1. Leben

Mit digitalen Hilfsmitteln wird trotz Corona Weihnachten gefeiert.

Besinnliche Tage trotz Corona : Weihnachtsfest per Livestream

Während des Corona-Lockdowns wird das Weihnachtsfest bei einigen Familien über das Internet gefeiert, damit die Verwandtschaft teilhaben kann. Per Videokonferenz kann man gemeinsam kochen, spielen oder Filme schauen.

Durch die Corona-Kontaktbeschränkungen ist das Weihnachtsfest in diesem Jahr eine besondere Herausforderung. Über die Feiertage sollen die Deutschen so wenige Menschen wie möglich treffen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Bei einer großen Verwandtschaft kann das schnell zum Problem werden. Es gibt allerdings digitale Möglichkeiten, die helfen können, die Liebsten über die Feiertage wenigstens zu sehen und zu hören. Die SZ-Internetredaktion hat einige Alternativen ausprobiert, die ein gemeinsames Weihnachtsfest mit Freunden und Verwandten möglich machen sollen.

Videochat: Laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom wollen 68 Prozent der Deutschen Familie und Freunde per Videokonferenz an den Feiertagen anrufen. 88 Prozent der Senioren über 65 Jahre gab an, dass sie auf diese Weise mit ihren Kindern sprechen wollen. Dazu ist jedoch die richtige Software nötig. Die meisten Programme funktionieren auf dem Computer, dem Tablet oder auch im Browser. Somit müssen sich die Teilnehmer der Runde nur auf eine App einigen. Zoom, Teams, Skype, Discord, – in der Regel haben die Programme eine ähnliche Funktionsweise. Ein Nutzer ist der Moderator und lädt alle anderen Teilnehmer zum Videoanruf ein. Das klappt normalerweise per Link oder Zugangscode. Einige Programme erlauben auch, dass sich Teilnehmer mit einem Festnetztelefon zuschalten, wenn zum Beispiel die Internetverbindung zu schwach ist. Sie sind dann aber nicht zu sehen. Wenn alle Mitglieder des Gesprächs per Webcam zugeschaltet sind, kann so auch beschert werden. Vorausgesetzt die Pakete sind rechtzeitig angekommen.

Streamingdienste: Am Weihnachtsabend laufen häufig Filme wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder „Kevin – Allein zu Haus’“ im Fernsehen. Für viele Familien gehören solche Werke zum festlichen Pflichtprogramm. Durch Streamingdienste wie Netflix und Disney Plus müssen die gemeinsamen Filmabende nicht ausfallen. Disney Plus hat vor Kurzem die Funktion „Group Watch“ eingeführt. Wenn alle Beteiligten ein Abonnement für den Streamingdienst haben, können sie zusammen einen Film schauen. Mit einem Klick auf das Group-Watch-Symbol auf der Details-Seite eines Films, das aussieht wie die Silhouette dreier Figuren, erscheint ein Link. Damit können bis zu sechs Personen zum gemeinsamen Filmabend eingeladen werden. Zum Disney-Plus-Katalog gehören unter anderen beliebte Weihnachtsfilme wie „Kevin – Allein zu Haus‘“ oder Disneys „Eine Weihnachtsgeschichte“.

Für Netflix gibt es die Browser­erweiterung Netflix Party für Google Chrome. Neben der App benötigen auch hier alle Teilnehmer ein Abo für den Streamingdienst. Die Funktionsweise ähnelt der beim Pendant von Disney Plus. Mit einem Klick auf das „NP“-Symbol in der Software startet ein Teilnehmer die Party. Er kann dabei entscheiden, ob nur er die Kontrolle über den Stream hat oder auch die übrigen Nutzer. Dann öffnet sich ein weiteres Fenster mit einer Adresszeile, in die der Moderator den Link zum gewünschten Film eingibt. Diesen kann er kopieren, wenn er ihn vorher in einem anderen Browserfenster öffnet. In einem letzten Pop-up-Fenster erhält der Moderator dann den Link, mit dem er die übrigen Teilnehmer einladen kann. Sind die Nutzer nicht per Videochat verbunden, um miteinander zu reden, können sie sich in einem Chatfenster der Browsererweiterung austauschen. Netflix bietet Weihnachtsfilme wie „Der Grinch“ und „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im Katalog an.

Digitaler Spieleabend: An Weihnachten nutzen viele Familien die gemeinsame Zeit, um die Brettspielesammlung wieder zum Einsatz zu bringen. Das ist auch virtuell möglich. Eine einfache, digitale Alternative für eine gemeinsame Partie „Mensch, ärgere dich nicht“ oder „Kniffel“ ist die Videotelefonie. Brettspiele können bei einem Teilnehmer aufgebaut werden, der die Webcam auf das Spielfeld ausrichtet und die Spielfiguren bewegt.

Würfel haben viele zu Hause, sodass einer gemeinsamen Runde „Kniffel“ nichts im Weg steht. Außerdem dürfte es in jedem Haushalt Stift und Papier geben. Damit können die Teilnehmer des digitalen Spieleabends gegeneinander in einer Partie „Stadt, Land, Fluss“ antreten.

Mit der Videochat-Software Houseparty kann während der Konferenz beispielsweise das Kartenspiel Uno oder Scharade digital gespielt werden. Auf einem ähnlichen Prinzip basieren Webseiten wie
www.brettspielwelt.de. Mit Hilfe dieser Seite können die Teilnehmer bei einer Partie bekannter Spiele-Klassiker wie „Carcassonne“ oder „Backgammon“ Weihnachten feiern.

Weihnachtsessen: Zum Festabend gehört das gemeinsame Essen – auch das geht per Videotelefonie. Im Voraus suchen die Teilnehmer Rezepte aus, die sie zum Beispiel über die Apps „Chefkoch“ oder „kochbar“ finden. Mit „Chefkoch“ lassen sich auch gemeinsam Einkaufslisten erstellen. Bei anderen Programmen kommen andere Apps zum Einsatz. Das kann die vorinstallierte Notiz-Software des Smartphones sein oder auch ein Einkaufslisten-Programm wie Bring. Am Weihnachtsabend läuft alles ähnlich wie bei einer Kochsendung ab. Jeder kocht die abgesprochenen Gerichte in der eigenen Küche. Alle schauen sich gegenseitig per Webcam zu. Am Ende können alle gemeinsam essen. Im Voraus können sich Hobbybäcker so auch zum Plätzchenbacken verabreden, die dann zusammen zu Weihnachten verputzt werden.

Weihnachtsgottesdienst im Livestream: Der Kirchenbesuch wird von der Bundesregierung zwar nicht untersagt, aber durch die Abstandsregelungen könnte in einigen Gotteshäusern der Platz knapp werden. Daher werden zahlreiche Gottesdienste an den Feiertagen per Livestream in Internet oder im Fernsehen übertragen. Sowohl die katholischen als auch die evangelischen Kirchen in Deutschland bieten dazu jeweils eine Übersicht im Internet an. Unter www.ekd.de oder katholisch.de können Gläubige nachschauen, wann und wo ein Gottesdienst übertragen wird. Einige Streams, wie die der Gottesdienste der katholischen Kirche St. Peter in Mainz, gibt es auch als Aufzeichnungen, sodass sie nachträglich geschaut werden können.