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Kaum Privilegien für Alleinerziehende

Kaum Privilegien für Alleinerziehende

Die Kita schließt, das Kind ist krank, die Großeltern sind nicht verfügbar: Selbst kleine Probleme können im Alltag von Alleinerziehenden Chaos anrichten. Darauf muss in der Regel auch der Chef Rücksicht nehmen.

Den Alltag zwischen Kind und Job zu organisieren, ist für Alleinerziehende ohne Unterstützung kompliziert. "Einen besonderen gesetzlichen Schutz im Beruf, wie es ihn zum Beispiel für Schwangere oder Schwerbehinderte gibt, genießen sie deshalb aber nicht", sagt Rechtsanwalt Alexander Bredereck. Ein paar Privilegien haben sie dennoch. "Immer wenn der Arbeitgeber eine Ermessensentscheidung trifft, muss er die besonderen Belange des alleinerziehenden Arbeitnehmers mit berücksichtigen", erklärt der Arbeitsrechtler.

Typische Fälle sind Versetzungen, die Verlängerung der Elternzeit oder die Anordnung von Mehrarbeit. "Muss nach Feierabend noch eine Arbeit erledigt werden, muss der Arbeitgeber Rücksicht nehmen auf Alleinerziehende, die ihre Kinder aus dem Kindergarten holen müssen", sagt Bredereck.

Auch bei Urlaubsentscheidungen ist der Chef verpflichtet, Schul- oder Kita-Ferienzeiten zu berücksichtigen. Allerdings haben hier auch andere Eltern berechtigte Ansprüche.

Für die Betreuung eines kranken Kindes unter zwölf Jahren dürfen Eltern in der Regel zehn Tage im Jahr freinehmen. Bei Alleinerziehenden seien es 20 Tage, so Bredereck. Einen Anspruch auf Arbeit im Heimbüro haben sie darüber hinaus aber nicht. Den gebe es nur dann, wenn es im Arbeitsvertrag stehe oder im Unternehmen üblich sei, erklärt der Experte. "Unabhängig davon sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach Wegen suchen, wie die Folgen gemildert werden können, wenn ein Alleinerziehender ausfällt. Wie solche Regelungen in der Praxis aussehen, ist von Job zu Job und Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Im Zweifel sollten Alleinerziehende aber versuchen, die Absprachen schriftlich festzuhalten. Doch auch mündliche Vereinbarungen seien gültig und bindend. Strittig sei höchstens, wie lange der Arbeitgeber an solche Absprachen gebunden ist.