherigen Gesellschaft vorsprechen: Vielleicht bewegt sich in der Prämie noch etwas.

Der neue Versicherer meldet den Wechsel in der Haftpflicht automatisch der Zulassungsstelle. Den Antrag auf (Voll-)Kaskoversicherung muss er nicht an­nehmen – und verweigert ihn bei sehr teuren Autos durchaus einmal. Deshalb Kasko erst kündigen, wenn der Vertrag mit der neuen Gesellschaft bestätigt ist.