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Die kleine Waldmaus entdeckt glitzernde Silberfäden auf der Wiese

Geschichte : Funkelnde Netze verzaubern die Wiese

Die kleine Waldmaus entdeckt an einem Herbstmorgen glitzernde Silberfäden, die mit der Sonne um die Wette funkeln.

Für die kleine Waldmaus war die Nacht viel zu schnell vorbei und ein neuer Morgen brach an. Er brachte dem Tag feuchte, kühle Luft und einen leisen Nebelschleier, der sich im Dämmerlicht über den Boden legte und mit den ersten Sonnenstrahlen wieder verschwand.

„Nanu?“, wunderte sich die kleine Waldmaus. Sie stand an diesem Herbstmorgen auf dem großen Stein am Rande der Waldwiese und staunte. Die Wiese glitzerte und glänzte zauberhell im Licht der ersten Sonnenstrahlen. Abertausende Silberfäden hatten sich über Gräser und zwischen die Wildkräuter und Wiesenblüten gelegt. Es war, als verzierten sie die Wiese mit Schmuckbändern und Perlenketten. Das sah so schön aus.

Die kleine Maus zögerte. Doch dann traute sie sich und machte ein paar Schritte auf die Zauberwiese. Vorsichtig griff sie nach den fremdartigen Fäden. „Aber was war das?“, fragte sich die Wildmaus. Die seltsamen Fäden, die jetzt gar nicht mehr glitzerten, blieben in ihrem Fell kleben.

Erschrocken pulte die kleine Maus sie aus ihrem Bauch und aus Armen und Beinen.

„Hey, geht weg!“, rief das Nagetier. Doch nichts geschah. Nur die Sonne verschwand hinter einer Wolke und nahm all den Silberzauber ringsum mit.

Nun war die kleine Maus ratlos. Die seltsamen Fäden klebten weiter in ihrem Fell.

„Wer seid ihr und was wollt ihr von mir? Warum hängt ihr euch an mir fest?“

Die kleine Maus rief viele Fragen in den Morgen hinaus, doch Antworten bekam sie keine. Da nahm sie Anlauf und rannte über die Wiese, ließ sich fallen, kugelte sich, schlug Purzelbäume und wälzte sich im nassen Gras, um die Fäden aus ihrem Fell loszuwerden. Sie tobte, lachte und rannte immer weiter.

Gleich fühlte sie sich besser und der Ärger über die seltsamen Silberfäden verschwand. Gerade als sie wieder Anlauf nehmen wollte, um erneut über die Wiese zu jagen, hörte sie Stimmen. Viele unsichtbare, in hohen Tönen sirrende Stimmen.

„Halt ein!“, riefen sie im Chor. „Du zerstörst unsere Netze überall hier auf der Wiese.“

„Netze? Wer seid ihr und wo seid ihr?“, wollte die kleine Waldmaus wissen. „Hier sind wir“, antworteten die fremden Stimmen. „Wir sind Spinnen und du triffst uns überall an diesen Herbsttagen. Siehst du nicht unsere Netze zwischen Gräsern, Blumen, Sträuchern, Ästen und Steinen?“

„Ach so“, unterbrach die Maus sie. „Diese Silberfäden sind eure Fangnetze?“

Sie war ein bisschen enttäuscht. Dann fügte sie hinzu: „Ich wollte euch nicht stören, aber ich dachte, ein Zauberer sei hier gewesen und …“

Sie konnte ihren Satz nicht beenden, denn in diesem Moment lugte die Sonne wieder hinter der Wolke hervor. Sogleich funkelten all die Silberfäden der Spinnennetze wieder mit dem Licht der Sonnenstrahlen um die Wette.

„Da seid ihr ja wieder! Wie schön es hier ist. So schön!“, rief die kleine Waldmaus, und leise fügte sie hinzu: „Wer hätte gedacht, dass ihr Spinnen so etwas wie Zauberer seid.“