Wann beginnt die Diskriminierung?

Wann beginnt die Diskriminierung?

„Wir haben uns leider für einen anderen Kandidaten entschieden.“ Wer nach einer Bewerbung ein solches Schreiben bekommt, ist meist enttäuscht. Nicht immer sind die Gründe für eine Absage rechtmäßig. Wo die Grenzen verlaufen, erklärt ein Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Die Absage auf eine Bewerbung für einen Job ist niederschmetternd. Die Gründe können vielfältig sein, doch einige sind nicht rechtens. Aber wann ist ein Ablehnungsgrund rechtmäßig und wann diskriminierend? Was fällt unter Diskriminierung ?

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) hält Kriterien fest, nach denen Arbeitnehmer nicht benachteiligt werden dürfen. Dort heißt es, dass Benachteiligungen aufgrund der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alter oder sexueller Identität verboten sind. Was erlaubt ist regelt der Paragraf acht des Gesetzes. Hier heißt es, dass eine unterschiedliche Behandlung zulässig ist, wenn es um "eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung" geht. Was das bedeuten kann, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin , an folgendem Beispiel: Ein Mann, der sich in der Abteilung für Frauenunterwäsche bewirbt, dürfe abgelehnt werden. Hier sei eine Ungleichbehandlung zulässig.

"Diskriminierung kann schon mit der Stellenanzeige anfangen", sagt Bredereck. Auch dafür ein Beispiel: Sucht ein Arbeitgeber einen "jungen Mitarbeiter", sei das ein Anhaltspunkt für eine Diskriminierung aufgrund des Alters. Auch wenn eine Anwaltskanzlei "eine Rechtsanwaltsfachangestellte" einstellen will, deute das auf unerlaubte Benachteiligung hin - in diesem Fall aufgrund des Geschlechts.

Erst einmal müsse man sich natürlich bewerben, sagt Bredereck. Und diese Bewerbung müsse auch passend sein, die Anforderungen an den Beruf müssen erfüllt werden. "Als Dachdecker kann ich mich jetzt nicht als Anwalt bewerben und dann Diskriminierung geltend machen, wenn ich abgelehnt werde." Können abgelehnte Bewerber allerdings Indizien für eine Diskriminierung wie eine unzulässige Formulierung der Stellenanzeige vorlegen, gehe die Beweislast auf den Arbeitgeber über. Er müsse dann den Verdacht ausräumen. Könne er das nicht, könnten abgelehnte Bewerber gemäß AGG eine Entschädigung einklagen. Sie haben meist aber keinen Anspruch darauf, beschäftigt zu werden.

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