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Alte Fotos im digitalen Zeitalter

Mit modernen Scannern lassen sich alte Bilder, Dias und Negative leicht digitalisieren. Hochwertige Diascanner sind allerdings sehr teuer. Alternativen sind Leihgeräte oder das Einsenden der Dia-Sammlung bei einem Digitalisierungs-Service. Foto: Rollei
Mit modernen Scannern lassen sich alte Bilder, Dias und Negative leicht digitalisieren. Hochwertige Diascanner sind allerdings sehr teuer. Alternativen sind Leihgeräte oder das Einsenden der Dia-Sammlung bei einem Digitalisierungs-Service. Foto: Rollei FOTO: Rollei
Frankfurt/Berlin. Den Enkeln Fotos von ihrer Taufe schicken, vor dem Klassentreffen ein paar Jugendbilder hochladen oder endlich die vielen Diamagazine aus den Regalen entfernen – es gibt viele Gründe, alte Papierbilder oder Dias zu digitalisieren. Welche Methode empfiehlt sich für wen? dpa-Mitarbeiter Clemens Schöll

Sie verstauben in alten Schuhkartons auf dem Dachboden oder in Alben im Regal: Papierfotos und Dias drohen im digitalen Zeitalter in Vergessenheit zu geraten. Wer deshalb seine alten Fotos digitalisieren möchte, steht vor der Frage: Selbst scannen oder scannen lassen? "Scannen kann furchtbar lange dauern", warnt Michael Wolf von der Stiftung Warentest . Aber ab wann lohnt es sich, Geld für ein Profigerät - ob gekauft oder ausgeliehen - auszugeben?


"20 bis 50 Bilder oder Dias gehen auch zu Hause", erklärt Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband. Wer dagegen sein ganzes Archiv digitalisieren will, brauche fremde Hilfe von einem Digitalisierungs-Service - oder sehr viel Zeit. Sie rät, bei einer größeren Zahl zu digitalisierender Fotos beim Dienstleister nach Mengenrabatten zu fragen. Zum Leistungsumfang sollte dabei auch das Entfernen von Staub von der Vorlage gehören. Bei manchen Anbietern seien die Preise je nach Auflösung der Bilder verschieden, ergänzt Wolf. Und einige berechneten das Brennen auf DVD extra.

Geht es dagegen nur um einige Abzüge, könne man es zunächst mit einem Multifunktionsscanner zu Hause probieren, sagt Wolf. Für größere Mengen gibt es Spezialscanner: Entweder solche, die Flachbettscanner ähneln, bei denen die Bilder oder Dias auf eine Glasplatte gelegt und abgetastet werden. Oder Diascanner, bei denen gerahmte Dias oder Filmstreifen (auch Negative) mit einem speziellen Halter von Hand durch den Scanner gezogen werden. Bei einigen teuren Geräte können komplette Diamagazine eingelegt werden.



Bei sogenannten Diaduplikatoren oder mit Scanner-Apps fürs Smartphone werden die Originale einfach abfotografiert. Das spart Zeit: "Alle Verfahren, die auf Abfotografieren beruhen, gehen schnell", erklärt Wolf. Die Qualität hochwertiger Scans sei damit aber nicht zu erreichen.

Wer keine Dias hat, muss sich entscheiden: Negative oder Papierbilder scannen? Hier sei die Größe des Papierbildes maßgeblich: "Schwarzweißabzüge in alten Fotoalben sind manchmal sehr klein, da sollte man auf jeden Fall das Negativ nehmen", rät Fotografin Clauß. Bei größeren Abzügen sei dagegen wichtig, ob das Foto schon Farbverfälschungen aufweise. "Und dann steht man vor der nächsten Entscheidung: Lasse ich den Scan nahe zum Original, oder versuche ich, über Bildbearbeitung möglichst natürliche Farben zu erreichen?"

Da Speicherplatz heute kaum mehr Kosten verursache, rät Clauß dazu, immer die höchste Auflösung zu wählen - auch wenn das länger dauert. Warentester Wolf widerspricht: Wer die Bilder nur verschicken oder in sozialen Netzwerken posten will, könne durchaus eine geringere Auflösung und damit Datengröße wählen.

Das Archivieren auf einer externen Festplatte bringt dagegen nicht so viel, wenn PC und Speichermedium am selben Ort stehen. Dann haben Anwender nicht nur bei einem Brand oder Wasserschaden schnell ein Problem: "Festplatten werden auch bei Einbrüchen gerne gestohlen", gibt Clauß zu bedenken.

Und was geschieht mit den Originalen? "Es kommt natürlich darauf an, wie sehr man am Original hängt", sagt Wolf. "Alte Abzüge haben einen Nimbus, anders als unpersönliche Bits und Bytes." Vielleicht werde die Scannertechnologie in Zukunft auch soweit verbessert, dass man Ergebnisse erzielen kann, die heute nur mit großem Aufwand möglich seien. Auch Clauß rät, die Originale aufzuheben, da Speichermedien nicht ewig halten.

Was aber, wenn man nur einmal die Diasammlung scannen will und danach nie wieder einen Scanner braucht? Geräte, die ganze Magazine einziehen, kosten neu deutlich mehr als 1000 Euro. Abhilfe schaffen Mietgeräte von Firmen, die ihre Scanner verleihen.

Werner Weisrock bietet zum Beispiel einen Service unter Dia-scanner-mieten.de an: Der Verleih kostet 69 Euro Grundpreis, für jeden Tag kommen fünf Euro hinzu. Bei Scanner-verleih.de in Pforzheim kostet der Scanner laut Firmeninhaber Jörg Rieger übers Wochenende 135 Euro, für die ganze Woche 180 Euro. Und Jens Kestler von Mietscanner.de verlangt als Grundpreis 89 Euro plus 8,95 Euro pro Tag. Er verleiht Geräte im Set mit Laptop, Anleitung, Magazinen und Software.

"Der Rechner ist mit dem Scannen weitgehend ausgelastet, da können sie nicht viel nebenbei machen. Außerdem gibt es so keine Treiber- oder andere Probleme", erläutert der Unternehmer.