1. Leben
  2. Mehrwert

Beim Sparen scheuen Deutsche jedes Risiko

Beim Sparen scheuen Deutsche jedes Risiko

Sparer haben es derzeit nicht leicht. Die Zinsen sind niedrig, viele zweifeln, dass die Börsenkurse stabil bleiben. Dennoch sind sich die Bürger darüber im Klaren, dass Geldanlagen wichtig sind. Doch welche Sparprodukte sind zu empfehlen?

Am 30. Oktober ist wieder Weltspartag. Zumindest Kinder schnappen sich dann ihr Sparschwein und bringen es zur Sparkasse. Auch Erwachsene könnten den Tag zum Anlass nehmen, ihre Geldanlagen neu zu überdenken.

Der Weltspartag findet seit 1925 an jedem letzten Werktag im Oktober statt. Er wurde vom Weltinstitut der Sparkassen ausgerufen, um die Menschen zum Sparen zu animieren. Die Deutschen sparen keineswegs wenig. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) rechnet in diesem Jahr mit einer Sparquote von 9,5 Prozent. So hoch wird der Anteil der Ersparnisse am verfügbaren Einkommen 2015 vermutlich sein.

Im Vergleich zum Vorjahr bleibt die Sparquote damit gleich, im Vergleich zum Jahr 2013 ist sie um 0,4 Prozentpunkte gestiegen.

Bankeinlagen waren auch im Jahr 2014 der BVR-Studie zufolge die beliebteste Anlageform der Bundesbürger. Sie investierten hier 40 Prozent ihres Vermögens, weitere 37 Prozent in Versicherungen. Nur 23 Prozent des Vermögens verteilte sich auf Wertpapiere . Insgesamt flossen den Geschäftsbanken 86,9 Milliarden Euro zu.

Wenn man alle Sparguthaben in Deutschland zusammenzählt, ergibt sich ein beträchtliches Geldvermögen. Es betrug laut BVR im vergangenen Jahr 5,2 Billionen Euro. Das waren 4,2 Prozent mehr als 2013. Addiert man Immobilien- und sonstige Sachvermögen hinzu, beläuft sich das Gesamtvermögen der Deutschen derzeit auf mehr als elf Billionen Euro.

Experten kritisieren aber seit Jahren, dass die Verbraucher zu sehr an Investitionsformen festhalten, die nur wenig Rendite bringen. "Wir haben das Dilemma, dass wir eine hervorragend laufende Wirtschaft haben, aber man ist kaum am Produktivvermögen beteiligt", sagt Uwe Eilers, Vorstand der Geneon Vermögensmanagement AG in Hamburg. Das komme daher, dass die Verbraucher sehr risikoscheu seien. "Die Form, wie gespart wird, ist halt doch sehr mangelhaft."

Die meisten hielten ausschließlich an Anlagen wie Tages- und Termingeld oder Lebensversicherungen fest. Diese Anlagen würden aber auch in Zukunft wenig Rendite versprechen. "Letztlich mangelt es auch am ökonomischen Wissen der Deutschen", ist Eilers überzeugt. Viele handelten beim Sparen so, wie es ihre Eltern schon gemacht hätten.

Natürlich gibt es nicht die eine richtige Sparstrategie für jeden. Grundsätzlich empfiehlt Eilers aber eine Streuung auf Anleihen und Aktien . Ob Aktien einzelner Unternehmen oder ein oder mehrere Indexfonds die richtige Wahl seien, hänge unter anderem vom Vermögen des Anlegers ab. "Wer mehr Geld hat, für den kommen vielleicht auch Immobilien in Frage, etwa über Immobilienfonds", sagt Eilers.

Wie ein Indexfonds funktioniert, ist leicht nachzuvollziehen. Er folgt genau der Entwicklung eines Aktienindex wie zum Beispiel des deutschen Dax oder des amerikanischen Dow Jones. Legt etwa der Dax um zwei Prozent zu, gewinnt auch der Indexfonds zwei Prozent. Gibt der Dax um ein Prozent nach, verliert auch der Indexfonds ein Prozent. Aber auch, wenn ein Indexfonds dem Dax folgt, heißt das nicht immer, dass die Anbieter den Fonds nur mit Dax-Aktien bestücken. Sie versuchen ihr Glück oft auch mit anderen Aktien . Daher sollte sich ein Kunde genau informieren, was es mit dem angebotenen Indexfonds auf sich hat.

Beratung nicht optimal

Denn jeder Sparer muss auch darauf achten, dass das Risiko, sein Vermögen zu verlieren, nicht zu groß wird. "Ich rate zu einer gewissen Streuung, beispielsweise indem man in drei Indizes investiert statt nur in einen", erklärt Eilers. Das alles hänge aber wieder vom Kapital des Kunden und seinen Interessen ab. Zu viele verschiedene Anlagen könnten außerdem unangenehme Nebeneffekte haben.

Denn Wertpapierkäufe kosteten schließlich Geld, da Gebühren fällig werden. "Wichtig ist natürlich, darauf zu achten, dass die Nebenkosten nicht zu hoch werden", betont Uwe Eilers. Bei Versicherungen rät er zur Vorsicht: "In der Regel sind sie nur noch sinnvoll, wenn sie staatlich oder über den Arbeitgeber gefördert werden."

Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband, bestätigt die eher konservative Haltung der Sparer . Die Ursache für die wenig risikofreudige Anlagetaktik sieht sie in schlechter Beratung durch Banken und sonstige Finanzvermittler. "Die Berater sind nicht darauf eingestellt, langfristige Anlagestrategien für ihre Kunden aufzustellen und Risiken breit zu streuen", sagt Mohn. Genau das sei aber die Strategie, mit der mehr Verbraucher davon überzeugt werden könnten, einen Teil ihrer Gelder in Aktien oder Aktienfonds zu investieren.

"Solche Langfriststrategien liegen aber nicht im Interesse der Berater. Ihr Interesse ist es, durch den Abschluss neuer Verträge immer wieder Provisionen einzunehmen", meint Mohn. In Großbritannien und den Niederlanden seien seit 2013 die Provisionen für den Finanzvertrieb verboten. "Das müsste auch in Deutschland geschehen, damit sich etwas ändert." Die Impulse für einen solchen Systemwechsel sieht sie irgendwann aus Brüssel kommen.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken hat zum Weltspartag die Studie "Niedrigzins dämpft Anlageertrag" veröffentlicht. Sie ist unter dem unten angegebenen Internetlink abrufbar. Nach dem Öffnen der Seite auf Publikationen klicken, dann auf Konjunkturberichte, dann auf 10/2015: BVR zum Weltspartag.

bvr.de/p.nsf/

vz-nrw.de/das-kleine-

einmaleins-der-

geldanlage-33