Sehtest mit Mizar und Alkor

Astronomie : Nächtlicher Sehtest mit Mizar und Alkor

Sternenkonstellationen werden oft schon von alters her für recht eigenartige Zwecke genutzt.

(dpa) Nach Einbruch der Dunkelheit sieht man im Mai die sieben Sterne des Großen Wagens hoch über unseren Köpfen. Der mittlere Stern in der Wagendeichsel wird Mizar genannt. Er gilt schon seit alten Zeiten als Möglichkeit, die eigene Sehkraft zu testen. Normalsichtige Menschen sehen knapp neben Mizar ein lichtschwaches Sternchen, Alkor oder das Reiterlein genannt. Der arabische Name Mizar bedeutet „das Pferd“, auf dem Alkor reitet.

Im Fernglas oder kleinen Teleskop sieht man ab etwa 25-facher Vergrößerung bei Mizar sogar zwei Lichtpunkte. Mizar wurde als erster Doppelstern 1650 von Giovanni Riccioli entdeckt. Beide Sonnen laufen in 5000 Jahren in elliptischen Bahnen umeinander. Gegenwärtig sind sie 50 Milliarden Kilometer voneinander entfernt, dies entspricht der 335-fachen Distanz Erde – Sonne.

Durch spektroskopische Beobachtungen entlarvte man beide Mizarsonnen als jeweils eigene Doppelsterne. Mizar entpuppte sich somit als Vierfachsonne, die 78 Lichtjahre von der Erde entfernt ist.

Wie ein riesiger Zeigefinger weist die Deichsel der Großen Wagens auf einen hellen, orangenen Stern. Er heißt Arktur, der Bärenhüter, und ist der Hauptstern im Bild des Bootes oder Rinderhirt. Arktur gehört zu den fünf hellsten Fixsternen am irdischen Firmament. Diese rote Riesensonne trennen 38 Lichtjahre von der Erde.

Hoch im Südwesten nimmt der Löwe seinen Platz ein. Er ist das Leitsternbild des abendlichen Frühlingshimmels. Sein bläulicher Hauptstern heißt Regulus, der kleine König, und ist 77 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er befindet sich fast exakt auf der Sonnenbahn.

Im Süden passiert gerade die Jungfrau die Mittagslinie. Ihr bläulich-weißer Hauptstern Spica ist 260 Lichtjahre von der Erde entfernt. Die drei Sterne Arktur, Regulus und Spica bilden das Frühlingsdreieck. Im Sternbild Jungfrau blickt man tief in das Universum auf einen ganzen Haufen ferner Milchstraßensysteme, sogenannter Galaxien.

Eine riesige elliptische Galaxie, die im Katalog des französischen Astronomen Charles Messier die Nummer 87 trägt, war gerade erst in den Schlagzeilen. Mit weltweit zusammengeschalteten Radioteleskopen machten Forscher erstmals ein Bild eines sechs Milliarden Sonnenmassen schweren Schwarzen Loches und seiner umgebenden Millionen Grad heißen Gasscheibe. Es befindet sich im Zentrum von Messier 87. Die Galaxie ist rund 55 Millionen Lichtjahre entfernt von der Erde.

Südlich der Deichsel des Großen Wagens befindet sich das lichtschwache und unauffällige Sternbild der Jagdhunde. Lediglich der hellste Stern in den Jagdhunden ist leicht zu erkennen. Er heißt Cor Caroli, das Herz Karls, nach dem englischen König Charles I. von England. Das Drachenviereck aus den Sternen Cor Caroli, Arktur, Spica und Denebola im Löwen wird als Diamant im Geschmeide der Jungfrau betrachtet.

Weit im Westen erinnern noch die beiden Sternenketten der Zwillinge mit Kastor und Pollux an vergangene Wintertage. Auch der Planet Mars hält sich zurzeit in diesem Gebiet auf. Er ist nach wie vor am Abendhimmel vertreten. Anfang Mai geht der Rote Planet eine Stunde nach Mitternacht unter, Ende des Monats bereits eine Viertelstunde vor Mitternacht.

Gegen Mitternacht taucht im Südosten Jupiter im Sternbild Schlangenträger auf. Der Riesenplanet beherrscht nach seinem Aufgang mit seinem Glanz den Nachthimmel. Allmählich wird Jupiter zum Planeten der gesamten Nacht. Er geht immer früher auf und erscheint Ende Mai schon um zehn Uhr abends.

Saturn im Sternbild Schütze ist Planet der zweiten Nachthälfte. Venus kann noch am Morgenhimmel in der Dämmerung beobachtet werden. Besonders auffällig ist unser Nachbarplanet allerdings nicht mehr. Am 18. Mai zieht Venus ein Grad südlich am fernen Uranus vorbei, der mit bloßen Augen nicht zu erkennen ist. Am Monatsanfang geht Venus eine Viertelstunde nach fünf Uhr auf, Ende Mai bereits um halb fünf Uhr morgens. Merkur bleibt im Mai unsichtbar.

Bis Mitte Mai ist der Sternschnuppenstrom der Aquariden aktiv. Ihr Ausstrahlungspunkt liegt im Sternbild Wassermann. Der Höhepunkt der Aquaridentätigkeit wird in den Morgenstunden des 6. Mai erreicht, wo bis zu 60 Meteore pro Stunde aufflammen.

Der Sternenhimmel im Mai. Foto: SZ/Müller, Astrid

Neumond ist in der Nacht vom 4. auf 5. Mai um 0.46 Uhr. Die Vollmondphase tritt am 18. Mai um 23.11 Uhr im Sternbild Waage ein. Am 13. Mai ist der Mond 369 010 Kilometer von der Erde entfernt, am 26. Mai sind es 404 140 Kilometer. Die Mittagshöhe der Sonne nimmt im Mai um knapp sieben Grad zu, die Tageslänge wächst um eineinhalb Stunden.

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