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Bei der Kinderuni werden Schüler zu Nachwuchsforschern

Kinderuni : Das Klassenzimmer wird zur Kinderuni

Dieses Mal findet die Kinderuni im Internet statt. Schulklassen können den Forschern auch Fragen stellen. Daraus entsteht ein Video für alle.

Nicht nur an den Schulen ist derzeit wegen der Corona-Pandemie vieles anders. An der Saar-Uni gibt es ebenso einige Änderungen. Davon ist auch die Kinderuni betroffen. Zwar können die Vorlesungen nicht auf dem Saarbrücker Campus stattfinden, aber trotzdem wollen einige Professoren wissbegierigen Kindern ihr Fachgebiet vorstellen. Deshalb haben nun Schulklassen die Gelegenheit, sich mit den spannenden Themen zu beschäftigen und den Wissenschaftlern Fragen zu stellen.

Die Professoren werden die Schulklassen coronabedingt virtuell, also übers Internet, besuchen. Dabei entstehen Filme, die sich später jeder online anschauen kann. Gleich vier Wissenschaftler werden von ihrer Arbeit in der Forschung berichten.

Eine von ihnen ist die Biophysikerin Dr. Franziska Lautenschläger. Sie zeigt, wie mithilfe von Spezial-Mikroskopen winzig kleine Dinge sichtbar gemacht werden können.

Besonders interessiert sie sich für Zellen und wie sich diese innerhalb des menschlichen Körpers fortbewegen. Daraus lassen sich Erkenntnisse gewinnen, die für die Krebsforschung sowie die Entwicklung von Medikamenten interessant sein können. Auf manchen Bildern, die Franziska Lautenschläger bei der Kinderuni präsentieren wird, sind bunte Formen zu erkennen. Manche sehen aus wie Blumen oder Sterne, andere wie Fledermäuse oder Fantasiewesen. Die Kinderstudenten werden staunen, wenn sie erfahren, was sie da in 1000-facher Vergrößerung sehen.

Sehr interessant ist es, Blut unter dem Mikroskop zu betrachten. Dabei lässt sich deutlich erkennen, dass es aus verschiedenen Zellen besteht: roten und weißen Blutkörperchen sowie Blutplättchen. Jede dieser Zellarten hat eine andere Aufgabe. Wenn sich die Blutzellen verändern, kann das ein Hinweis auf eine Krankheit sein. Deshalb untersuchen Ärzte manchmal das Blut ihrer Patienten. Franziska Lautenschläger hat sich schon während ihres Studiums mit der lebenswichtigen Körperflüssigkeit beschäftigt und kann viel darüber erzählen.

Auch der Materialwissenschaftler Guido Falk benötigt spezielle Mikroskope für seine Forschung. Dabei geht es um sogenannte Nanoteilchen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Das Wort „nano“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Zwerg“. In einem Meter sind eine Milliarde Nanometer.

Für Guido Falk sind die winzigen Partikel wie Lego-Bausteine, die sich auf viele verschiedene Arten zusammenbauen lassen. So können die Eigenschaften von Materialien verändert werden. Glas kann dadurch besonders stabil gemacht werden. Praktisch ist die Anwendung im Badezimmer: Mit einer speziellen Nanobeschichtung lassen sich Waschbecken viel leichter reinigen.

In vielen Bereichen des Alltags kann Nanotechnologie zum Einsatz kommen. Sie kann dafür sorgen, dass sich Autoreifen nicht so schnell abnutzen oder Zahnpasta die Zähne besser reinigt. Auch Sonnencremes, Putzmitteln, Kleidung, Computerbildschirmen und Wandfarben verhelfen die winzigen Teilchen zu besseren Eigenschaften.

In der Wissenschaft geht es oft darum, genau hinzuschauen, um Dinge oder Abläufe besser zu verstehen. Das macht auch die Biologin Susanne Meuser. Sie ist Insekten-Spezialistin und weiß, wie diese Tiere auf den Klimawandel reagieren. Wenn sich die Temperaturen ändern, ändern sich auch die Lebensbedingungen. Infolge müssen manche Insekten neue Orte suchen, wo sie Nahrung finden und sich fortpflanzen können. Deshalb wurden im Saarland vor kurzem Hornissen entdeckt, die ursprünglich aus Südostasien stammen.

