| 00:00 Uhr

Ein Ehrenamt kann Steuern sparen

Berlin. Wer ein Ehrenamt hat, bekommt dafür oft eine Aufwandsentschädigung. Bis zu einer bestimmten Höhe sind diese steuerfrei. Wer ehrenamtlich arbeitet, aber dafür nicht bezahlt werden möchte, kann die ihm zustehende Entlohnung spenden. Dpa-Mitarbeiterinsabine Meuter

Viele Menschen in Deutschland engagieren sich in Ehrenämtern. In der Regel werden sie in ihrer Freizeit für andere aktiv, als Feuerwehrmann, Vorlesepatin oder Übungsleiter.

Ganz umsonst müssen sie meistens aber nicht arbeiten. Häufig bekommen sie eine Aufwandsentschädigung. Für viele stellt sich die Frage, ob sie solche Einnahmen bei der Steuererklärung angeben müssen. "Nicht unbedingt", antwortet Thomas Eigenthaler von der Deutschen Steuer-Gewerkschaft. "Sofern ein Ehrenamtler lediglich Auslagen wie etwa Fahrtkosten oder Büromaterial erstattet bekommt, muss er nichts ans Finanzamt abführen." Anders ist es bei pauschalen Aufwandsentschädigungen. Sie sind nur bis zu einer bestimmten Höhe steuerfrei. Die Grenze liegt bei der Übungsleiterpauschale bei 2400 Euro pro Jahr, bei der Ehrenamtspauschale bei 720 Euro.

"Allerdings müssen auch Pauschalen, die vermutlich steuerfrei sind, in der Steuererklärung angegeben werden", sagt der Rechtsanwalt und Autor von Ratgeberbüchern, Bernd Jaquemoth. Der Ehrenamtler muss den Beitrag als "sonstige Einnahme" in seiner Steuererklärung aufnehmen. "So kann der Fiskus prüfen, ob die Bedingungen für die Steuerfreiheit vorliegen." Die Freibeträge von 2400 Euro beziehungsweise 720 Euro pro Jahr gelten nur dann, wenn das Ehrenamt als nebenberufliche Tätigkeit ausgeübt wird. Das heißt allerdings nicht, dass man zwingend einen Hauptberuf haben muss. Vielmehr darf die Tätigkeit nicht mehr als 13 Stunden im Wochendurchschnitt ausgeübt werden. "Die Rentnerin, die sich 20 Stunden pro Woche in der Nachbarschaftshilfe engagiert, kann für die Zahlungen, die sie erhält, keine Steuerfreiheit in Anspruch nehmen", erklärt Jaquemoth.

Zu den Personen, die im Sinne des Steuerrechts keinen Hauptberuf ausüben, zählen zum Beispiel Hausfrauen, Studenten, Rentner oder Arbeitslose. "Sie können nebenberuflich tätig sein", erläutert Steuerberater David Benöhr. Weit verbreitet ist nach Angaben von Thomas Eigenthaler die Variante, dass der Verein die Steuer übernimmt und die Vergütung für den Ehrenamtler als "geringfügige Beschäftigung" abrechnet. "Dann trägt der Verein alles und der Ehrenamtler muss selbst nichts mehr machen."

Anrecht auf beide Pauschalen


Die sogenannte Übungsleiterpauschale wird an Ehrenamtler bezahlt, die im pädagogischen Bereich tätig sind, etwa als Sporttrainer oder Chorleiter. Gleiches gilt für Ehrenamtler, die Seminare und Vorträge an Volkshochschulen halten oder Erste-Hilfe-Kurse leiten. Auch wer sich im Rahmen der beruflichen Aus- und Fortbildung engagiert, gehört zum Kreis der Begünstigten. "Davon ausgeschlossen sind jedoch diejenigen, die sich ehrenamtlich in der Ausbildung von Tieren, etwa von Rennpferden oder Diensthunden, engagieren", sagt Steuerberater Benöhr.

Neben der Übungsleiterpauschale gibt es die Ehrenamtspauschale. Sie kann gezahlt werden, wenn sich Ehrenamtler für gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke einsetzen. In gemeinnützigen Vereinen werden zum Beispiel die Zahlungen an Vorstandsmitglieder, Kassenwart oder das Aufsichtspersonal steuerlich begünstigt. "Ob ein Verein als gemeinnützig eingestuft wird, stellt das Finanzamt per Bescheid fest", erläutert Eigenthaler. "Tätigkeiten für wirtschaftliche Geschäftsbetriebe, etwa die Unterstützung des Caterings im Rahmen einer geselligen Veranstaltung, sind dagegen nicht begünstigt", macht David Benöhr klar.

Einige Ehrenamtler können sogar beide Pauschalen in Anspruch nehmen. Das geht aber nur dann, wenn es sich um unterschiedliche Tätigkeiten handelt. "Diese Tätigkeiten können durchaus beim selben Verein ausgeübt werden", sagt Jaquemoth. Beispiel ist ein Ehrenamtler, der die Jugendmannschaft in einem gemeinnützigen Sportverein trainiert und dafür die Übungsleiterpauschale in Höhe von 2400 Euro im Jahr bekommt, und der sich als Gerätewart auch noch ums Sportgerät kümmert und dafür die Ehrenamtspauschale von 720 Euro im Jahr erhält.

Steuerberater David Benöhr weist darauf hin, dass viele ihr Ehrenamt völlig selbstlos ausüben und dafür keine Aufwandsentschädigung haben möchten. "Statt aber vollständig auf eine Pauschale zu verzichten, ist es steuerlich effektiver, den Betrag seinem Verein oder seiner Organisation zu spenden", erklärt der Experte. Der Spendenempfänger stellt dann eine Spendenbescheinigung aus, und der Spender kann den gespendeten Betrag in seiner Einkommensteuererklärung geltend machen.

Wer Sozialleistungen wie Bafög oder Hartz IV bezieht, muss die zuständige Behörde unterrichten, wenn er Einnahmen aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit hat. "Was steuerfrei ist, wird dann auch nicht als Einnahme bei der Sozialleistung abgezogen", sagt Rechtsanwalt Bernd Jaquemoth.