1. Leben
  2. Motor

Bei Diebstahl meldet der Alfa Romeo Stelvio seinen Standort

Fahrbericht : Bei Diebstahl meldet der Stelvio seinen Standort

Die Alfa-Romeo-Modelle Stelvio und Giulia sind mit überarbeiteten Innenräumen und neuen Assistenzsystemen ins Modelljahr 2020 gestartet.

Bei der Vorstellung der neuen Giulia im Jahre 2016, die Sergio Marchionne, Chef von Fiat-Chrysler, persönlich im Alfa-Romeo-Museum in Arese inszenierte, gab es bei den anwesenden deutschen Journalisten und im Gefolge bei den hiesigen Alfa-Romeo-Händlern lange Gesichter. Zur schicken Limousine, mit der die Wiedergeburt der schwächelnden Traditionsmarke eingeleitet wurde und wofür dem Vernehmen nach an die fünf Milliarden Euro in die Hand genommen worden waren, sollte sich kein Kombi gesellen. Auf diese Karosserieform fallen in Deutschland in der oberen Mittelklasse bei allen Marken jedoch mehr als 50 Prozent der Verkäufe.

Obwohl es kein Hexenwerk gewesen wäre, die Giulia auch als Kombi zu bauen, entschied man bei Alfa Romeo anders und reitet seit Anfang 2017 voll auf der SUV-Welle. Der Stelvio, benannt nach einem Gebirgspass in den Alpen, fährt auf der gleichen Plattform wie die Giulia. Er ist mit 4,69 Metern fünf Zentimeter länger, hat statt kurzer Klappe eine große Hecktür, und sein Kofferraum fasst 525 Liter, während in die Limousine nur 480 Liter passen.

Er nimmt also die Rolle des vermissten Kombis ein, wobei er mit der höheren Sitzposition mehr Übersicht übers Verkehrsgeschehen bietet. Allerdings führen die größere Stirnfläche und das höhere Gewicht des SUVs dazu, dass die Verbrauchswerte um einen halben, wenn nicht sogar einen Liter steigen.

Das hat seiner Beliebtheit bei uns keinen Abbruch getan, denn unter den 4146 Alfas, die im vergangenen Jahr in Deutschland neu zugelassen wurden, waren 2164 Stelvios. Wir reden hier von einer Preisklasse, die schon für das Einstiegsmodell, dessen 2,0-Liter-Benzinmotor 200 PS/147 kW leistet und in dem die Kräfte über eine Achtstufen-Automatik auf alle vier Räder übertragen werden, deutlich über 40 000 Euro beginnt.

Die Stelvio-Motorisierungen wurden zum Modelljahr 2020 gestrafft. Zum erwähnten 2,0-Liter-Benziner mit 200 Pferdestärken kommt ein weiterer mit 280 PS/206 kW, dazu stehen zwei Diesel mit 2,2 Litern Hubraum und 190 PS/140 kW sowie 210 PS/154 kW zur Wahl. Alle Ausführungen haben Allradantrieb, bei Alfa mit dem Kürzel Q4 gekennzeichnet, und ein achtstufiges Automatikgetriebe.

Von der Giulia gibt es weiterhin auch Benziner mit Heckantrieb. Karosserien und Antriebsstränge werden unverändert weiter gebaut. Ein wenig Hand anlegen durften die Innenraum-Designer. Auf der neu gestalteten Mittelkonsole dokumentiert nunmehr die italienische Trikolore unübersehbar das Herkunftsland. Maria Grazia Davino, die Chefin der Frankfurter Importzentrale von Fiat-Chrysler, sagte kürzlich in einem Interview: „Autos aus Italien, das sind europäische Produkte mit Kultur, Stil und Tradition. Das müssen wir wirklich mehr in den Vordergrund rücken.“

Im Innenraum wird der Bogen von der großen Geschichte in die aktuelle Gegenwart geschlagen. Das Smartphone kann jetzt in einem passenden Fach kabellos aufgeladen werden und muss keine Funklöcher mehr fürchten, weil ein mobiler Hotspot an Bord ist. Der Bildschirm in der Mitte der Armaturentafel, der vieles anzeigt und zur Bedienung verschiedener Funktionen angetippt werden kann, misst nunmehr 8,8 Zoll. Alternativ ist alles auch über einen stabilen Drehschalter auf der Mittelkonsole zu steuern. Bildschirm und Drehschalter sind vom Beifahrersitz aus ebenfalls gut erreichbar.

Unter dem Oberbegriff „Autonomes Fahren Level 2“ gibt es ab sofort in den beiden Alfas Verkehrszeichenerkennung, einen aktiven Spurhalteassistenten und weitere elektronische Helfer, die den toten Winkel beobachten, eine Ermüdung des Fahrers erkennen, Geschwindigkeiten und Abstände automatisch einhalten und Notbremsungen einleiten können.

„My Theft Assistence“ heißt ein System, das bei einem Diebstahlversuch Alarm schlägt, und dazu den Standort meldet, wenn sich die Bande mit dem Wagen davongemacht hat. Speziell für Manager von Autoflotten ist die App „My Fleet Manager“ bestimmt.

Alfa Romeo bietet die Mittelklasse-Limousine Giulia wahlweise mit Heck- oder mit Allradantrieb an. Alle Versionen verfügen über Automatikgetriebe. Foto: Alfa Romeo

Auf ersten Testfahrten in Wagen des Modelljahres 2020 notierten wir erwartungsgemäß eine hohe Leistungsbereitschaft in allen Geschwindigkeitsbereichen. Fahrwerk und Lenkung lassen sich mit Hilfe der sogenannten DNA-Taste in Richtung Härte und direkterer Ansprechbarkeit verändern. Auffällig ist die niedrige Geräuschkulisse, an der die Alfa-Ingenieure gezielt gearbeitet haben. Offenbar sind auch im Herkunftsland Italien die Zeiten vorbei, in denen man mit Krawall und Getöse sein Selbstwertgefühl aufzumöbeln gedachte.