1. Leben
  2. Kinderseite

August Speyer erzählt bei der Kinderuni von unserer Ursprache.

Kinderuni : So entwickelte sich unsere Sprache

Am 1. Juli erklärt der Germanist August Speyer in der letzten Vorlesung des Sommersemesters der Kinderuni, wie die Vokabeln unserer Sprache entstanden sind.

Wer regelmäßig die Sendung mit der Maus schaut, der weiß, dass ihr Vorspann zweisprachig beginn. Nachdem die Themen der Sendung auf Deutsch vorgestellt wurden, werden sie in einer anderen Sprache wiederholt. Danach folgt die Erklärung – etwa: „Das war Finnisch“. Das führt bei den Zuschauern immer wieder zu einem großen Hallo. Denn regelmäßig tauchen dabei Wörter  anderer Sprachen auf, die stark an das Deutsche erinnern. Das macht es manchmal sehr schwierig, herauszufinden, um welche Fremdsprache es sich handelt.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das  Wort: Hund. Es hat im Norwegischen, Dänischen, in Schweden und in Deutschland dieselbe Bedeutung. Aber wieso gleichen sich in diesen Sprachen einige Wörter so sehr?

Der Germanist August Speyer von der Saar-Universität will in  der dritten Vorlesung der Kinderuni am 1. Juli diese Frage beantworten. Er wird den Besuchern der Kinder-Uni erklären, wie sich unsere Sprache entwickelt hat. Das konnten Sprachwissenschaftler herausfinden, indem sie geschaut haben, welche Wörter in welchen Sprachen gleich oder ähnlich klingen. Auch haben sie die Grammatik der einzelnen Sprachen verglichen.

Was dieser tollende Vierbeiner mit unserer Sprache zu tun hat, erfahrt ihr am 1. Juli bei der Vorlesung von August Speyer. . Foto: dpa/Rene Traut

Das Wort „Hund“ ist nicht nur in den vier Sprachen in Schrift und Aussprache gleich. Auch in anderen Sprachen klingt es ähnlich Auf Niederländisch heißt der treue Vierbeiner etwa „Honds“. Doch auch in anderen Sprachen geht der Name für den besten Freund des Menschen auf einen gemeinsamen Ursprung zurück. Der italienische „cane“ und der französische „chien“ gehören dazu, erklärt August Speyer.

Um diese Verwandtschaft zu untersuchen, schauen die Wissenschaftler sehr weit zurück in die Vergangenheit. Bei den Römern hieß der Hund Canis und auf Altgriechisch κύων (Aussprache: „kyōn“). Auffällig ist, dass beide Worte mit einem gesprochenen K beginnen, gefolgt von einem Vokal und schließlich ein N. Sprachwissenschaftler haben die Worte mit dem Gotischen verglichen. Gotisch ist die älteste schriftlich überlieferte germanische Sprache und lässt sich bis ins vierte Jahrhundert nach Christus zurückverfolgen. Im Gotischen hat der Vierbeiner noch ein -s als Endung wie im Lateinischen und überall, wo im Lateinischen und Altgriechisch ein K steht verwendeten die Goten ein H. Aus dem gotischen „Hunds“ entstand das heutige deutsche Wort. Es ist aber auch die Verwandtschaft mit den beiden alten Sprachen noch zu erkennen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie es dazu kommen konnte, dass ein Ausdruck in mehreren Sprachen so große Ähnlichkeiten hat. Zum einen wäre es möglich, dass eine Volksgruppe bei der anderen „abgeschrieben“ und einzelne Ausdrücke übernommen hat. Das halten die Sprachwissenschaftler aber für unwahrscheinlich, sagt August Speyer. Denn sie haben herausgefunden, dass es eine noch ältere Ursprache als das Lateiniche und das Griechische gibt, die das Wort für Hund bereits kannte. Diese Ursprache nennen die Sprachforscher Proto-Indoeuropäisch.  Wann genau diese Ursprache gesprochen wurde sorgt immer wieder für Diskussionen unter den Forschern.  Sie haben herausgefunden, dass es in dieser Sprache Worte für Wagen, Rad und Pferd gab, aber keine für Eisen, Schmiede oder Metall.

Daher wissen die Wissenschaftler, dass zu der Zeit, in der diese Sprache gesprochen wirde, kein Eisen verarbeitet wurde. Welche Sprachen noch miteinander verwandt sind, erklärt August Speyer in seiner Vorlesung drei Tage vor Beginn der Sommerferien.