Lohnt sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung schon für Kinder?

Berufsunfähigkeitsversicherung : Früher Schutz gegen Berufsunfähigkeit

Spezielle Versicherungen federn den Ausfall des Einkommens ab, wenn man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Verträge sind aber oft teuer. Ein früher Abschluss ist deutlich günstiger. Es gibt Policen sogar schon für Kinder.

(dpa) Im Laufe des Arbeitslebens wird statistisch jeder Vierte mindestens einmal zeitweise berufsunfähig. Das zeigt eine Überprüfung der Deutschen Aktuarvereinigung, eines Berufsverbandes für Versicherungs-, Bauspar- und Finanzmathematiker. Wer lange Zeit krank ist, muss finanziell zurückstecken. Denn die Leistungen der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente reichen oft nicht aus. Helfen kann die Berufsunfähigkeitsversicherung, kurz BU. Sie kann den Einkommensausfall zumindest abfedern.

Der Schutz ist allerdings nicht ganz billig. Nach Angaben der Stiftung Warentest können für monatliche Renten zwischen 1000 und 2000 Euro jährliche Beiträge zwischen 490 und 880 Euro fällig werden. Die Höhe des Beitrages ist abhängig von der Gesundheit der Versicherten und von ihrem Beruf.

Vorerkrankungen und ein hohes berufliches Risiko, zum Beispiel bei Gerüstbauern, Piloten oder Heizungsmonteuren, können nicht nur die Beiträge in die Höhe treiben, sondern den Abschluss einer BU massiv erschweren oder sogar unmöglich machen, erklärt Julia Alice Böhne vom Bund der Versicherten. Doch es gibt einen Ausweg: Man sollte die BU so früh wie möglich abschließen.

Selbst für minderjährige Kinder bieten Versicherungen schon Berufsunfähigkeitsversicherungen an. „Das ist in ganz vielen Fällen auch sehr sinnvoll“, sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Je früher ich abschließe, desto früher habe ich den Fuß in der Tür“, erklärt Grieble. Das Risiko sinkt, später nur noch einen eingeschränkten BU-Schutz zu bekommen oder sogar gar keinen mehr.

„Je früher man abschließt, desto geringer ist der Beitrag.“ Manche BU-Verträge kosten anfangs unter 20 Euro pro Monat bei einer Versicherungssumme von 1000 Euro. Weil im Kindesalter meist kein Beruf feststeht, ergibt sich der Beitrag aus einer „Daumenkalkulation des Versicherers“, sagt Grieble. „Der Beitrag steigt nicht, der bleibt.“ Wer also später in einem risikoreichen Beruf arbeitet, kann Beiträge sparen.

Sobald in der Schule die Jahrgangsstufe elf erreicht wird, reduzieren allerdings manche Versicherer die Prämie für den laufenden Vertrag. Sie gehen davon aus, dass das Kind nach dem Schulabschluss einen Beruf wählt, der den Körper weniger belastet.

Die meisten Anbieter versichern Kinder ab dem 15. Lebensjahr. „Es gibt aber immer mehr Anbieter, die einen Abschluss ab dem zehnten Lebensjahr anbieten“, sagt Böhne. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft teilt mit, dass Verträge für unter 14-Jährige nur 0,1 Prozent aller BU-Verträge ausmachen. Die Gruppe der 15- bis 19-Jährigen ist mit 14 Prozent deutlich stärker vertreten.

Entscheidend bei einem Vertragsabschluss für Kinder sollten die Bedingungen sein, die die Versicherung festlegt. „Ausschlaggebend ist zunächst, wann ein Schüler als berufsunfähig bewertet wird“, sagt Böhne, „denn nur dann werden Leistungen gezahlt.“ Unter guten Bedingungen ist das der Fall, wenn ein Kind voraussichtlich sechs Monate ununterbrochen mindestens die Hälfte der Zeit nicht am Unterricht teilnehmen kann oder bereits ein halbes Jahr lang nicht teilnehmen konnte. Manche Versicherungen stufen ein Kind aber nur als berufsunfähig ein, wenn es noch länger oder gar nicht mehr zur Schule gehen kann.

Im jungen Alter ist meist nur eine Versicherungssumme von 1000 Euro pro Monat möglich. Wenn das Kind später einen Beruf ergreift oder heiratet, kann die BU oft noch angepasst werden. Bei einer solchen Nachversicherung sollten die Anbieter aber keine erneute Gesundheits- und Risikoprüfung fordern, sagt Böhne. Tun sie dies, können sie das BU-Risiko neu bewerten. „Dann würde die Prämie deutlich steigen und ein wesentlicher Vorteil eines frühen BU-Abschlusses wäre damit hinfällig.“

Auch durch eine Dynamik kann die Summe noch einmal angepasst werden. Das heißt, die Auszahlung steigt im Bedarfsfall stetig an, allerdings auch die Beiträge. „Ich empfehle, sich diese Möglichkeit offenzuhalten“, sagt Peter Grieble. Welche Versicherungssumme bei Kindern sinnvoll sei, hänge davon ab, wie viele Einnahmen und Ausgaben es in der Familie gebe. Wenige Hundert Euro seien aber nicht sinnvoll, sagt der Verbraucherschützer.

Um schon kleine Kinder zu schützen, sollten Eltern oder Betreuer eine Kinderinvaliditätsversicherung (KIV) abschließen, rät Grieble. Das ist schon ab der sechsten Lebenswoche möglich. Im Gegensatz zu einer Unfallversicherung schütze die KIV sowohl bei Unfällen als auch bei Erkrankungen.

Unter Invalidität verstehen Versicherungen einen bleibenden körperlichen Schaden, für den dauerhaft, also mehr als drei Jahre, keine Besserung zu erwarten ist. „Die KIV zahlt bei Invalidität eine lebenslange Rente, sagt Julia Alice Böhne vom Bund der Versicherten. „Das ist besonders wichtig, da Kinder mit schwerer Behinderung ihr Leben lang ein Einkommen brauchen, auch nach dem Renteneintrittsalter.“