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Der Sternenhimmel im Mai
Eine hübsche Parade der Planeten

Stuttgart. Frühaufsteher können sich im Mai auch über den Sternschnuppenstrom der Aquariden freuen.

(dpa) Nur wenige Minuten nach Sonnenuntergang leuchtet im Mai am noch hellen Westhimmel die Venus als Lichtpunkt auf. Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang glänzt sie als helles Gestirn. Venus wird auch Abendstern genannt, obwohl sie kein Stern ist. Der Planet wird im Laufe des Monats immer auffälliger. Am 17. Mai passiert die schmale Sichel des zunehmenden Mondes die Venus, ein netter Anblick über dem Nordwesthorizont. Gegen 23 Uhr geht Venus unter.


Dann beherrscht Jupiter als hellster Planet den Nachthimmel. Am 9. Mai steht er der Sonne genau gegenüber. In der Oppositionsstellung geht Jupiter zu Beginn der Nacht im Südosten auf, erreicht kurz nach Mitternacht seine höchste Stellung im Süden und geht zu Tagesanbruch im Südwesten unter. Am 27. Mai kommt es zu einem Rendezvous mit dem fast vollen Mond.

Zwölf Jahre ist der Riesenplanet unterwegs, um einmal die Sonne zu umrunden. Ihn begleiten dabei mehr als fünf Dutzend Trabanten, von denen die meisten nur wenige Kilometer Durchmesser haben. Die vier großen und hellen Jupitermonde wurden schon kurz nach Erfindung des Fernrohrs Anfang des 17. Jahrhunderts von Galileo Galilei, Thomas Harriot und Simon Marius unabhängig voneinander entdeckt. Auf Vorschlag von Johannes Kepler wurden sie Io, Europa, Ganymed und Kallisto getauft, alles Lieblinge des Göttervaters Jupiter. Bereits mit einem Fernglas kann man sie sehen. Mit 5262 Kilometern Durchmesser ist Ganymed der größte Mond im Sonnensystem. Er ist größer als der Planet Merkur mit 4880 Kilometern.



Im Fernrohr erkennt man auf Jupiter die Wolkenstreifen und -bänder in der dichten Atmosphäre. Das Planetenscheibchen zeigt sich im Fernrohr nicht kreisrund, sondern oval. Denn der Jupiterglobus ist infolge seiner schnellen Drehung deutlich abgeplattet. Ein Jupitertag dauert nicht einmal zehn Stunden. Dies ist die kürzeste Rotationszeit aller Planeten. Mit elffachem Erddurchmesser und der 318-fachen Erdmasse ist Jupiter der größte und schwerste Planet unseres Sonnensystems.

Zurzeit kreist die Raumsonde Juno um den Riesenplaneten. Ihre zur Erde gefunkten Aufnahmen zeigen die bizarren Wolkenwirbeln auf den Polen des Jupiter. Die Raumsonde Juno wurde im August 2011 gestartet. Sie wurde nach der Gemahlin des Jupiters benannt.

Mars beherrscht die zweite Nachthälfte. Seine Helligkeit verdoppelt sich im Laufe des Monats, da die Erde sich anschickt, den Roten Planeten zu überholen. Dabei kommt sie ihm immer näher. Die geringste Entfernung wird Ende Juli erreicht. Nach Untergang der Venus ist Mars zweithellster Planet am Himmel. Nur noch Jupiter ist heller als er.

Am 22. Mai beginnt auf der Mars-Nordhalbkugel der Herbst. Da die Marsachse ähnlich wie die Erdachse zur Umlaufebene geneigt ist, kommt es auch auf unserem äußeren Nachbarplaneten zu Jahreszeiten. Sie dauern jeweils doppelt so lange wie auf der Erde, da Mars zwei Jahre benötigt, um einmal um die Sonne zu gelangen.

Saturn im Sternbild Schütze taucht in der zweiten Nachthälfte im Südosten auf. Anfang Mai geht er eine Viertelstunde nach ein Uhr nachts auf, zu Monatsende bereits wenige Minuten nach 23 Uhr. Es ist beeindruckend, Saturn mit seinem imposanten Ringsystem in einem Teleskop bei 200-facher Vergrößerung zu betrachten. In kleineren Fernrohren kann man ab 30-facher Vergrößerung den Saturnring zumindest erkennen. Mit bloßen Augen sieht man Saturn lediglich als Lichtpunkt in einem fahlen Gelb.

Neumond ist am 15. Mai um 13.48 Uhr, Vollmond am 29. Mai um 16.20 Uhr. Den gesamten Mai über flammen die Sternschnuppen der Aquariden auf. Sie können vor Beginn der Morgendämmerung beobachtet werden. Im Schnitt sind etwa 20 Meteore pro Stunde zu erwarten. Das Maximum liegt am 6. Mai bei bis zu 60 Exemplaren pro Stunde. Mit 65 Kilometern pro Stunde sind sie recht schnell.

Hoch am Himmel, fast im Zenit, erblickt man am späten Abend gegen 23 Uhr den Großen Wagen. Am Westhimmel neigt sich der Löwe dem Horizont zu. Knapp über dem Westhorizont erkennt man noch Kastor und Pollux, die beiden hellen Zwillingssterne. Im Süden passiert gerade die Jungfrau mit der bläulichen Spica die Mittagslinie. Hoch im Südosten folgt der Rinderhirt mit dem orangen Stern Arktur, der zu den fünf hellsten Sternen zählt.

Die Mittagshöhe der Sonne nimmt im Mai um knapp sieben Grad zu. Die Tage verlängern sich im Laufe des Mai um etwa eine Stunde und 25 Minuten.