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Die Schneemänner wollen mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Geschichte : Warum die Schneemänner zu Hexen werden

Die winterlichen Gestalten haben es satt, dass die Kunstwerke eines kleinen Jungen mehr Aufmerksamkeit als sie bekommen.

Ein kleiner Junge hatte keine Lust, nur Schneemänner zu bauen. Weil er gerade ein Saurierbuch las, formte er aus Schnee einen Saurier mit Zackenschwanz und einem mächtigen Kopf, und am Abend stand neben drei dicken, grinsenden Schneemännern ein grausiger Dinosaurier. „Ein Monster!“, riefen die Leute vor Schreck. Als sie erkannten, dass es ein Schneesaurier war, staunten sie: „Mal etwas anderes als die ewig dicken, gemütlich grinsenden Schneemänner.“ Alle bewunderten den Schneesaurier. Die dicken, grinsenden Schneemänner ärgerten sich. Keiner beachtete sie. In ihrer Not wandten sie sich an den Schneegeist Waldemar Schnebulus. „Hilf uns, Meister Schnebulus“, baten sie. „Verwandle uns in Schneesaurier!“

„Nichts leichter als das“, grinste Waldemar und verwandelte sie in grimmige Schneesaurier. Die Möhren schenkte er den Hasen. Sie freuten sich. Auch die verwandelten Schneemänner freuten sich. Davon erfuhren ihre Kollegen und sie wollten auch verwandelt werden. „Mit Vergnügen“, sagte Waldemar Schnebulus. So kam es, dass es in der Stadt von Schneesauriern nur so wimmelte. Das sah langweilig aus, und die Kinder bewarfen die Saurier mit Schneebällen. Nur die Hasen hatten ihre Freude an den Schneemann-Nasen. Sie fühlten sich endlich einmal wieder richtig satt.

Der kleine Junge hatte gerade ein Hexenbuch geschenkt bekommen. Weil er Hexen viel spannender fand, formte er aus seinem Schneesaurier eine Gruselhexe. Die sah so schaurig aus, dass die Leute bewundernd vor ihr stehen blieben. Die Schneemänner ärgerten sich. Schnell riefen sie Waldemar Schnebulus. Am nächsten Tag standen überall Schneehexen herum. Der kleine Junge hatte unterdessen ein Märchen von einer lieb lächelnden Prinzessin gehört und verwandelte seine Gruselschneehexe in eine lächelnde Prinzessin. Am nächsten Tag standen überall in der Stadt liebe Schneeprinzessinnen, die dämlich lächelten.

Längst verstand der kleine Junge überhaupt nicht mehr, warum er sich in eine Schneeprinzessin verguckt hatte, wo er doch für Agrobotix, den Helden aus seinem Weltraumbuch schwärmte. Schnell verwandelte er seine Schneeprinzessin in einen Weltraumschneehelden.

Die Schneemannsaurierhexenprinzessinnen heulten vor Wut. Sie hatten keine Lust mehr, sich immer wieder zu verwandeln, schon gar nicht in tapfere Weltraumhelden. Sie wollten auch nicht als lächelnde Prinzessinnen im Schnee stehen, und sie konnten sich nicht vorstellen, den ganzen Winter als Schneehexen oder Schneesaurier zu verbringen. Am liebsten wollten sie wieder wie früher sein: einfache dicke, gemütlich grinsende Schneemänner. „Da gibt es ein Problem“, meinte Waldemar Schnebulus. Die Schneemannsaurierhexenprinzessinnen erschraken. „Eure Nasen“, sagte Waldemar Schnebulus kleinlaut, „sie sind bei den Hasen.“

„Wie schrecklich!“ Die Schneemannsaurierhexenprinzessinnen waren verzweifelt. Am nächsten Tag standen wieder dicke, nasenlose, gemütlich grinsende Schneemänner in der Stadt. „Endlich!“, freuten sich die Leute. „Zu einem rechten Winter gehören Schneemänner.“ Schnell steckten sie ihnen frische Möhrennasen in die Gesichter. Die Schneemänner wollten nie mehr etwas anderes sein. Der kleine Junge aber las noch viele Bücher in diesem Winter.