Mobilität : Die gehobene Form der Geräumigkeit

Große Kombis sind immer noch begehrt. Wir haben uns in einer Gegenüberstellung den Audi A6 Avant und der BMW 5er Touring genauer angesehen.

Deutschland ist trotz der SUV-Welle nach wie vor ein Kombi-Land. Gerade in den höheren Preisklassen hat die Kundschaft schon lange die praktische große Klappe und den Stauraum bis unters Dach schätzen gelernt. Wir stellen zwei Exemplare der gehobenen Klasse gegenüber, die mehr sind als typische Vertreter-Autos: den Audi A6 Avant und den BMW 5er Touring. Beide Testwagen wurden von kräftigen und wirtschaftlichen Dieselmotoren angetrieben.

Wie sie aussehen: Immer noch gipfelt das Audi-Design als anerkanntes Statussymbol im wegweisenden Singleframe-Kühlergrill. Denn diesen großen vergitterten Schlund haben die Ingolstädter vor fast 20 Jahren entwickelt und damit bis heute nicht nur sich selbst, sondern auch zahlreiche andere Automobilhersteller inspiriert – so auch beim A6 Avant.

Was den BMW betrifft, seien wir ehrlich: In Sachen Design löst die fünfte Generation des 5er Touring keine Begeisterungsstürme im nachbarschaftlichen Umfeld aus. Vielleicht bietet der beinahe fünf Meter lange Kombi jedoch etwas viel Wichtigeres, nämlich einen deutlichen Wiedererkennungswert mit seinen untrüglichen Merkmalen.

Am Bug reichen die Scheinwerfer an die markentypischen BMW-Nieren heran, das Hinterteil zeigt ein gefälliges Zusammenspiel aus stark abgeschrägter Heckscheibe, die Breite betonendem Spoiler und weit in die Flanken gezogenen Leuchten.

Was sie können: Man muss schon genau hinschauen oder hinhören, um an unserem Testwagen-A6 ein wenig herumzumäkeln. Zunächst einmal ist der mit 204 PS/150 kW ausgestattete 2,0-Liter-TDI für alle Aufgaben auch außerhalb geschlossener Ortschaften hervorragend geeignet. Für unsere Erwartungen schnurrt der Diesel namentlich im kühlen Zustand einen Tick zu hörbar ins Wageninnere.

Die Kraftübertragung des Siebenstufen-Doppelkupplungsgetriebes verläuft erwartungsgemäß sanft. Nur beim Anfahren tendiert es zu einem minimalen Ruckeln. Auf der anderen Seite kommt der leer immerhin 1,8 Tonnen wiegende Kombi angemessen flott in Schwung. Unterwegs herrscht komfortables Dahingleiten dank des harmonisch abgestimmten Fahrwerks. Noch eine feinfühlige Bemerkung über unseren 80 000-Euro-Testwagen: Das Start-Stopp-System agiert etwas rau.

Bei niedriger Geräuschkulisse und satter Straßenlage – einschließlich Allradsystem x-Drive – entpuppte sich der Kombi auch im beladenen Zustand als Langstreckenkünstler mit einem komfortabel abgestimmten Fahrwerk. Dazu trägt zweifellos die an der Hinterachse arbeitende Luftfederung samt Niveauregulierung ihren ausgleichenden Teil bei.

Für einen Kombi-Giganten wie den 5er BMW bedeuten 190 PS/140 kW einen Eintrag am unteren Ende der Leistungsskala. Tatsächlich ist der 520d der Einstiegsdiesel. Mancher mag angesichts des Vierzylinders die Nase rümpfen, doch der 2,0-Liter-Selbstzünder schnurrt kraftvoll in den unteren Drehzahlbereichen. Erst oberhalb von Tempo 180 geht ihm beim Beschleunigen etwas die Puste aus.

