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Mehr Mut zum Risiko bei Geldanlagen

Senioren, die für später vorsorgen wollen, scheuen bei Geldanlagen oft jedes Risiko. Foto: Andrea Warnecke
Senioren, die für später vorsorgen wollen, scheuen bei Geldanlagen oft jedes Risiko. Foto: Andrea Warnecke FOTO: Andrea Warnecke
Nürnberg. Ältere Menschen sind oft konservativ, wenn sie Geld anlegen. Denn schließlich geht es dabei vor allem um den Erhalt des Vermögens. Doch es kann sich lohnen, über Giro- oder Tagesgeldkonto sowie Sparbuch hinaus etwas mehr zu riskieren. Dpa-Mitarbeiterinsabine Meuter

Wenn Menschen über 60 Jahre noch Geld anlegen, ist ihnen Sicherheit besonders wichtig. Sie parken deshalb ihr Geld häufig auf die klassische Art: auf einem Girokonto, einem Sparbuch oder einem Tagesgeldkonto. Zinsen bringt das derzeit aber kaum.

Viele Senioren meinen, noch kräftig sparen zu müssen, um für schlechte Zeiten vorzusorgen. Befürchten sie zum Beispiel, im hohen Alter pflegebedürftig zu werden, wollen sie sich für diesen Fall mit absolut sicheren Rücklagen wappnen. Das ist auch die Erfahrung von Udo Schindler von der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg . Mit dem gesparten Geld solle, wenn es denn so komme, eine angemessene Behandlung in einem guten Heim sichergestellt werden, ohne dass die eigenen Kinder etwas beisteuern müssten.

"Die erforderlichen Eigenleistungen werden allerdings oft überschätzt", sagt Schindler. Zwar komme die Pflegeversicherung für die Heimkosten nicht komplett auf. "Allerdings ist die Deckungslücke oft deutlich geringer als erwartet." Außerdem dauert der Aufenthalt von Senioren in einer Pflegeeinrichtung häufig nicht so lange wie anfangs befürchtet. "Beides zusammen genommen, Verweildauer und Eigenleistungen, ergeben einen weit geringeren Betrag, der für einen möglichen Pflegefall nötig ist, als viele denken", betont Schindler.

Daher könne ein Teil des liquiden Vermögens, sofern damit nicht der Lebensunterhalt finanziert werden muss, gewinnbringend angelegt werden - zum Beispiel in einem ETF (Exchange Traded Funds). Gemeint ist damit ein an der Börse gehandelter Investmentfonds . Man vertraut sein Geld einer Kapitalverwaltungsgesellschaft an, die es beispielsweise in Aktien, Wertpapiere oder Immobilien investiert. Wer im höheren Alter in einen ETF mit einer Anlagedauer von mindestens zehn Jahren investiert, kann schwache Kursphasen in der Regel wieder ausgleichen.

Auch aus Sicht des Bundesverbandes deutscher Banken können ältere Anleger durch ein geschickteres Vorgehen durchaus mehr Rendite erzielen. Das gehe auch schon in kleinen Schritten. "Wer als Sparer die Zinsen bei mehreren Geldinstituten vergleicht, kann trotz der derzeit mageren Verzinsung oft etwas mehr herausholen und dabei voll und ganz auf Nummer sicher gehen", erläutert Verbandssprecherin Julia Topar.

Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät unverblümt dazu, eventuell auch das Geldinstitut zu wechseln. Die Konditionen von Online- und Direktbanken seien häufig günstiger als die von Filialbanken. "Für einen solchen Wechsel muss allerdings die Bereitschaft vorhanden sein, ein Konto übers Internet zu führen."

Ältere Anleger sollten grundsätzlich genau festlegen, auf welches Ziel hin sie sparen. Das können etwa Reisen sein, der Kauf eines Autos oder die finanzielle Unterstützung von Kindern und Enkeln. "Wer für die Nachkommen spart, kann langfristiger anlegen, beispielsweise in Immobilien", sagt Julia Topar. Ein Teil des Vermögens könne auch im Alter in Aktien angelegt werden. "Dabei gibt es eine Faustregel", erläutert die Sprecherin des Banken-Verbandes, "100 minus Lebensalter." Das heißt, ein 75-Jähriger sollte höchstens 25 Prozent seines Vermögens in Aktien anlegen. "Wer in einen breit gestreuten Aktienfonds, in Unternehmensanleihen mit hoher Bonität oder einen Investmentfonds investiert, hat sein Geld relativ sicher angelegt, kann aber auf eine weitaus höhere Rendite hoffen, als das bei einem Sparplan oder einer Bundesanleihe der Fall ist", sagt Topar.

Verbraucherschützer Ralf Scherfling rät Anlegern, dem Berater der Bank und seinen Argumenten in keinem Fall blind zu vertrauen. "Bankkunden sollten sich mit dem angepriesenen Produkt aktiv befassen und Vergleichsangebote einholen." Dann müsse jeder für sich entscheiden, welchen Betrag er anlegen wolle und welche Risiken für ihn akzeptabel seien. "Keinesfalls sollte der gesamte Betrag, der zur Verfügung steht, in ein einziges Produkt gesteckt werden", betont Scherfling. Das bedeutet auch, dass sich Kunden nur auf Angebote einlassen sollten, die sie auch verstehen.

Wer sich entschlossen hat, Geld anzulegen, sollte noch einmal überprüfen, ob sein Grundbedarf zufriedenstellend gedeckt ist. "Miete, Lebensmittel, Kleidung und andere laufende Ausgaben sollten mühelos bezahlt werden können", sagt Topar. Und auch Rücklagen für einen möglichen Pflegefall darf man nicht vergessen.