1. Leben
  2. Mehrwert

Hunde mit Fleischallergie

Hunde mit Fleischallergie

Immer mehr Menschen leiden anscheinend unter Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien. Und jetzt klagen auch Hundebesitzer, dass ihre Tiere kein Fleisch mehr vertragen. Schon wächst der Markt für teures Spezialfutter.

Es klingt seltsam, doch viele Hundehalter berichten davon, dass ihre Tiere eine Fleisch allergie haben. Darauf kann hindeuten, wenn der Hund ständig entzündete Ohren hat, sich die Haut blutig kratzt oder seine Verdauung verrückt spielt.

Viele betroffene Hundebesitzer klagen ihr Leid im Internet. Ihre Vierbeiner vertragen weder Rind-, Schweine- und Pferdefleisch, noch Fleisch von Lamm oder Pute. Per Ausschlussdiät suchen die Halter nach der richtigen Ernährung. Dabei wird gezielt über acht bis zwölf Wochen nur eine einzige Fleischsorte gefüttert, andere werden strikt gemieden.

"Das ist mühsam, aber die einzige Möglichkeit für eine sichere Diagnose", sagt Professor Dr. Jürgen Zentek vom Institut für Tierernährung der Freien Universität Berlin. "Wenn man das vermiedene Futter danach wieder gibt und sich die Problematik wieder einstellt, kann man sich ziemlich sicher sein, die Ursache gefunden zu haben." Labortests mit Blut oder Haut, wie sie inzwischen oft gemacht würden, könnten nur einen Anhaltspunkt über mögliche Allergien geben. Verlässliche Ergebnisse lieferten sie nicht.

Kontrollierte Studien, wie viele Hunde eine Fleischallergie haben, gebe es bislang nicht, sagt Zentek. Auffällig sei aber, dass immer mehr Besitzer Hunde mit solchen Problemen vorstellten. Davon seien alle Rassen betroffen. "Besitzer und Tierärzte sind heute einfach stärker für dieses Thema sensibilisiert."

Die Hundefutter-Industrie bietet bereits Spezialfutter an. So hält zum Beispiel Frank Weber, Geschäftsführer vom Tierzubehör-Anbieter Hundemaxx in Bayern, eine große Auswahl von speziellem Allergikerfutter verschiedener Marken bereit.

Detlev Nolte vom Industrieverband Heimtierbedarf sagt, die Zahl der Anbieter sei in den vergangenen Jahren gestiegen. Manche Firmen haben nur Futter für "sensible" Hunde im Programm, andere haben sich auf Allergiker spezialisiert. Die speziellen Dosen mit Büffel-, Straußen- oder Kängurufleisch kosten allerdings leicht das Zehnfache im Vergleich zum Hundefutter vom Discounter. Warum aber Strauß oder Känguru? Bei Verdacht auf eine Allergie sollte man etwas füttern, was der Hund zuvor noch nie gefressen hat, sagen Tierärzte . Dann sei die Wahrscheinlichkeit für eine allergische Reaktion gering. "Auf Rind und Getreide gibt es relativ oft allergische Reaktionen", sagt Heike Feld, Futterberaterin bei Herrmann's Manufaktur im bayerischen Aßling. Auch die Firma Vet-Concept in Föhren in Rheinland-Pfalz ist auf Allergikernahrung spezialisiert. Das Unternehmen verkauft sein Dosenfutter mit Pferde-, Straußen- oder Büffelfleisch aber nur gegen Vorlage einer Diätempfehlung. "Diätfutter und Allergikerfutter sind für einen ganz speziellen Ernährungszweck konzipiert. Es ist futtermittelrechtlich so festgelegt, dass man bei Diätfuttern immer einen Fachmann zurate ziehen sollte, bevor man es verfüttert", erläutert die Tierärztin Anne Dörries.

Die Firma Wolfsblut aus Leipzig bietet Trockenfutter mit Kängurufleisch und Kürbis an. Bei Royal Canin aus Köln gibt es Futter mit Ente und Tapioka. Und bei Hill's aus Hamburg kann der Hund auch Wild schlemmen.

Allerdings werden exotische Fleischsorten für Hundefutter immer häufiger nur aus Marketinggründen verwendet. So kann jedoch das Allergierisiko steigen: Die Alternativen werden weniger. "Tierhaltern mit gesunden Tieren empfehlen wir daher kein Pferd, Strauß oder Känguru", sagt Tierärztin Anne Dörries.