Trotzdem müssen gut 1,8 Tonnen Leergewicht erst mal in Bewegung gebracht werden. Das spürt man beim Anfahren. Dank der nahezu unmerklich schaltenden Achtstufenautomatik gelingt der Wechsel von Trab auf Galopp vorbildlich. Lediglich geringe Motorvibrationen dringen ins Wageninnere, am ehesten noch am Lenkrad spürbar. Wer diesen Kleinigkeiten entgehen will, muss zum höher positionierten Sechszylinder greifen.

Wie‘s innen zugeht: Hochmodern ist im Audi-Cockpit die Gestaltung der weithin berührungsempfindlichen Flächen – sogar die Scheinwerfer-Lichtauswahl geschieht per derartigem Fingerdruck. Platz gibt’s auf allen Sitzen mehr als genug. Wenn man die Rückenlehnen umklappt und bis unters Dach staut, fasst der A6 Avant 1680 Liter. Praktisch ist zudem der Ladeboden samt Schienensystem zum Festzurren des Transportguts. Allerdings kann man wegen der stark abgeschrägten Heckklappe manches klobige Transportgut erst gar nicht in den Ingolstädter Lademeister reinschieben – ein typischer Designkniff zeitgenössischer Kombis.

Auch im BMW berührungsempfindliche Bereiche allerorten: Ein leichtes Antippen der bebilderten Schaltflächen reicht, um sie zum Leben zu erwecken. Alternativ lassen sich mittels Dreh-Drücksteller oder Sprachsteuerung die Befehle spielend einfach und mit bestechender Logik ausführen.

Der Sitzkomfort ist auf allen Plätzen den gehobenen Erwartungen entsprechend. Im Fond lassen sich die Lehnen in der Neigung verstellen oder auch ganz umklappen. Bis zu 1700 Liter Ladung können dann dachhoch in den Schlund geschoben werden. Der Transport eines kleinen Sofas scheiterte allerdings an der starken Schräge der Heckscheibe.

Was sie kosten und verbrauchen: Bei 50 000 Euro geht’s los innerhalb der A6-Avant-Palette. Der getestete Sport-Kombi in 2,0-Liter-TDI-Motorisierung steht ab 54 600 Euro in der Preisliste. Sattelt man nochmal 30 Annehmlichkeiten drauf, erscheint die stolze Gesamtsumme von knapp 81 000 Euro. Darin enthalten sind unter anderem die Metallicfarbe Florettsilber, Sportfahrwerk einschließlich Dämpferregelung, Infotainment samt MMI-Bedieneroberfläche, Matrix-LED-Scheinwerfer, haufenweise Assistenzsysteme und natürlich Leder-Ausstattung. Leichter ist zu benennen, was nicht an Bord ist: Allradantrieb.

Wie man es dreht und wendet, ein BMW 5er Touring knackt stets die 50 000-Euro-Grenze – durchaus üblich in der deutschen Kombi-Szene. Der von uns gefahrene 520d x-Drive in Luxury Line-Ausführung steht ab 55 400 Euro in der Preisliste. Annehmlichkeiten zur Steigerung von Sicherheit und Wohlbefinden gibt es wie beim Audi gegen Aufpreis in Hülle und Fülle.

Durch die lange Dachlinie und die stark geneigten hinteren Dachsäulen erscheint der BMW 5er Touring dynamisch. Die Heckleuchten ragen weit in die Seiten hinein. Foto: BMW
Im digitalen Cockpit des Audi werden fast alle Funktionen über die berührungsempfindlichen Bildschirme bedient. Foto: Audi
Im 5er BMW steht das Kontroll-Display frei auf dem Armaturenbrett. Das Cockpit wirkt modern und elegant. Foto: BMW
Im Audi A6 Avant kann man maximal 1680 Liter Gepäck verstauen. Foto: Audi
Der BMW 5er Touring schluckt zwischen 570 und 1700 Liter Ladegut. Foto: BMW

Bei den Verbrauchswerten im Alltagsbetrieb stand bei beiden Testwagen eine 6 vor dem Komma. Der Audi lag mit 6,8 Litern Dieselkraftstoff nur 0,4 Liter über dem Normwert; beim BMW waren’s am Ende 6,3 Liter, allerdings 1,1 Liter über der Norm.

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