Auch der Gletscherfloh muss auf den Klimawandel reagieren. Die Gletscher und Schneeflächen in den Alpen, wo der Sechsfüßler sich sehr wohlfühlt, schmelzen aufgrund der steigenden Temperaturen.

Susanne Meuser beobachtet das mit Sorge. Aber sie weiß auch, dass Insekten sehr anpassungsfähig sind. Sie haben in über 400 Millionen Jahren Entwicklungsgeschichte viele Veränderungen mitgemacht, zum Beispiel lange Eiszeiten.

Obwohl sie so klein sind, sind diese Lebewesen wichtig für das Gleichgewicht in der Natur, denn sie dienen zum Beispiel als Nahrung für andere Tiere. Auch wir Menschen brauchen die Insekten: Über 85 Prozent der Pflanzen hierzulande, darunter viele Obst- und Gemüsesorten, können sich nur mithilfe von Insekten vermehren. Susanne Meuser weiß, was jeder einzelne von uns tun kann, um die Lebensräume von Insekten zu schützen.

Der Klimawandel ist auch eines von vielen Themen, mit denen sich die Europäische Union auseinandersetzt. Die Mitgliedsländer versuchen, bei solchen sowie vielen anderen Problemen gemeinsame Lösungen zu finden. Wie das gelingen kann, weiß Professor Thomas Giegerich. Er ist unter anderem Spezialist für Europarecht und Direktor des Europa-Instituts an der Saar-Uni.

Bei der Kinderuni wird er zusammen mit den Schülern der Frage nachgehen, was die Europäische Union für uns im Saarland bedeutet. Der gemeinsame Wirtschaftsraum, in dem sich Waren, Personen, Dienstleistungen und Geld frei bewegen können, hat viele Vorteile. Thomas Giegerich kann sich noch daran erinnern, als er als Kind mit seiner Familien nach Italien gefahren ist. Damals gab es Passkontrollen an den Grenzen und in jedem Land eine eigene Währung. Heute kann in vielen EU-Ländern einfach mit Euro bezahlt werden.

Verständlicherweise ist es nicht immer einfach, alle Bedürfnisse einer Gemeinschaft zu berücksichtigen. Das zeigt sich manchmal schon bei einer einzelnen Schulklasse. Bei 27 verschiedenen Ländern mit eigenen Kulturen und vielen verschiedenen Sprachen ist das viel schwieriger. Doch alle Beteiligten bemühen sich, gemeinsame Lösungen zu finden. Das Ziel dabei ist, dass es allen 446 Millionen Menschen in der EU gut geht.

Thomas Giegerich und die anderen Wissenschaftler sind schon sehr gespannt auf die Fragen der Kinder und freuen sich auf diese ganz besonderen Vorlesungen.

Die Kinderuni erklärt in diesem Semester den Schülern, was es mit dem blauen „Fledermaus“ unter dem Mikroskop auf sich hat, wie Geckos für die Wissenschaft Vorbild standen, warum Ameisen Blattläuse „melken“ und was zwölf Sterne auf der Flagge der Europäischen Union bedeuten. Foto: dpa/Patrick Pleul
Divyendu Goud Thalla, Gewinner des Fotowettbewerbs des SFB 1027 der UdS 2020 (Sonderforschungsbereich 1027 "Physical modeling of non-equilibrium processes in biological Systems" der Universität des Saarlandes) Stark vergrößerte Abbildung einer menschlichen Krebszelle, die eingefärbt wurde, um ihre Anhaftpunkte sichtbar zu machen. Gewinnerfoto des Fotowettbewerbs des SFB 1027 der UdS 2020 Foto: Universität des Saarlandes
ARCHIV - 06.06.2018, Baden-Württemberg, Rottweil: Eine Ameise melkt in einem Garten Blattläuse. (Zu dpa: «Ameisenpopulation 2018» vom 18.06.2018) Foto: Silas Stein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa/Silas Stein
Madagascar day gecko (Phelsuma madagascariensis madagascariensis) is a diurnal subspecies of geckos. It lives on the eastern coast of Madagascar and typically inhabits rainforests and dwells on trees. The Madagascar day gecko feeds on insects, fruit and nectar. Foto: Getty Images/iStockphoto/DouxVide

www.kinderuni.saarland