Standard-Rollatoren sind zu schwer für den Alltag

Verbrauchertipp : Rollatoren sind oft zu schwer für den Alltag

Einkaufsbummel und Spaziergänge sind auch und gerade im Alter wichtig. Wer dafür nicht mehr fit genug ist, hat Anspruch auf einen Rollator. Doch die Modelle, die Krankenkassen bezahlen, sind oft nicht alltagstauglich. Und die Alternativen sind teuer.

(dpa) Nicht jeder Rollator macht den Alltag im Alter wirklich leichter. Vor allem Standardrollatoren, die es auf Rezept gibt, bereiten ihren Besitzern oft mehr Ärger als Freude. Das hat vor Kurzem die Stiftung Warentest bei einer Untersuchung von zwölf Rollatoren herausgefunden.

Vier der Geräte waren sogenannte Querfalter aus Stahl für 60 bis 100 Euro pro Gerät. Wegen des recht niedrigen Preises zahlen Krankenkassen oft nur für solche Rollatoren. Im Test schnitten alle vier eher schlecht ab. Drei der vier Kandidaten bekamen die Note „ausreichend“, der vierte wegen eventuell krebserregender Schadstoffe im Griff ein „Mangelhaft“. Dieses Modell wurde jedoch inzwischen vom Markt genommen.

Hauptkritikpunkt an den Standardmodellen ist das Gewicht. Dieses Problem wird auch nicht durch eine geänderte Vorgabe für Hilfs- und Pflegehilfsmittel behoben, die der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen jüngst angekündigt hat. Nach den Plänen sollen Rollatoren künftig höchstens zehn Kilo wiegen. Drei der vier getesteten Standardmodelle wogen zwischen neun und zehn Kilo. „Sie sind trotzdem zu schwer“, urteilten die Tester

Da die schweren Stahlrollatoren auch noch unhandlich seien, seien sie im Alltag kaum zu gebrauchen. Kopfsteinpflaster oder Kieswege lassen sich damit nur schwer befahren, Bordsteinkanten werden oft zu einem unüberwindlichen Hindernis. Und der umständliche Klappmechanismus führt dazu, dass sich die Kassenrollatoren für den Transport nur schwer falten lassen. Selbst wenn der Mechanismus funktioniert, landet schnell ein Finger darin, wie der Test zeigte.

Die Alternative zu den Stahlquerfaltern sind Längsfalter aus Karbon oder Aluminium. Sie sind teils deutlich leichter, selbst der schwerste Kandidat wiegt nur 7,5 Kilogramm, und damit alltagstauglicher. Oft lassen sie sich mit einem Handgriff zusammenklappen. Im Test erhalten die meisten Längsfalter die Note „befriedigend“. Mit „gut“ wurden nur die Modelle Vital Carbon von Russka und Troja 2G Premium von Topro für 535 beziehungsweise 410 Euro bewertet. Die anderen Längsfalter sind günstiger, mit Preisen ab etwa 200 Euro aber noch immer deutlich teurer als die Querfalter.

Die leichten und teuren Rollatoren gebe es nur in Ausnahmefällen auf Rezept, erklärt die Stiftung Warentest, etwa für Menschen mit schwerer Atemnot oder Muskel- und Gelenkerkrankungen. Wer nur Anspruch auf ein Standardmodell hat, aber trotzdem einen besseren Rollator will, muss dafür selbst bezahlen. Die Krankenkasse schießt dann Geld zu, meist etwa so viel, wie sie auch für einen Standardrollator bezahlen würde.

Mehr von Saarbrücker Zeitung