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Transparenz-Gesetz
Was verdienen meine Kollegen?

Verdienen die Kollegen mehr als ich? Auf diese Frage können Arbeitnehmer künftig eine Antwort bekommen — zumindest theoretisch.
Verdienen die Kollegen mehr als ich? Auf diese Frage können Arbeitnehmer künftig eine Antwort bekommen — zumindest theoretisch. FOTO: dpa-tmn / Andrea Warnecke
Essen. Gehälter sind meist ein Tabuthema. Ein neues Gesetz soll mehr Transparenz bringen.

(dpa) Was verdienen eigentlich meine Kollegen? Die Frage haben sich viele Berufstätige schon gestellt. Seit 6. Januar gibt es endlich eine Antwort darauf. Das Entgelttransparenzgesetz, das für mehr Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern sorgen soll, macht es möglich. Es ist zwar schon Mitte 2017 in Kraft getreten, doch erst jetzt besteht ein Anspruch auf Auskunft.


Was bringt der Auskunftsanspruch?



Der Arbeitgeber muss Frauen mitteilen, was Männer verdienen, die einen ähnlichen Job machen. Und Männern umgekehrt den Lohn von Frauen offenlegen.

Gibt es dabei einen Haken?

Der Anspruch auf Auskunft besteht nicht generell. So müsse der Arbeitgeber zum Beispiel insgesamt mehr als 200 Angestellte haben, erklärt Christian Althaus, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Und es müsse mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts geben, die einen ähnlichen Job haben wie der Antragsteller.

Wie funktioniert der Anspruch?

Anlaufstelle für Arbeitnehmer ist der Betriebsrat. Gibt es keinen, müssen sich Berufstätige direkt an den Arbeitgeber wenden. Anonym ist ihre Anfrage dann aber nicht mehr. Das Gesetz schreibt die Text-, aber nicht die Schriftform vor. Eine E-Mail reicht also aus. In dem Antrag müssen Arbeitnehmer außerdem angeben, auf welche Vergleichsgruppe sie sich beziehen.

Wie muss der Arbeitgeber reagieren?

Niemand erfährt mit dem neuen Gesetz, was ein bestimmter Kollege verdient. Stattdessen muss der Arbeitgeber den Mittelwert der Bruttogehälter angeben, die alle Kollegen des jeweils anderen Geschlechts bekommen, die eine vergleichbare Tätigkeit ausüben wie der Antragsteller. Außerdem muss er erklären, nach welchen Kriterien und Verfahren die Gehälter festgelegt sind.

Wie lang darf das dauern?

Drei Monate haben Arbeitgeber Zeit für die Antwort. Anders ist die Regelung bei Arbeitgebern, die an einen Tarifvertrag gebunden sind oder ihn anwenden. Für sie gibt es keine Frist, und zur Erklärung der Kriterien reicht es, wenn sie auf die Tarifregelungen verweisen.

Was ist, wenn der Arbeitgeber nicht reagiert oder ablehnt?

Gibt ein Arbeitgeber ohne Tarifbindung innerhalb der Frist keine Antwort, muss er bei einem eventuellen Gerichtsverfahren beweisen können, dass keine Benachteiligung vorliegt. Er kann den Antrag aber ablehnen, weil er die vom Arbeitnehmer genannte Tätigkeit nicht für gleichwertig hält. Was dann passiere, vor allem bei Arbeitgebern ohne Frist, würden wohl erst die Entscheidungen der Gerichte zeigen, so Althaus. Gleiches gilt für die Frage, was die Antwort beinhalten muss.

Und was kann ich mit der Auskunft anfangen?

Erstmal nichts. Zumindest nicht nach dem Entgelttransparenzgesetz, denn darin geht es nur um Informationen. Theoretisch können Arbeitnehmer die Auskunft aber als Grundlage für eine Klage nach dem Gleichbehandlungsgesetz verwenden oder wenigstens für die nächste Gehaltsverhandlung.