Neuwagen : Deutsche Autofahrer bevorzugen Grau

Beim Autokauf sind die Deutschen nicht besonders farbenfroh. Auch im vergangenen Jahr waren vor allem dezente Grautöne gefragt.

(np) Auf deutschen Straßen wird es immer grauer. Grau beziehungsweise Silber waren 2019 die beliebtesten Farben der Neuwagenkäufer. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) waren 1,09 Millionen Pkw in diesem Ton lackiert. Das entspricht einem Anteil von 30,3 Prozent. Auf Rang zwei folgt Schwarz mit 896 000 Fahrzeugen und einem Anteil von 24,8 Prozent, Weiß lag mit 20,6 Prozent beziehungsweise 745 000 Autos auf Rang drei. Beliebteste bunte Farbe war Blau mit 392 000 Neuzulassungen und einem Marktanteil von 10,9 Prozent.

Weltweit ist die beliebteste Autofarbe Weiß, berichtet der Autolackhersteller Axalta aus Philadelphia. Es folgen Schwarz, Grau und Silber und Blau.

Warum entscheiden sich so viele Menschen beim Autokauf für unscheinbare Farben? „Zum einen, weil sie neutraler und wertiger wirken. Das ist ein Vorteil beim Weiterverkauf“, erklärt der Psychologe Klaus Peter Kalendruschat vom Tüv Nord. „Zum anderen wählen einige Menschen die Farbe danach aus, wie sie auf andere wirken wollen.“ Grau und Schwarz erscheinen seriös, was im Beruf vorteilhaft sein könnte.

Wer sich bewusst für ein tiefblaues oder grasgrünes Auto entscheidet, verrät damit mehr als nur seine Lieblingsfarbe. Menschen mit einer Vorliebe für satte, leuchtende Farben sind im Schnitt extravertierter als jene mit Vorliebe für gedämpfte Töne, fanden die US-Forscher Adam Pazda und Christopher Thorstenson von der Universität South Carolina in Aiken und der Universität von Wisconsin in Madison heraus. Wie sie in einer weiteren Studie zeigten, ahnen wir das offenbar und halten Menschen in blauem oder grünem Oberteil für etwas extravertierter, umgänglicher und offener als in Grau gekleidete Leute.

„Farben beeinflussen, wie wir die Welt wahrnehmen“, erläutert Psychologe Klaus Peter Kalendruschat. „Wenn wir eine Farbe sehen, reagieren bestimmte Regionen im Gehirn unterschiedlich, je nachdem, was wir mit ihr assoziieren.“

Was wir als Farbe empfinden, ist das Licht, das ein Gegenstand zurückwirft. In unserem Auge trifft es auf bestimmte Sehzellen, genannt Zapfen. Deren Reaktion erweckt im Gehirn den Eindruck von Farbe. Kurzwelliges Licht erscheint blau oder violett, langwelliges Licht rot. Ein sattes, intensives Rot etwa besteht fast nur aus einer dominanten Wellenlänge. Altrosa hingegen enthält vermehrt Grauanteile.

Dass einige Menschen intensive und andere gedeckte Farben lieber mögen, könnte an der unterschiedlichen Erregbarkeit des Gehirns liegen. Extravertierte Menschen hätten eine höhere Reizschwelle als introvertierte, vermutete der berühmte Psychologe Hans Jürgen Eysenck schon Mitte des 19. Jahrhunderts. Deshalb fänden sie eine starke Stimulation angenehmer, zum Beispiel laute Musik oder knallige Farben.

Heute weiß man, dass unsere Farbvorlieben noch von vielen anderen Dingen abhängen. Bei Autos würden, wie bei Kleidung oder Möbelstücken, eher gedeckte Farben bevorzugt, beobachteten die Psychologin Karen Schloss und ihre Kollegen von der Universiät von Kalifornien in Berkeley. „Es kommt außerdem darauf an, wie sich die Leute beim Fahren fühlen wollen und wie sie sich darstellen möchten.“ Dunkle Farben verbinde man eher mit Luxus und Reife, knallige Farben mit Verspieltheit.

Allerdings hängt das auch von der Kultur ab. Im Nahen und Fernen Osten etwa können Farben ganz andere Assoziationen wecken als hierzulande. In den östlichen Kulturen symbolisiert beispielsweise die Farbe Blau Weisheit, Vertrauen und Unsterblichkeit.

Die_beliebtesten_Autofarben Foto: SZ/Steffen, Michael

„Für die Wahl der Autofarbe gibt es aber auch ein objektives Kriterium, die Sicherheit nämlich“, sagt Klaus Peter Kalendruschat. Statistiken aus Australien, die auf rund 850 000 Unfällen basierten, zeigten, dass dort weiße Autos seltener in Unfälle verwickelt waren als schwarze, graue und silberfarbene. Vor allem tagsüber und in der Dämmerung lag das Unfallrisiko für weiße Pkw niedriger. Mit der Persönlichkeit der Fahrerinnen und Fahrer habe das eher wenig zu tun, glaubt der Psychologe. „Weiße Autos sind bei Tag einfach besser zu sehen.“