Autoaufbruch mit elektronischen Tricks

Verkehrsrecht : Autoaufbruch mit elektronischen Tricks

Hausratversicherung muss nur zahlen, wenn der Autofahrer ein unbefugtes Öffnen nachweisen kann.

(np) Üblicherweise haftet die Hausratversicherung, wenn Dinge aus einem Auto gestohlen werden. Fehlen aber Aufbruchspuren, weil die Diebe den Verriegelungsmechanismus elektronisch manipuliert haben, muss der Bestohlene beweisen, dass der Pkw verschlossen war. Gelingt ihm das nicht, muss die Versicherung nicht bezahlen, hat das Amtsgericht Frankfurt entschieden (Az.: 32 C 2803/18 (27)).

Ein Autofahrer verlangte von seiner Hausratversicherung 3000 Euro. Unbekannte hätten aus seinem abgestellten Fahrzeug verschiedene Gegenstände gestohlen. Aufbruchspuren gab es allerdings nicht. Die Hausratversicherung wollte jedoch nur zahlen, wenn der Autofahrer eindeutig nachweisen könnte, dass das verschlossene Auto mit einem falschen Schlüssel oder anderen „nicht zum ordnungsgemäßen Öffnen bestimmte Werkzeugen“ aufgebrochen wurde. Denn nur bei diesem Tatbestand hätte die Versicherung laut Vertragsbedingungen einspringen müssen.

Auch das Gericht erklärte, versichert sei im vorliegenden Fall ein Einbruchsdiebstahl nur, wenn er Spuren hinterlassen habe. Es bliebe zwar die Möglichkeit, dass der Täter einen falschen Schlüssel oder anderer Werkzeuge benutzt hätte, ohne Spuren zu hinterlassen. Der Dieb hätte das Funksignal eines Kfz-Autoschlüssels abfangen können, um mithilfe der ausgespähten Daten das verschlossene Auto zu öffnen, räumte das Gericht ein. Diese Methode wird als Relay Attack bezeichnet. Dieses Verfahren zähle sogar zum „unbefugten Öffnen eines verschlossenen Kfz mittels eines nicht zum ordnungsgemäßen Öffnen bestimmten Werkzeugs“, wie es im Versicherungsvertrag festgelegt sei.

Der Kläger habe aber nicht nachweisen können, dass das Auto tatsächlich verschlossen gewesen sei, erklärte das Gericht. Dazu hätte er sich an das typischen Verschlussgeräusche beziehungsweise das kurze Aufleuchten der Blinker erinnern müssen, was er nicht tat.

Hingegen erfülle das sogenannte Jamming nicht den Tatbestand des „unbefugten Öffnens“, wie es im Versicherungsvertrag beschrieben war. Dabei blockiert ein Sender, der Jammer, die Funkfernbedienung des Schlüssels, sodass das Fahrzeug gar nicht abgeschlossen werden kann. In solchen Fällen bleibt das Auto also unverschlossen, sodass es gar nicht aufgebrochen werden muss.

Die deutschen Verkehrsrechtsanwälte empfehlen Kunden, mit ihrer Hausratversicherung zu klären, ob auch Relay Attack und Jamming versichert werden können.

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