Viele Helfer brauchen Hilfe

Viele Helfer brauchen Hilfe

In die Notaufnahmen der Krankenhäuser werden immer mehr alte Patienten eingeliefert. Die wenigsten Hospitäler sind darauf eingestellt. Dabei gibt es bereits Modelle, wie die altersgerechte Behandlung gut funktioniert.

Hamburg/Schwelm . Die Notaufnahmen vieler deutscher Kliniken sind meist nicht auf die Versorgung betagter Patienten vorbereitet, kritisiert der Altersmediziner Hans Jürgen Heppner von der Uni Witten/Herdecke. Dabei nehme ihre Zahl stetig zu. Heppner ist Chefarzt der Geriatrie im Helios-Klinikum Schwelm . Nach seinen Beobachtungen sind bereits ein Drittel der Notfall-Patienten älter als 70 Jahre. Eine Erhebung im Hamburger Albertinen-Krankenhaus ergab, dass dort mittlerweile über 90 Prozent der alten Patienten als Notfälle in die Klinik kommen, so Michael Groening, Leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme. Er entwickelte ein neues Therapiemodell. Seit vier Jahren ist der Notaufnahme eine spezielle Station angegliedert, wo sich zwei Ärzte um die überwiegend alten Notfall-Patienten kümmern. Das Albertinen-Krankenhaus sei bislang eine der wenigen Ausnahmen, sagt Heppner. Das Problem sei die Diagnose: "Dafür braucht der Arzt bei einem alten Menschen oft viel länger, weil dieser ein komplexes Krankheitsbild mit vielen Vorerkrankungen mitbringt." Wenn ein älterer Mensch verwirrt in die Notaufnahme komme, sei das auch nicht zwingend ein Anzeichen von Demenz . Es könne Alarmsignal einer Infektion sein. "Aber das weiß kaum einer", kritisiert Heppner.

Winfried Teschauer, Vorstandsmitglied der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, sieht ein weiteres Problem: "Wir wissen, dass die meisten Mitarbeiter in den Notaufnahmen nicht mit Demenz vertraut sind." Dabei nimmt die Zahl der verwirrten Menschen stetig zu. Deshalb brauche es dringend speziell geschulte Pflegekräfte. Das Konzept der Notaufnahme im Albertinen-Krankenhaus zeige, dass eine bessere Versorgung betagter Notfall-Patienten noch nicht einmal mehr Geld kosten muss. Seine Kurzlieger-Aufnahme-Station erwirtschafte sogar einen Gewinn, sagt Groening.

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