| 20:15 Uhr

Familienrecht
Unterhalt auch bei Volljährigkeit

Auch wenn Kinder volljährig werden, müssen Eltern weiter Unterhalt zahlen, wenn die Sprösslinge eine Berufsausbildung oder ein Studium absolvieren. Das zählt zum „Lebensbedarf“ der Kinder.
Auch wenn Kinder volljährig werden, müssen Eltern weiter Unterhalt zahlen, wenn die Sprösslinge eine Berufsausbildung oder ein Studium absolvieren. Das zählt zum „Lebensbedarf“ der Kinder. FOTO: Christin Klose / dpa-tmn
Berlin. Eltern müssen auch für volljährige Kinder Unterhalt zahlen. Diese Pflicht endet erst, wenn der Sohn oder die Tochter die Ausbildung abgeschlossen hat. Von Sabine Meuter

Ab dem 18. Geburtstag kann eine junge Frau oder ein junger Mann gegenüber den Eltern einen Anspruch auf Barunterhalt geltend machen. Mutter und Vater sind dann verpflichtet, entsprechend ihrem Einkommen einen Teil zu zahlen. Wie hoch konkret der Unterhalt eines Kindes ausfällt, ist in der sogenannten Düsseldorfer Tabelle festgelegt, vorausgesetzt, das Kind wohnt noch bei einem Elternteil. „Hat das volljährige Kind einen eigenen Haushalt, dann beträgt sein monatlicher Unterhaltsanspruch 735 Euro“, erklärt Petra Windeck. Sie ist Vorstandsvorsitzende und Leiterin des Bildungsforums des Deutschen Familienverbandes in Köln.


„Der Unterhaltsanspruch endet erst dann, wenn das Kind ein Studium oder eine Ausbildung abgeschlossen hat und ein eigenes Einkommen erzielt“, sagt Friederike Knörzer. Die Fachanwältin für Familienrecht ist Rechtsberaterin beim Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht in Heidelberg. Volljährige Kinder müssen sich bei der Berechnung ihres Unterhalts eigene Einkünfte allerdings voll anrechnen lassen.

Berücksichtigt werden neben der monatlichen Ausbildungsvergütung auch Einkünfte aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung. Keine Rolle spielt hingegen in aller Regel der Verdienst von Schülern und Studenten, die abends, am Wochenende oder in den Ferien arbeiten. Jedoch darf es sich nicht um einen ständigen Nebenverdienst handeln.

Generell hat ein Kind nur Anspruch darauf, dass ihm eine Ausbildung oder ein Studium finanziert wird. Eine zweite Ausbildung müssen die Eltern nicht bezahlen. „Eine Ausnahme gilt bei Kindern mit Behinderungen“, sagt Eva Becker. „Sie haben weiter einen Anspruch auf Unterhalt, wenn sie ihr Leben nicht selbst finanzieren können.“

Es kommt immer wieder vor, dass ein Kind sich in der Berufswahl geirrt hat und deshalb die Ausbildung wechselt. „In einem solchen Fall bleibt der Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern bestehen“, erklärt Petra Windeck. Gleiches gilt in der Regel auch dann, wenn das Kind das Studium abbricht, weil es nicht seinen Neigungen entspricht, und deshalb eine Ausbildung absolviert. Schließt sich nach Abitur und Ausbildung ein Studium an, sind Eltern zumeist auch für die Uni-Zeit unterhaltspflichtig. Voraussetzung ist jedoch, dass Ausbildung und Studium in einem inhaltlichen Zusammenhang stehen und das Studium unmittelbar nach dem Ende der Ausbildung aufgenommen wird.



Macht das volljährige Kind dagegen nach der Schule eine Lehre, danach das Fachabitur und will dann ein Studium aufnehmen, besteht kein Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern. Bei dieser Reihenfolge ist die Berufsausbildung mit der bestandenen Lehre abgeschlossen. War indes das Studium bereits zu Beginn der Lehre anvisiert, muss Ausbildungsunterhalt gezahlt werden, hat der Bundesgerichtshof entschieden (BGH, Az.: XII ZR 54/04).

Es gibt auch Fälle, in denen das Kind die Ausbildung abbricht, sich arbeitslos meldet und nichts mehr tut. „Ob Eltern dann weiter unterhaltspflichtig sind, hängt vom Einzelfall ab“, sagt Friederike Knörzer. Das Kind habe nur einen Anspruch auf Ausbildungsunterhalt, wenn es eine Ausbildung planvoll und zielstrebig aufnehme und in angemessener Zeit beende. Bleibe das Kind dauerhaft untätig, seien Eltern nicht zum Unterhalt verpflichtet.

Geht das Kind nach dem Abitur für ein Jahr auf Reisen oder arbeitet es im Ausland als Au-pair, sind Eltern rechtlich ebenfalls nicht unterhaltspflichtig, denn das Kind befindet sich ja nicht in einer Ausbildung. Seinen Anspruch auf Unterhalt verliert das Kind aber durch die mit Reisen verbrachte Zeit oder den Aufenthalt im Ausland zumeist nicht. Nimmt es nach seiner Rückkehr eine Ausbildung oder ein Studium auf, hat es Anspruch auf Unterhalt seitens der Eltern. Bei einem freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr kann ein Kind auf jeden Fall Unterhalt beanspruchen, wenn dieses Jahr Voraussetzung für die angestrebte Ausbildung oder das angestrebte Studium ist.

Ob auch eine Unterhaltspflicht während des freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres besteht, wenn dies nicht Voraussetzung für den späteren Beruf ist, ist noch nicht endgültig geklärt. Das Oberlandesgericht Karlsruhe verneint dies (Az.: 2 WF 174/11), das Oberlandesgericht Hamm hingegen sieht dies anders (Az.: I WF 296/14). „Eine höchstrichterliche Entscheidung steht bislang aus“, erklärt Fachanwältin Friederike Knörzer.

Sind Vater und Mutter finanziell nicht in der Lage, ihrem Kind den vollen gesetzlich vorgeschriebenen Unterhalt zu zahlen, kann das Kind Bafög beantragen. „Die Bafög-Leistungen werden vom Unterhaltsbedarf voll abgezogen“, sagt Eva Becker. Eltern müssten nur noch für einen mehr oder weniger kleinen Restbetrag aufkommen.