Die dritte Vorlesung der Kinder-Uni erforscht, wie wir sprechen lernen

Kinder-Uni : Wie habe ich eigentlich Sprechen gelernt?

In der dritten Vorlesung des Sommersemesters der Kinder-Uni am 26. Juni erklärt Nele Hartung, wie wir das Sprechen lernen.

Egal wie gut unser Gedächtnis ist, egal wie weit unsere Erinnerungen zurückreichen, wir können uns nicht an alles erinnern. Was wisst ihr noch von eurem ersten Geburtstag? Oder von euren ersten Gehversuchen?

Mit dem Sprechen ist es genauso. Das kommt einem so selbstverständlich vor, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie es ohne diese Fähigkeit war. Doch auch wenn uns das Sprechen heute als selbstverständlich vorkommt, ist es nichts, dass wir schon immer konnten. Wir mussten es zunächst einmal lernen.

„Es ist ein Wunder, dass Kinder das lernen“, meint Nele Hartung, Sprachwissenschaftlerin an der Universität des Saarlandes. Denn das Sprechen ist ein sehr komplexer Vorgang. Dennoch können Kinder mit vier bis fünf Jahren bereits alle Grundzüge der Grammatik bis hin zu schwierigen Satzkonstruktionen.

Mit Lernen wie in der Schule hat das eigentlich gar nichts zu tun. Wir lernen als Kinder sprechen, weil wir in das „Sprachbad“ eintauchen, also permanent von Sprache umgeben sind. Das beginnt bereits im Mutterleib, da sich hier das Innenohr öffnet und die Embryos ab diesen Moment schon hören können.

Daher bringen Babys und Neugeborene bereits eine ganze Menge an Sprachkenntnissen mit, was ihnen vor allem Erwachsenen gar nicht so zutrauen. Sie erkennen bereits ihre Mutter an der Stimme und auch ihre Muttersprache. Bereits als Baby können wir Laute voneinander unterscheiden und einzelne Sprachen voneinander abgrenzen.

In den folgenden Monaten nach der Geburt merken sich Babys Lautgebilde. Sie speichern also Zusammenhänge zu den Lauten. Dem Wort „Auto“ wird gedanklich der Gegenstand zugeordnet. Das passiert alles innerhalb des ersten Lebensjahres, auch wenn es für die Eltern oder großen Geschwister nicht immer erkennbar ist.

Das liegt daran, dass die Fähigkeit zu sprechen, immer hinter dem Verstehen herhinkt. Das hat mehrere Gründe. Bei Babys sitzt der Kehklkopf noch zu hoch im Hals, sie haben noch keine Zähne und vor allem füllt die Zunge noch den gesamten Mundraum aus. Dies alles macht das Sprechen unheimlich schwer. Denn dazu ist ein gleichmäßiger Luftstrom nötig. Babys beginnen ganz automatisch zu üben, damit sie den nötigen Luftstrom erzeugen lernen. Dies nennt man Babbelphase.

In dieser Phase wird das erste Wort als Baby gesprochen. Ganz oft heißt das „Mama“. Jetzt müssen Eltern sehr stark sein: Diese Laute haben keinen Bezug zu dem Wort „Mama“, sondern sind einfach das Ergebnis des Übens und der Babbelphase. Sobald alle körperlichen Voraussetzungen gegeben sind, beginnt das Baby zu sprechen.

So folgt dann die Ein-Wort-Phase, dann die Zwei-Wort- und die Drei-Wort-Phase. Nach den Drei-Wort-Sätzen lernen Kleinkinder zunächst längere Sätze, später kompliziertere, zu bilden. Mit vier bis fünf Jahren haben alle Kinder die Meilensteine des Spracherwerbs geschafft. Ab jetzt wird nur noch der Wortschatz verbessert und es erfolgen noch Verbesserungen des bereits Erlenten. „Spracherwerb beginnt im Mutterleib und endet nie“, fasst Nele Hartung zusammen.

Wie genau die einzelnen Phasen ablaufen, was wir in ihnen bereits sagen konnten oder auch nicht, wird sie in ihrer Vorlesung am 26. Juni ­erzählen. Außerdem will sie euch dann auch ein paar ­Experimente zum Thema Sprechen zeigen.

Kinder-Uni

Die Kinder-Uni bei Facebook

Schon lange vor der Geburt können Kinder im Mutterleib alles hören und erkennen so nach der Geburt die Stimme ihrer Mutter. Foto: dpa/Matthias Hiekel

Die Kinder-Uni bei Youtube

Mehr von Saarbrücker Zeitung