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Letzte Vorlesung im Wintersemester der Kinder-Uni mit Susanne Meuser

Kinder-Uni : Die Überlebenstricks der Insekten

In der letzten Vorlesung des Wintersemesters der Kinder-Uni beschäftigte sich Susanne Meuser mit der Überlebenschance der Insekten.

Während es draußen grau und nass ist, strömen die etwa 400 Besucher der Saarbrücker Kinder-Uni mit leuchtenden Augen in den Audimax auf dem Saarbrücker Campus der Universität des Saarlandes. An diesem tristen Januartag will die Biologin Susanne Meuser bei der letzten Vorlesung des aktuellen Wintersemesters den Klimawandel aus einem besonderen Blickwinkel betrachten. Sie wird ihren jungen Zuhörern die Welt der Insekten näherbringen und die Auswirkungen des Klimawandels auf diese Tierart beleuchten.

„Insekten sind sehr viel älter als der Mensch in der Erdgeschichte“, erklärt die Biologin gleich zu Beginn ihrer Vorlesung. Vor wahrscheinlich 407 Millionen Jahren entstanden die ersten Insekten. Vor 235 Millionen Jahren entwickelten sich Dinosaurier, Schildkröten und auch Vögel. Als die Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren ausstarben, war an die Menschen immer noch nicht zu denken. Die Spur unserer frühesten Vorfahren lässt sich 23 Millionen Jahre zurückverfolgen.

Da diese Zeiträume unsere Vorstellungskraft überschreiten, versuchte Susanne Meuser diese etwas zu veranschaulichen. „Opas werden im Schnitt 74 Jahre alt. 407 Millionen Jahre sind 5,5 Millionen Mal die gesamte Lebensspanne eines Opas.“ Wenn man 5,5 Millionen Zwei-Euro-Münzen in einer Reihe aufstellen würde, wäre die Strecke etwa doppelt so lange wie der längste Fluss der Welt, der Nil.

In den 407 Millionen Jahren, die die Insekten bereits auf der Erde leben, gab es immer wieder Klimaänderungen. Es gab Hitze- und Wärmeperioden sowie Eiszeiten. „Die Insekten haben das alles überlebt, weil sie besonders sind“, erklärt die Biologin. Daher würden sie auch die kommenden Folgen des Klimawandels überleben. Sie haben ein Außenskelett, das sie abstreifen müssen, wenn sie wachsen. Da der Mensch ein Innenskelett hat, muss er das nicht tun. Die Flügel, die Insekten zum Teil haben, sind aus dem gleichen Stoff wie ihr Außenpanzer gemacht und sie können sehr weit damit fliegen. Außerdem haben sie ganz besondere Augen, die ihr Überleben sichern. Statt zwei Linsenaugen wie der Mensch haben sie Komplexaugen, die wie 1000 einzelne Augen funktionieren. Dadurch können Insekten alle Vorgänge wie in Zeitlupe sehen und sich so vor Angriffen schützen. Außerdem können Insekten so gut wie alles fressen und sich so neuen Lebenswelten anpassen.

„Insekten waren die Ersten, die die Massentierhaltung erfunden haben“, erklärt Susanne Meuser. Die Ameisen pflegen und schützen zum Beispiel Blattlauskolonien, um den Zuckersaft, der eigentlich der Urin der Läuse ist, zu ernten.

Insekten sind dank ihrer Fähigkeit, sich anzupassen, auch so gut wie überall auf der Erde zu finden. So lebt etwa auf Gletschern der Gletscherfloh, in den Haaren die Laus, Libellenlarven leben im Wasser und die Wüstenheuschrecke im Sand der Sahara.

Auch haben einige Insekten Tricks entwickelt, um sich vor Feinden zu schützen. Die Madagaskar-Fauchschabe verhält sich wie eine Katze, wenn sie Feinde abschrecken will: Sie faucht und treibt so ihre Gegner in die Flucht.

Andere Tierarten zu imitieren, scheint unter Insekten überhaupt ein verbreitete Verhaltensweise zu sein. Ein Beispiel dafür ist der sogenannte Bienenbeutenkäfer, der sich in Bienenstöcke schleicht. Dieses Insekt legt dann dort seine Eier ab. Die schlüpfenden Larven dieses Käfers fressen den Bienenstock von innen auf und zerstören ihn. Der Käfer ist in Afrika verbreitet, stellt dort aber keine große Gefahr für Bienen dar, weil die dort heimischen Arten seine Tricks erkennen können, erklärt Susanne Meuser. In den vergangenen Jahren hat sich der Schädling aber auf Grund der steigenden Temperaturen durch den Klimawandel bis nach Italien ausgebreitet – und dort wissen die Bienen nicht mit dieser Bedrohung umzugehen und fallen ihm zum Opfer.

Insekten erfüllen aber auch viele wichtige Funktionen in der Natur, ohne die wir Menschen nicht überleben würden. Ihnen galt der Schlussteil des Vortrages, mit dem auch das Wintersemester endete.