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So geben Senioren sicher Gas

So geben Senioren sicher Gas

„Oma, willst du wirklich noch fahren?“ – „Klar!“ In Deutschland muss niemand aus Altersgründen den Führerschein abgeben oder Tests absolvieren. Es ist eigentlich ganz einfach, weiter unfallfrei zu bleiben.

Morgens die schweren Einkaufstaschen in den Kofferraum, mittags zur Freundin zum Essen und abends nach dem Kino sicher nach Hause - für viele Senioren ist Autofahren unverzichtbar. Dabei bedeuten ihnen die vier Reifen weit mehr als bloßer Komfort - sie stehen für Flexibilität, Unabhängigkeit und soziale Teilhabe. Stolze 85 Prozent der über 65-Jährigen fahren laut einer Forsa-Umfrage im Alltag mit eigenem Pkw. Damit das unfallfrei klappt, sollten Senioren rechtzeitig etwas für ihre Fahrtüchtigkeit tun.

Zur Generation 65 plus gehören nach Angaben des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) fast zehn von 54 Millionen Führerscheinbesitzern in Deutschland. Fast zwei Millionen zwischen 75 und 84 Jahren besitzen ein Auto. Doch ein Senior am Steuer heißt nicht automatisch, dass er oder sie das oft zitierte Verkehrhindernis mit Hut darstellt. "Autofahrer im Alter zwischen 65 und 75 schneiden in der Unfallstatistik des statistischen Bundesamtes besser ab als Fahrer im Alter von 18 bis 34 Jahren", sagt Sandra Demuth vom DVR. "Das Verkehrsunfallrisiko steigt aber mit 75 Jahren deutlich und ist bei den über 75-Jährigen doppelt so hoch wie bei Fahrern zwischen 30 und 60 Jahren."

Doch das Geburtsdatum allein sagt laut DVR nichts darüber aus, ob eine Person fahrtüchtig ist. Zudem können ältere Fahrer mit Erfahrung, Wissen und Besonnenheit im Straßenverkehr punkten. Gesundheitliche Probleme, die das Fahren beeinträchtigen, können jedoch auch schon in jungen Jahren auftreten - und Medikamente das Sehvermögen und die Reaktionsgeschwindigkeit beim Autofahren in jedem Alter beeinflussen.

Typische Warnsignale, dass die Fahrtauglichkeit im Alter doch langsam nachzulassen droht, können laut TÜV Süd darin bestehen, dass Senioren zu spät bremsen oder im dichten Verkehr den Überblick verlieren. Wer nicht darüber streiten will, ob er oder sie noch hinters Lenkrad gehört, kann selbst aktiv werden.

Körperliche Fitness ist eine Grundvoraussetzung, die mit Ausdauertraining, Gymnastik und Balance-Übungen erreicht werden kann. Geistige Fitness gehört auch dazu: Gehirnjogging oder gemeinsame Sport- und Freizeit-Aktivitäten mit anderen Menschen fördern laut DVR die Aufmerksamkeit. Nützlich ist es auch, die technische Ausstattung im Auto anzupassen. Mit Automatikgetriebe, Navigationssystem, Parkassistent und großen Anzeigen für Tacho und Tank ersparen sich Autofahrer unnötigen Stress. Der TÜV Süd rät zudem, den Sitz besser einzustellen (Test: die Sitzfläche sollte auf Hüfthöhe sein, wenn man neben dem Wagen steht). So steigen Senioren leichter ein und aus und haben bessere Sicht. Eine hohe Ladefläche schont sowohl Wirbelsäule als auch Bandscheiben. Auf getönte Scheiben sollten Senioren laut TÜV lieber verzichten - Augen brauchen im Alter mehr Licht. Zusätzlich empfehlen DVR, ADAC und TÜV Süd regelmäßige ärztliche Tests - Hören, Sehen, Beweglichkeit, Reaktionstempo und Gedächtnis lassen nun einmal früher oder später nach. Der DVR rät ab 40 Jahren zum jährlichen Sehtest - wichtig für Fahrten bei Dämmerung und Nacht. Ein Hörcheck sollte alle zwei Jahre bei Autofahrern ab 60 Jahren prüfen, ob sie hohe Töne hören und erkennen, woher sie kommen - damit niemand aus der Ferne heranrasende Sirenen überhört. Ab 60 Jahren sollten auch Aufmerksamkeit und Reaktionsschnelle getestet werden.