Klima-Kolumne Grad-Wanderung Wieso Klimawandelleugner ein bisschen Mitleid verdienen

Meinung · Sie verdrehen Fakten und attackieren Menschen, die unseren Planeten retten wollen. Trotzdem tun unserer Autorin Klimawandelleugner leid. Wieso?

Klima-Kolumne: Wieso Klimawandelleugner Mitleid verdienen
Foto: dpa/Arne Dedert

Manchmal werde ich echt sauer, wenn ich Leuten zuhöre, die den Klimawandel leugnen. So richtig offen tun das inzwischen zwar nur noch die wenigsten. Aber auch die „Skeptiker“ sind schlimm genug – besonders, wenn sie sich als mäßigende Stimme der Vernunft aufspielen, obwohl sie selbst die einfachsten Zusammenhänge nicht verstehen wollen.

Wenn es heißt, dass der Juli 2023 global der heißeste Monat seit mindestens 120 000 Jahren war, zeigen sie höhnisch lachend nach draußen in den saarländischen Nieselregen, weil sie das Wörtchen „global“ offensichtlich überfordert. Sie stürzen sich begeistert auf den einen (meist fachfremden) Wissenschaftler, der beim Klima zu einem ganz anderen Ergebnis kommt als die gesamte restliche Fachwelt und halten sich dabei sogar noch für besonders kritische Denker.

Sie schreien nach „Technologieoffenheit“, lehnen aber jede Innovation ab, die ohne klimaschädliche Emissionen auskommt. Sie klammern sich an Auslaufmodelle wie den Verbrennungsmotor, um die Automobilindustrie zu retten, ignorieren aber, dass dieser Wirtschaftszweig nur deshalb in Schwierigkeiten ist, weil die deutschen Unternehmen den Trend zur Elektromobilität jahrelang verschlafen haben.

Sie verdrehen Zahlen, Statistiken und Fakten und werfen allen anderen Ideologie, Hysterie und Panik vor – während sie doch eigentlich selbst Angst haben. Angst, etwas ändern zu müssen. Angst, sich jahrzehntelang von der Fossil-Lobby veräppelt haben zu lassen. Angst, ihren Kindern in die Augen zu sehen und zu wissen, dass sie all das, was uns in Zukunft erwartet, hätten verhindern können – und dabei jämmerlich versagt haben.

Wenn ich mir das bewusst mache, verraucht meine Wut. Stattdessen tun mir die Leugner und Skeptiker leid. Ihre Welt fällt gerade auseinander. Doch von ihrer Verantwortung entbindet sie das nicht.