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Tierschutz
Warum eine Kastration Katzen viel Leid erspart

 Dieses Foto zeigt eine Katze in einer Lebendfalle. Es wurde Mitte Oktober in Schleswig-Holstein bei der landesweiten Katzenkastrationsaktion aufgenommen. Über 10 000 Katzen wurden bei dem Projekt von Tierschutzverbänden, Tierärzten und Kommunen seit 2014 bereits kastriert, um das Elend  frei lebender Tiere einzudämmen.
Dieses Foto zeigt eine Katze in einer Lebendfalle. Es wurde Mitte Oktober in Schleswig-Holstein bei der landesweiten Katzenkastrationsaktion aufgenommen. Über 10 000 Katzen wurden bei dem Projekt von Tierschutzverbänden, Tierärzten und Kommunen seit 2014 bereits kastriert, um das Elend  frei lebender Tiere einzudämmen. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Saarbrücken. Bei Katzen ist eine Kastration heute ein Routineeingriff. Sie ist vor allem sinnvoll, um unerwünschten Nachwuchs und Elend zu verhindern.

Was in südeuropäischen Ländern schon lange zum Stadtbild gehört, wird auch hierzulande zu einem immer größeren Problem: Etwa zwei Millionen Straßenkatzen leben – besser gesagt vegetieren – laut dem Deutschen Tierschutzbund in Deutschland. Die Tendenz ist steigend. Oft krank, ausgemergelt und von Parasiten befallen, verstecken sich die frei lebenden Katzen in Hinterhöfen, Parks, stillgelegten Industriegeländen oder Bauernhöfen.


Schuld am Leid der Tiere und der stetig wachsenden Anzahl an Straßenkatzen sind zum größten Teil Katzenhalter, die ihren Hauskatzen Freigang gewähren, ohne sie vorher zu kastrieren. Denn laut dem Deutschen Tierschutzbund stammt jede Straßenkatze von einer Hauskatze ab. So werden ausgesetzte Katzen, die häufig nicht kastriert sind, zu verwilderten Tieren. Diese paaren sich wiederum mit nicht-kastrierten Freigängern aus Privathaushalten. Der Nachwuchs kommt meist auf der Straße zur Welt, ungewollte Babys der Hauskatzen werden oft ausgesetzt.

Da die Tiere äußerst fruchtbar und bereits im Alter von sechs bis zehn Monaten geschlechtsreif sind, können die jungen Katzen recht schnell selbst wieder für Nachwuchs sorgen. Dabei können sie bis zu dreimal im Jahr Junge bekommen, ein Wurf besteht aus vier bis acht Welpen. So entwickelt sich ein Kreislauf, der binnen weniger Monate zu einer Katzenschwemme führt. Auch Tierheime können hier nur noch begrenzt helfen. Zum einen sind sie häufig überfordert mit der großen Anzahl an Katzenwelpen, wobei besonders im Frühjahr die sogenannten Maikätzchen für überfüllte Heime sorgen.



Zum anderen sind die Straßenkatzen oft nicht vermittelbar, da sie in der Regel nicht mehr an den Menschen gewöhnt werden können. „Die Lage der Tierheime bleibt angespannt. Gerade der hohe Aufwand für die Straßenkatzen war und ist eine extreme Belastung“, betont Thomas Schröder, der Präsident des Tierschutzbundes. Dabei sei die Kastration ein relativ harmloser Routineeingriff, der die Tiere nicht nur unfruchtbar mache, sondern auch weitere Vorteile mit sich bringe, so die Tierschützer. Da läufige Katzen auf der Suche nach Paarungspartnern häufig weite Strecken zurücklegen und dabei ihre Umwelt vergessen, verunglücken in dieser Zeit vermehrt Tiere im Straßenverkehr oder verletzen sich in Streitigkeiten mit anderen Katzen. Dem können Katzenhalter durch eine Kastration vorbeugen.

Zudem sind weibliche Tiere im Alter weniger anfällig für Tumore und Entzündungen. Der Tierschutzbund rät weiterhin, die Katze kastrieren und nicht sterilisieren zu lassen. So werden bei der Kastration die Eierstöcke und die Hoden entfernt, während bei der Sterilisation lediglich die Ei- oder Samenleiter durch-trennt werden. Dadurch sind die Katzen zwar unfruchtbar. Sie erleben jedoch weiterhin den Fortpflanzungsdrang, wodurch sich oben genannte Gefahren ergeben können.

Die Kastrationskosten sind vom jeweiligen Tierarzt abhängig. Laut der Gebührenordnung für Tierärzte zahlen Katzenhalter für die Operation eines Weibchens mindestens 57 Euro, die eines Männchens ist bei 19 Euro angesetzt. Um Katzenhalter für das Problem zu sensibilisieren, hat der Deutsche Tierschutzbund die Kampagne „Die Straße ist grausam. Kastration harmlos“ ins Leben gerufen. Darin klären die Aktivisten über die Problematik der Straßenkatzen auf und appellieren an die Besitzer, ihre eigenen Freigänger kastrieren zu lassen.

Mit kostenlosen Aufklebern für Fenster, Autos und Türen und einer Bastelanleitung für Schlafboxen für Straßenkatzen wollen die Mitarbeiter Aufmerksamkeit erregen und Möglichkeiten zur Mithilfe aufzeigen. Auch von öffentlicher Seite fordert der Tierschutzbund mehr Unterstützung und Verantwortung, um die Überpopulation der Straßenkatzen einzudämmen. Dazu gehört etwa eine gesetzliche Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für privat gehaltene Katzen, die älter als fünf Monate sind und Zugang ins Freie haben.

Laut Schröder sei ein solches Gesetz dringend erforderlich, um das Problem in den Griff zu bekommen. „Die Kastration ist die einzig nachhaltige Methode, um das Leid der Tiere zu minimieren. Hierzu müssen Politik und Katzenhalter stärker in die Pflicht genommen werden“, fordert der Präsident. Ein weiteres Ziel ist die Übernahme der Kastrationskosten der Straßenkatzen.

Dass die Bemühungen Früchte tragen, zeigt sich in den Kommunen. Laut Angaben des Tierschutzbundes haben bis September 2017 mindestens 567 Städte und Gemeinden Kastrations-, Kennzeichnungs-, und Registrierungsverordnungen für Katzen eingeführt. Zudem konnten die Tierschützer 100 000 Stimmen für eine bundesweite Katzenschutzverordnung sammeln, die sie im Juni 2017 beim Parlamentskreis Tierschutz eingereicht haben.

Neben dem Deutschen Tierschutzbund setzt sich auch die nichtstaatliche Organisation „Aktion Tier e.V.“ für frei lebende Katzen ein. Sie hat 2002 die Straßenkatzen-Hilfsaktion „Projekt Kitty“ gestartet. Neben der Kastration als Präventivmaßnahme geht es dabei auch um die Versorgung der bereits auf der Straße lebenden Tiere. An sogenannten Kitty-Futterstellen füttern ehrenamtliche Mitarbeiter die Katzen, behandeln kranke Tiere und versuchen, die Welpen frühzeitig einzufangen, sodass diese noch vermittelt werden können.

Weiterhin nimmt sich „Projekt Kitty“ neu gemeldeter Straßenkatzen-Beständen an und unterstützt die Betreuer vor Ort. Wer auch in seiner Region Straßenkatzen beobachtet, könne sich gerne an das Projekt wenden, sagen die Tierschützer.