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Professor Thomas Giegerich erklärt im Rahmen der Kinderuni Europa

Kinderuni vor Ort : Die Kinderuni erklärt Europa

Weil Kinder wegen der Corona-Pandemie nicht auf den Campus der Saar-Universität kommen dürfen, kommt die Kinderuni in diesem Semester zu den Kindern in die Schulen. Professor Thomas Giegerich berichtet über die Europäische Union.

Gute Nachrichten für junge Forscher: Die Kinderuni geht endlich weiter! Da es wegen der Corona-Pandemie nicht möglich ist, dass Kinder an die Saar-Uni kommen, hat sich das Team etwas anderes überlegt: Die Dozenten besuchen Schulklassen und beantworten Fragen zu ihrem Forschungsgebiet. Bis zum 20. November können sich Klassen zur Kinderuni anmelden.

Professor Thomas Giegerich macht bei der Kinderuni mit. Er ist unter anderem Spezialist für Europarecht und Direktor des Europa-Instituts an der Saar-Uni. Gemeinsam mit den Kinderstudenten wird er der Frage nachgehen, was die Europäische Union für uns im Saarland bedeutet.

„Wenn wir heute Lust auf ein leckeres Croissant aus Frankreich haben, können wir zum Einkaufen einfach über die Grenze fahren“, sagt Thomas Giegerich. Die Bürger der 27 Mitgliedsstaaten dürfen sich frei innerhalb der EU bewegen – allerdings ist diese Freiheit derzeit durch die Corona-Pandemie eingeschränkt.

Der Professor erinnert sich an seine Kindheit: „Wenn wir damals nach Italien in den Urlaub gefahren sind, mussten wir Vorbereitungen treffen, zum Beispiel Geld wechseln, und an der Grenze wurde unser Pass von Zollbeamten kontrolliert.“ Damals wurde in Deutschland mit D-Mark bezahlt, in Italien mit Lira. Der Umtausch war mühsam und oft mussten dafür auch Gebühren bezahlt werden. Heute kann man in beiden Ländern und auch in vielen anderen europäischen Staaten einfach mit Euro einkaufen. „Die EU ist ein gemeinsamer Wirtschaftsraum, in dem sich Waren, Personen, Dienstleistungen und Geld frei bewegen können“, erklärt Thomas Giegerich.

Für ihn bedeutet ein Leben in Europa auch ein Leben in Frieden und Sicherheit. „Statt wie früher Krieg zu führen, reden die EU-Staaten miteinander und mit anderen Staaten, um Probleme zu lösen“, erklärt der Jurist. Das ist bei so vielen unterschiedlichen Interessen nicht immer einfach. Jedes Land hat seine eigene Kultur, viele verschiedene Sprachen werden gesprochen, doch für den Professor ist klar: „Das macht Europa bunt und interessant.“

Er vergleicht die EU mit einer Schulklasse mit 27 Schülern: „In dieser Klasse verfolgen alle dasselbe Ziel und arbeiteten gemeinsam auf das beste Ergebnis hin. Wenn ein Schüler ein Problem hat, dann helfen die anderen ihm – eben wie in einer richtig guten Klassengemeinschaft.“

In unserem Alltag ist die EU allgegenwärtig, zum Beispiel auf den Autokennzeichen, auf denen die blaue Flagge mit den zwölf goldenen Sternen zu sehen sind. Doch warum nicht 27, also für jedes Mitgliedsland eines? Die Zahl Zwölf ist in Europa ein Symbol für Vollkommenheit. Es gibt zum Beispiel zwölf Monate und die Zahlen der Uhr reichen von eins bis zwölf. Die Sterne auf der EU-Flagge stehen für die Werte Europas und ihre kreisförmige Anordnung für die Einheit.

Das wichtigste Ziel der EU ist, dass es allen Menschen der Mitgliedsstaaten gut geht. Sie sollen die gleichen Rechte und Freiheiten haben. Damit niemand Not leidet, helfen die reichen Länder den ärmeren. „Die EU ist ein freiwilliger Zusammenschluss der Europäer zum Wohl aller“, fasst Thomas Giegerich zusammen.

Das bedeutet aber auch, dass kein Land dabei sein muss, wenn es nicht will. Oftmals wird in Volksabstimmungen darüber entschieden. In der Schweiz war vor rund 20 Jahren die Mehrheit der Bevölkerung dagegen. Zur gleichen Zeit entschloss sich Kroatien, der EU beizutreten. Nach vielen Gesprächen wurde das Land 2011 in die EU aufgenommen. Großbritannien hat sich hingegen für den Brexit, also den Austritt aus der EU, entschieden und ist seit diesem Jahr nicht mehr dabei. Mit anderen Ländern, darunter Serbien, wird derzeit intensiv verhandelt.

Thomas Giegerich verfolgt die Entwicklung der Europäischen Union mit großem Interesse. Er kennt auch deren Anfänge: „Begonnen hat die Geschichte der EU nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals wollten die Menschen verhindern, dass es in Europa wieder Krieg gibt.“ Einige Länder schlossen sich zur Gemeinschaft für Kohle und Stahl zusammen, um diese wertvollen Güter gemeinsam zu kontrollieren. „Am Anfang ging es um die Wirtschaft, heute wahrt die EU nicht nur den Frieden in Europa, sondern auch die europäischen Werte und Interessen in der ganzen Welt“, betont der Wissenschaftler.

Thomas Giegerich weiß, dass die EU eine starke Gemeinschaft ist. 446 Millionen Menschen leben darin, fast 70 Millionen sind Kinder. Das bedeutet zwar nicht, dass sie alle das gleiche Leben führen und alle mit denselben Sachen spielen, aber trotzdem hat ihr Spielzeug eines gemeinsam: Auf jedem stehen die zwei Buchstaben CE. Der Professor erklärt, was es damit auf sich hat: „Diese sind auf jedem Spielzeug, das in der EU verkauft wird, abgebildet. CE steht für ‚Communauté européenne’, was ‚Europäische Gemeinschaft’ bedeutet.“ Damit ist gesichert, dass das Spielzeug keine schädlichen Stoffe enthält, also nicht gefährlich für Kinder ist.

 Professor Thomas Giegerich erklärt unter anderem, warum auf der Flagge der Europäischen Union nur zwölf Sterne abgebildet sind.
Professor Thomas Giegerich erklärt unter anderem, warum auf der Flagge der Europäischen Union nur zwölf Sterne abgebildet sind. Foto: Iris Maria Maurer
 Thomas Giegerich erklärt unter anderem, warum auf der Flagge der Europäischen Union nur zwölf Sterne abgebildet sind.
Thomas Giegerich erklärt unter anderem, warum auf der Flagge der Europäischen Union nur zwölf Sterne abgebildet sind. Foto: dpa/Patrick Pleul

Thomas Giegerich kann noch viel mehr über die EU erzählen. Er freut sich sehr darauf, sein Wissen mit den Kinderstudenten zu teilen und ihre Fragen zu beantworten.