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Verbrauchertipp
Wie der Vermögensaufbau gelingt

Einige Gedanken müssen sich Sparer schon machen, wenn sie ein Vermögen aufbauen wollen. Denn zumindest über ihre Ziele und die damit verbundenen Kosten sollten sie sich im Klaren sein.
Einige Gedanken müssen sich Sparer schon machen, wenn sie ein Vermögen aufbauen wollen. Denn zumindest über ihre Ziele und die damit verbundenen Kosten sollten sie sich im Klaren sein. FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
Stuttgart. Viel Geld zu haben, wollen eigentlich fast alle. Sich um ihr Geld zu kümmern, wollen aber die wenigsten. Dabei ist das gar nicht so zeitaufwendig und kompliziert, wie viele denken. Erfahrene Finanzberater helfen mit Tipps.

(dpa) Eine Woche über Geld nachzudenken, bringt oft mehr, als eine Woche für Geld zu arbeiten. Das sagen erfahrene Finanzplaner. Aber wer macht das im Alltag schon? Dabei muss man weder Börsenexperte noch Steuerfachmann sein, um zumindest ein angemessenes Vermögen aufzubauen. Wer ein paar einfache Grundregeln im Blick behält und seine Anlagestrategie danach ausrichtet, kann entspannt in die Zukunft sehen.


Schulden abbauen: Bevor man mit dem Sparen anfängt, sollten generell erstmal die Schulden getilgt werden. Denn die Zinsen für Schulden sind meist höher als die Rendite beim Sparen. Beispielsweise müssen Verbraucher für einen Ratenkredit mit einer Laufzeit von 48 Monaten nach Angaben der FMH-Finanzberatung derzeit im Schnitt 4,48 Prozent Zinsen an die Bank zahlen. Wer sein Geld auf einem Tagesgeldkonto anspart, bekommt laut FMH im Schnitt aber nur 0,10 Prozent Zinsen gutgeschrieben (Stand vom 7. Juni).



Rücklagen bilden: Wer seine Schulden im Griff hat, kann einen Schritt weitergehen und eine ständig verfügbare Geldreserve aufbauen. Helfen kann dabei eine kurzfristige Finanzplanung. Welche Ausgaben wie zum Beispiel Miete, Versicherungsbeiträge, Telefongebühren sind zu erwarten, mit welchen Einnahmen kann man rechnen? Steht am Ende ein Minus, muss neu justiert werden: Entweder indem die Ausgaben verringert oder die Einnahmen erhöht werden.

Am Ende sollte es gelingen, einen Notgroschen anzusparen. „Mit drei Monatsgehältern als Reserve auf einem Tagesgeldkonto können die meisten kurzfristigen Anschaffungen ohne teure Kredite finanziert werden“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.

Flexibel bleiben: Studium, Hochzeit, Job im Ausland, Kinder, die eigene Immobilie, das Leben steckt voller Herausforderungen. In jeder Lebensphase sind die Bedürfnisse unterschiedlich. Wer sich früh an langfristige und starre Sparverträge bindet, kann unter Umständen ein Problem bekommen. Denn wer etwa im Job kürzertritt, zum Beispiel um die Kinder zu versorgen, kann sich die teuren Beiträge für den Versicherungsvertrag vielleicht nicht mehr leisten. Wichtig ist es deshalb, auf Anlageformen zu setzen, bei denen die Sparraten auch angepasst werden können.

Zeithorizont festlegen: Die Zeit spielt bei der Geldanlage eine wichtige Rolle. Denn je mehr Zeit ein Sparer hat, desto mehr Schwankungen kann er vertragen. Für weniger als zehn Jahre sind Aktien oder Aktienfonds nur bedingt empfehlenswert, da die Kursschwankungen in einem solchen mittelfristigen Zeitraum hoch sein können. Geld, das in Aktienfonds investiert werden soll, sollten Anleger langfristig entbehren können. Auf diese Weise können sie Notverkäufe in Börsenkrisen vermeiden.

Die gute Nachricht ist, dass sich der weltweite Aktienmarkt selbst nach schweren Rückschlägen immer wieder erholt hat. Nach einer Berechnung der Stiftung Warentest machten Anleger mit einem ETF auf den MSCI World Index in der Vergangenheit bei einem Anlagezeitraum von 20 Jahren auch im schlechtesten Fall keinen Verlust. Hier lag die beste Rendite bei 16,6 Prozent pro Jahr, die schlechteste bei 3,3 Prozent pro Jahr.

Kosten im Griff behalten: Auch Geldanlagen gibt es nicht umsonst. Von Gebühren für das Konto über Verwaltungskosten für Versicherungsverträge bis hin zu Ausgabeaufschlägen für Fonds reicht die Palette an Kosten. Diese Kosten gehen zulasten der Rendite. Verursacht zum Beispiel ein Fonds jedes Jahr zwei Prozent laufende Kosten, muss er mindestens zwei Prozent Rendite erwirtschaften, um überhaupt den Wert zu behalten.

Ziele festlegen: Beim Sparen helfen klare Ziele. Wer zum Beispiel in drei Jahren ein neues Auto kaufen möchte, kann auf schwankungsarme Sparformen wie ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto setzen. Wer sich um seine Altersvorsorge kümmern will, hat mehr Möglichkeiten. „Der Fokus liegt bei vielen Menschen allerdings oft nur darauf, was sie privat tun können, um die gesetzliche Rente aufzustocken“, sagt Alexander Siegmund, gerichtlich zugelassener Rentenberater für die betriebliche Altersvorsorge. „Dabei bietet die betriebliche Altersvorsorge mit den verschiedenen Durchführungswegen und Förderungen lukrative Alternativen“.

Der Einstieg in die langfristige Planung ist der Blick auf Renteninformationen der gesetzlichen Rentenversicherung, die Vorsorgedefizite erkennbar macht. „Wer für die Altersvorsorge spart, sollte wissen, dass Sicherheit einen hohen Preis hat“, sagt Niels Nauhauser. „Aktienindexfonds schwanken zwar im Gegensatz zu klassischen Versicherungen, bieten aber auf lange Sicht von allen Anlageklassen die höchsten Erträge.

Regelmäßige Kontrolle: Ziele und Wünsche ändern sich. Deshalb ist es ratsam, in regelmäßigen Abständen zu prüfen, ob die Strategie zum Vermögensaufbau noch passt. Eine Rolle spielt hier auch die Wertentwicklung der Anlagen. Hat ein Anleger am Anfang 40 Prozent seines Vermögens in Aktien und 60 Prozent in Zinspapiere investiert, und haben sich die Aktien besser entwickelt als die Anleihen, steigt deren Wert. Die Aufteilung liegt dann etwa bei 50 zu 50. Wer dann einen Teil seiner Aktien verkauft und das Geld in Anleihen investiert, kann das ursprüngliche Verhältnis wieder herstellen.