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Beim Diesel kommt fast nichts mehr aus dem Auspuff

Automobil : Beim Diesel kommt fast nichts mehr aus dem Auspuff

(np) Dieselautos waren noch nie so sauber wie heute. Die Zeitschrift Auto, Motor und Sport (Heft 9/20) und der britische Prüfspezialist Emissions Analytics haben den Stickoxid-Ausstoß (NOx) von BMW 520d, Mercedes-Benz GLE 350 und VW Golf 2.0 TDI auf der Straße gemessen.

Alle drei unterbieten die erst im September 2019 eingeführten strengen Testwerte nach Euro 6d-temp locker. Auf der Straße dürfen die Euro-6d-temp-Diesel maximal 168 Milligramm NOx pro Kilometer ausstoßen.

Die Messungen fanden im echten Verkehr in der Stadt, auf der Landstraße und der Autobahn statt. Selbst in der Stadt, wo die Emissionen am höchsten sind, blieben die drei Modelle deutlich unter dem Grenzwert. Auch der Partikelausstoß liegt bei allen drei Autos weit unter den Grenzwerten, sowohl bei der Anzahl der Teilchen als auch deren Masse.

Der Mercedes GLE mit 306 PS und 2,0 Litern Hubraum war der Sauberste. Er kam im Schnitt auf nur 16 mg NOx pro Kilometer. Selbst in der Stadt emittiert der Plug-in-Hybrid im reinen Verbrennerbetrieb nur 22 mg pro Kilometer. Damit gehört das bereits nach Euro 6d zertifizierte SUV (Grenzwert nur 114 mg/km) zu den besten je gemessenen Dieseln.

Mit 20 mg NOx pro Kilometer im Schnitt ist der Golf fast so gut wie der Mercedes. Und in der Stadt ist das Ergebnis mit 30 mg pro Kilometer ebenfalls hervorragend. Selbst der viel schwerere 5er-BMW, der NOx-Speicher-Katalysator und SCR-Kat kombiniert, fährt mit 29 mg NOx pro Kilometer ausgesprochen sauber.

Ende 2015, als der Dieselskandal bekannt wurde, emittierten Euro-6-Diesel im Straßenverkehr noch bis zu 1000 mg NOx pro Kilometer. Damals waren nur Tests im Labor unter optimierten unrealistischen Bedingungen vorgeschrieben, aber keine Tests im Straßenverkehr unter realen Einflüssen.

Diesel könnten durch die Coronakrise ein Comeback erleben. Weil die EU die zulässigen Obergrenzen für die Flottenverbräuche für dieses Jahr weiter gesenkt hat und deshalb Strafzahlungen in Milliardenhöhe drohen, werden die Autohersteller CO2-sparende Diesel verstärkt in den Markt drücken, erwarten Autoexperten. Denn die Markteinführung erster Elektromodelle, die den Flottenverbrauch durch die Einstufung des Gesetzgebers als emissionsfrei besonders stark senken, wurde verschoben. „Der Dieselmotor wird zu Unrecht pauschal zum Sündenbock für die Umweltbelastungen im Verkehrssektor erklärt“, kritisiert Karsten Schulze, Technikpräsident des ADAC. „Ein moderner Diesel, der dem Abgas-Standard Euro 6d-temp entspricht, emittiert nicht mehr Stickstoffdioxid als ein sehr sauberer Benzinmotor.“

„Um die CO2-Ziele zu erreichen, ist der Diesel wichtiger als der Benziner“, sagt Frank Schwope, Analyst bei der NordLB. Durch die Kaufzurückhaltung beim Diesel sind die Flottenverbräuche in letzter Zeit wieder gestiegen. 2015 lag der Diesel-Anteil bei den Neuzulassungen bei 48, derzeit bei 32 Prozent.