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Unfall bei Pflege beschäftigt Gericht

Stuttgart. Agentur

Pflegende Familienangehörige sind grundsätzlich gesetzlich unfallversichert. Doch gilt dies nicht für alle Tätigkeiten bei der Pflege. Werden Medikamente verabreicht, sind die dafür erforderlichen Tätigkeiten nicht versichert. Doch es gibt Ausnahmen, zeigt ein Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg (Az.: L 6 U 2398/14).

Eine Frau pflegte ihre Mutter bei sich zu Hause. Zuletzt hatte die Mutter Pflegestufe III. Die Frau wollte ihre Mutter ins Bett bringen, musste sie dazu aber in einen Rollstuhl setzen. Da die Mutter dabei starke Schmerzen hatte, wollte die Tochter zunächst ein Schmerzmittel aus dem Erdgeschoss holen. Auf der Treppe stürzte die Frau und verletzte sich schwer.

Sie war der Meinung, es liege ein Arbeitsunfall vor. Die gesetzliche Unfallversicherung lehnte dies ab, da die Gabe von Medikamenten nicht versichert sei. Nach Ansicht des Gerichts lag jedoch ein Arbeitsunfall vor. Auch wenn die Verabreichung von Medikamenten generell nicht unfallversichert sei, sei das Medikament allein deshalb geholt worden, um die Mutter ins Bett bringen zu können. Letzteres sei versichert. Es bestehe ein zeitlicher Zusammenhang. Das Schmerzmittel wirke nach zehn bis 15 Minuten, dann hätte die Mutter in den Rollstuhl gesetzt und zu Bett gebracht werden können.