| 20:42 Uhr

Altersvorsorge
Für wen sich eine Leibrente lohnt

Wie lange reicht das Geld? Wer sich im Alter ein Zusatzeinkommen sichern will und eine größere Summe zur Verfügung hat, kann das entweder mit einer Leibrente oder einem Auszahlplan tun.
Wie lange reicht das Geld? Wer sich im Alter ein Zusatzeinkommen sichern will und eine größere Summe zur Verfügung hat, kann das entweder mit einer Leibrente oder einem Auszahlplan tun. FOTO: dpa-tmn / Silvia Marks
Berlin. Wer zusätzlich etwas für die Altersvorsorge tun möchte, kann sich für eine Leibrente, einen Bankauszahlplan oder einen Fondsauszahlplan entscheiden. Allerdings eignet sich nicht jedes Produkt für alle Menschen.

(dpa) Wer eine größere Geldsumme bekommt, zum Beispiel aus einer Erbschaft, der Auszahlung einer kapitalbildenden Lebensversicherung oder gar einem Lottogewinn, steht vor der Frage, wie er den Betrag am besten anlegt. Eine Möglichkeit besteht darin, das Geld ganz oder teilweise für eine zusätzliche Altersvorsorge zu nutzen. Dabei kommen beispielsweise eine Leibrente, ein Bankauszahlplan oder ein Fondsauszahlplan infrage. Welche dieser Varianten für wen besser ist, hängt vom Einzelfall ab.


Leibrente: Das Geld kann in eine Versicherung gesteckt werden, die entweder sofort oder erst zu einem späteren Zeitpunkt beginnt. Eine Leibrente wird in aller Regel lebenslang ausgezahlt, unabhängig davon, ob man 68, 84 oder 102 Jahre alt wird, und egal, ob das eingezahlte Geld aufgebraucht ist oder nicht. „Die Leibrente ist somit eine Art Spekulation auf ein ziemlich langes Leben“, erklärt Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge. Der Versicherer überweist jeden Monat den vereinbarten Betrag, bis die versicherte Person stirbt.



„Die Leibrente ist eine Option für alle, die gesund sind und somit davon ausgehen, alt zu werden“, sagt Michael Beumer, Experte für Geldanlage, Altersvorsorge, Kredite und Steuern bei der Stiftung Warentest. Sie ist zudem für jene geeignet, die sonst wenig weitere sichere Alterseinkünfte haben.

Auf der anderen Seite kostet dies Geld, weil etwa „Risiko“- und Verwaltungsgebühren anfallen. „Die Folge sind geringere monatliche Renten, denn Garantien gibt es nicht umsonst“, betont Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Stirbt der Versicherungsnehmer früh, kommt das restliche Geld der Versichertengemeinschaft zugute und nicht etwa den Erben.

Um auf Nummer sicher zu gehen, dass von dem Geld die Erben profitieren, kann für den Todesfall vor Rentenbeginn eine Beitragsrückgewähr und/oder nach Rentenbeginn eine Rentengarantiezeit vereinbart werden. „Beides ist allerdings wiederum mit Kosten verbunden“, erklärt Scherfling. Bei den Leibrenten mit Garantie wirkt es sich heutzutage allerdings negativ aus, dass sich die Zinsen auf einem historischen Tief befinden. „Daher sind die garantierten Leistungen entsprechend niedrig“, erläutert Morgenstern.

Bankauszahlplan: Beim Bankauszahlplan bekommt der Kunde für die vereinbarte Laufzeit einen festgelegten Betrag. Ist zum Ende der Laufzeit das Kapital aufgebraucht, muss der Kunde allerdings ohne diese zusätzliche Einnahme auskommen. „Stirbt der Kunde vor Ende der Laufzeit, geht das Kapital automatisch an die Erben über“, erklärt Michael Beumer. Für Bankauszahlpläne gelte die gesetzliche Einlagensicherung beziehungsweise eine als gleichwertig anerkannte Institutssicherung, informiert Scherfling.

Fondsauszahlplan: Bei dieser Form kaufen Anleger Fondsanteile. Durch regelmäßige Verkäufe erzielen sie dann eine Zusatzrente. Bei dieser Variante müssen sich Anleger aktiv kümmern. Fondsauszahlpläne bergen allerdings Risiken. Gehen die Kurse nach unten, dann steht der Anleger vor der Entscheidung, ob er Auszahlungen zumindest zeitweise reduziert oder sogar ganz einstellt. Umgekehrt kann sich der Anleger bei einer positiven Entwicklung höhere Auszahlungen bewilligen. Oder das Geld reicht eben länger.

„Der Nachteil eines Fondsauszahlplan ist, dass es keine Garantien und keine lebenslangen Leistungen gibt“, betont Morgenstern. Auch bei einer Leibrente gibt es Risiken. So können Überschüsse geringer ausfallen als erwartet oder gegebenenfalls sogar ganz entfallen. Dann besteht die Leibrente nur aus dem garantierten Teil. Vor dem Abschluss sollten Verbraucher sich vergewissern, dass im Fall des Insolvenz des Anbieters die Absicherung der Protektor Lebensversicherungs AG gelte, sagt Scherfling.

Angebote mischen: Wer sich nicht für eine Variante entscheiden möchte, kann eine Leibrente auch mit verschiedenen Auszahlplänen kombinieren. Anleger sollten vor allem auf die Kosten des jeweiligen Produkts achten, rät Klaus Morgenstern. „Je weniger Kosten in einem Produkt stecken, desto höher fällt der Ertrag aus.“

Bei einer Leibrente entstehen in der Regel mindestens Abschluss- und Verwaltungskosten. Bei einem Fondsauszahlplan kommen neben Verwaltungskosten in der Regel ein Ausgabeaufschlag oder Ordergebühren auf den Anleger zu. Selbst bei einem simplen Banksparplan entstehen Kosten, auch wenn diese bei Sparkonten gar nicht ausgewiesen werden. „In diesem Fall stecken sie in der Zinshöhe“, erklärt Morgenstern.

Auch Rentner müssen auf ihre Einkünfte Steuern zahlen. Wer eine private Rentenversicherung abschließt, muss den sogenannten Ertragsanteil versteuern. Bei Auszahlplänen gilt grundsätzlich die Abgeltungssteuer. „Das heißt, auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne fallen 25 Prozent zuzüglich Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag an“, erläutert Scherfling.