1. Leben
  2. Kinderseite

Kinder-Uni: Das doppelte Lottchen im Audimax

Kinder-Uni : Das doppelte Lottchen im Audimax

Bei der letzten Vorlesung der Kinder-Uni in diesem Semester erklärte Frank Spinath, was Wissenschaftler von Zwillingen lernen können.

Wer bei der letzten Vorlesung der Kinder-Uni in diesem Semester dabei war, hat mehr als einmal doppelt gesehen. Denn das Thema am vergangenen Mittwoch waren Zwillinge.

 Professor Frank Spinath möchte am Anfang erst einmal wissen, wer von den Kinder-Studenten selbst Zwillinge kennt oder vielleicht sogar mit welchen befreundet ist. Und tatsächlich: Fast alle heben die Hand. Das ist gar nicht so ungewöhnlich, erklärt Frank Spinath, denn allein in Deutschland kommen pro Jahr rund 12 000 „Doppelgänger“ auf die Welt. Das sind pro Tag 33 Pärchen.

Die meisten Kinder wissen, dass Zwillinge nicht immer genau gleich aussehen. Das liegt vor allem daran, dass es eineiige und zweieiige Zwillinge gibt. Während sich die Eineiigen meist „wie ein Ei dem anderen“ ähneln, sehen die Zweieiigen oft total unterschiedlich aus. Um herauszufinden, wo der Unterschied zwischen den beiden liegt, fragt der Zwillingsforscher erst einmal, ob alle kleinen Studenten auch wissen, dass die Babys vom Storch gebracht werden. Vom Storch? Alle Kinder protestieren heftig. Da hat sich der Professor jetzt aber vertan!

Tatsächlich entsteht ein Baby, wenn sich eine Samenzelle eines Mannes mit einer Eizelle einer Frau zusammentut, korrigiert Frank Spinath. Manchmal können auch zwei Eizellen gleichzeitig heranreifen und von verschiedenen Samenzellen befruchtet werden. Dann entstehen zweieiige Zwillinge. Bei eineiigen Zwillingen passiert etwas Besonderes, was die Forscher bisher noch gar nicht richtig erklären können: Nachdem sich eine Samenzelle mit einer Eizelle verbunden hat, teilt sich die Eizelle in zwei Teile. Die so entstandenen Babys haben in diesem Fall genau dieselben Gene.

Anhand eines Videos erklärt der Professor dann, warum sich viele Forscher so sehr für Zwillinge interessieren: Unsere Gene bestimmen zu großen Teilen unser Aussehen und Verhalten. Wenn die Wissenschaftler verschiedene Tests mit eineiigen (die zu 100 Prozent genetisch gleich sind) und zweieiigen Zwillingen (die nur zu 50 Prozent genetisch gleich sind) machen, können sie herausfinden, welche Merkmale tatsächlich in den Genen gespeichert sind, und welche nicht. So haben sie etwa gelernt, dass Eigenschaften wie logisches Denken von den Genen bestimmt werden, während Musikalität damit nichts zu tun hat.

Plötzlich passiert etwas: Das Licht im Hörsaal geht aus, eine dunkle Gestalt kommt auf die Bühne gelaufen und bedient sich am Getränkevorrat des Professors. Als das Licht wieder angeht, ist der Dieb verschwunden. Eine von Frank Spinath beauftragte Detektivin macht sich sofort auf die Suche nach dem Bösewicht und kommt kurz darauf mit zwei komplett gleich aussehenden Personen zurück. Oh nein! Wie können sie herausfinden, wer von den beiden aus der Flasche des Professors getrunken hat? Dummerweise sind beide Frauen gleich groß, haben die gleichen Klamotten an und auch die Augenfarbe ist identisch. Die Detektive machen sogar eine Speichelanalyse an der Flasche, aus der der Dieb getrunken hat. Einige der Kinder-Studenten rufen bereits ungeduldig: „Das klappt nicht, die haben doch dieselben Gene!“

Gut aufgepasst! Tatsächlich können Professor Spinath und seine Detektive den Fall auf diese Weise nicht lösen. Zum Glück gibt es wieder Hilfe aus dem Publikum: „Schaut nach dem Fingerabdruck auf der Flasche!“, rufen einige Kinder. Und tatsächlich: So kann der wahre Bösewicht überführt werden, denn jeder Mensch, egal ob Zwilling oder nicht, hat einen einzigartigen Fingerabdruck.

Am Ende der Vorlesung zeigt Frank Spinath seinen Kinder-Studenten noch Bilder von berühmten Zwillingen. Da wären zum Beispiel Hanni und Nanni aus den gleichnamigen Büchern und Filmen, Fred und George Weasley von Harry Potter, Luke und Leia aus Star Wars, die Youtuber „Die Lochis“ und Bill und Tom Kaulitz von der Musikgruppe Tokio Hotel. Die „Hanni und Nanni“-Schauspielerinnen Jana und Sophia Münster kennt Frank Spinath sogar persönlich, denn mit ihnen hat er bereits einige Tests durchgeführt. So, hofft er, kann er in Zukunft noch mehr über Zwillinge herausfinden.