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Amelie wird zur Kinder-Studentin

An der Uni : Zu Besuch bei Kinder-Studentin Amelie

Die siebenjährige Amelie nahm an der Corona-Spezial-Vorlesung der Kinderuni teil. Dabei hatte sie auch Gelegenheit, eigene Fragen zu stellen.

Für Amelie Matern aus Saarbrücken-Gersweiler war der vergangene Mittwoch ein ganz besonderer Tag: Zum ersten Mal durfte sie an der Kinderuni teilnehmen. Zusammen mit ihrer Mutter Heike saß sie zu Hause vor dem Laptop, wo sie die Online-Vorlesung mitverfolgte. Erstmals fand die Kinderuni als Liveübertragung im Internet statt. Das Thema war nicht nur sehr spannend, sondern auch ganz aktuell: das Coronavirus und seine Folgen.

Professor Markus Peschel, begrüßte die Kinder vor den Bildschirmen zu Hause. „Normalerweise sind Hunderte Kinder im Audimax, im großen Hörsaal, dabei. Aber heute ist das anderes“, erklärte er. Denn bei dieser Kinderuni waren nur wenige Menschen in der Aula, dem Saal, aus dem die Veranstaltung mit fünf Kameras übertragen wurde: drei Vortragende, mehrere Techniker und das Kinderuni-Team, das zusammen mit den Wissenschaftlern die Fragen der Kinder beantwortete.

Amelie weiß bereits viel über das Coronavirus: „Wir müssen uns davor schützen, indem wir uns gut die Hände waschen, Abstand halten und eine Maske tragen.“ Die Erstklässlerin findet es schade, dass sie derzeit nicht jeden Tag zur Schule gehen darf. Interessiert verfolgte sie den Rückblick von Professor Peschel: „Im Februar war noch alles normal. Doch dann entwickelten sich im März erst langsam und plötzlich schnell und immer noch schneller die Corona-Fallzahlen. Und je mehr Fälle wir haben, desto gefährlicher wird es.“

Ein Experte für das Coronavirus ist Dr. Sebastian Ewen. Er ist Ärztlicher Leiter der Notaufnahme im Uniklinikum Homburg und hatte in den vergangenen Wochen viele Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert waren. In seinem Vortrag stellte er das Virus vor: „Man kann es mit dem bloßen Auge nicht erkennen, man braucht dazu ein Elektronenmikroskop, das kleinste Strukturen sichtbar macht.“

Zu Hause wunderte sich Amelie über den Namen des Virus. Bevor ihre Mutter antworten konnte, sagte Dr. Ewen: „Corona heißt auf Griechisch Kranz oder Krone.“ Auf einer Aufnahme des Virus war deutlich zu erkennen, dass es von einer Art Kranz umgeben ist.

Interessant fand Amelie, als gezeigt wurde, was passiert, wenn ein Mensch ohne Schutzmaske hustet: Der Speichel schießt in kleinen Tröpfchen mit einer Geschwindigkeit wie ein Auto auf der Autobahn aus dem Mund und verteilt sich bis zu einem Meter weit im Raum. „Wenn diese Tröpfchen von einem Coronavirus befallen sind und ein anderer Mensch sie einatmet oder sie mit seiner Schleimhaut in Kontakt kommen, besteht die Gefahr, dass er sich ansteckt. Das nennt man Tröpfcheninfektion“, erklärte der Arzt. Daneben gebe es auch die Kontaktinfektion, wo das Virus über die Hände übertragen und über die Schleimhäute in Mund, Nase und Augen in den Körper gelangen können, da sich Menschen häufig ins Gesicht fassen.

Während der Mediziner erklärte, was im Körper bei einer Infektion mit dem Coronavirus passiert, fragte sich Amelie, ob sich auch ihr Hund anstecken kann. Gleich tippte ihre Mutter die Frage in das Chat-Fenster, das zeitgleich neben der Übertragung lief. Dort hatten bereits viele Teilnehmer Kommentare und Fragen hinterlassen.

Dr. Ewen berichtete von den Symp­tomen, die bei einer Infektion mit dem Coronavirus auftreten können: hohes Fieber, Husten, Luftnot sowie Geschmacks- und Geruchsstörungen. Die Krankheit nenne man Covid-19. Doch er hatte gute Nachrichten für die Kinder: „Sie infizieren sich seltener mit dem Coronavirus, erkranken seltener an Covid-19 und haben häufig einen milderen Krankheitsverlauf als Erwachsene.“ Da aber auch Kinder das Virus übertragen könnten, sei es wichtig, dass wir uns alle schützen.

Amelie musste sich ein paar Minuten gedulden, bis ihre Frage beantwortet wurde. Doch dann war im Chat zu lesen: „Ein Hund kann das Coronavirus in sich tragen, aber wird davon nicht krank und kann das Virus nicht weitergeben. Katzen allerdings können das Virus auch weitergeben.“

Viele weitere Fragen wurden von den Kindern zu Hause gestellt. Ein Beispiel: Kann man eine Maske häkeln? Die Antwort: Das ist nicht sinnvoll, da durch die Löcher die Viren ungehindert austreten und nicht gefiltert werden können. Der Arzt Dr. Colmar Niederstadt berichtete von seinen eigenen Erfahrungen, denn er war an Covid-19 erkrankt. „Ich habe mich anfangs nicht so gut gefühlt und sehr schnell einen Test gemacht. Nach einem Tag stand fest, dass ich mich mit dem Virus infiziert habe.“

Zwölf Tage lag er mit hohem Fieber daheim im Bett. „Ich war total schlapp, konnte kein Buch lesen und auch nicht fernsehen“, erinnert er sich. Da der Arzt immer schlechter Luft bekam, musste er sogar ins Krankenhaus, wo er weitere zwölf Tage behandelt wurde. Amelie hörte Dr. Niederstadt mit großem Interesse zu, denn bisher hatte sie noch niemanden gekannt, der an Covid-19 erkrankt war.

Nach den Vorträgen beantworteten die Experten noch viele weitere Kinderfragen, zum Beispiel, ob man Angst vor dem Virus haben muss. Dr. Ewen sagte dazu: „Man sollte Respekt haben. Wenn man sich an die Spielregeln hält und sich schützt, dann kann man auch den Sommer genießen, ins Schwimmbad gehen und Sport treiben.“ Das war auch für Amelie eine wichtige Nachricht, denn auch sie ist gerne draußen. Sie freut sich darauf, dass sie im Herbst wieder jeden Tag zur Schule gehen und später auch eine Kinderuni-Vorlesung an der Universität besuchen kann.

Die siebenjährige Amelie Matern schaut zu Hause gemeinsam mit Mama Heike und Hund Sari online eine Vorlesung der Kinderuni zum Coronavirus. Foto: Iris Maria Maurer

Die Corona-Spezial-Vorlesung dauerte gut zwei Stunden. Dr. Sebastian Ewen freute sich über die vielen Fragen: „Besonders spannend fand ich, dass sich so viele Kinder für den Entwicklungsstand des Impfstoffes interessiert haben und dass die vorgestellten Hygienemaßnahmen diskutiert wurden.“ Man habe gemerkt, sich schon viele Kinder intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt haben.