Zuckerberg verspricht mehr Privatsphäre bei Facebook

Kehrtwende beim sozialen Netzwerk : Mark Zuckerberg verspricht plötzlich Privatsphäre bei Facebook

Das Online-Netzwerk will die Daten seiner Nutzer künftig besser schützen. Wie diese Änderung das Geschäftsmodell des Konzerns beeinflusst, ist unklar.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat nach der massiven Kritik der vergangenen Monate angekündigt, das Online-Netzwerk stärker auf den Schutz der Privatsphäre auszurichten. Die Menschen sollen sich in Zukunft darauf verlassen können, dass das, was sie einander im Netz mitteilen, sicher bleibt, sagt Zuckerberg. Lange hatte er erklärt, der Trend ginge dahin, dass Menschen immer mehr über sich öffentlich machten. Facebook hatte wiederholt Konflikte mit Datenschützern und Aufsichtsbehörden, als sich herausstellte, wie leichtsinnig der Konzern mit den Daten seiner Nutzer umging.

Jetzt kündigte der Facebook-Chef an, mehr seiner Angebote würden eine Komplett-Verschlüsselung nach dem Vorbild des Kurznachrichtendienstes Whatsapp bekommen. Bei der sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung können die Inhalte einer Unterhaltung nur von Absender und Empfänger eingesehen werden. Die Nachrichten werden somit beim Versenden verschlüsselt und beim Empfänger wieder entschlüsselt. Diese Methode verhindere, dass andere, auch Facebook selbst, sehen, was Menschen in den sozialen Netzwerken teilen, erklärt Zuckerberg. Weitere Dienste würden auf dieser abgesicherten Basis aufbauen. Er rechne damit, dass in wenigen Jahren Whatsapp und der zweite Kurznachrichtendienst des Konzerns, der Facebook Messenger, zum zentralen Weg werden, über den Menschen auf der Plattform kommunizieren, prognostiziert Zuckerberg.

Unklar bleibt, was der neue Kurs für das Geschäftsmodell von Facebook bedeuten wird. Das Online-Netzwerk ist darauf angewiesen, möglichst viel über die Interessen, Ansichten, Pläne und Lebensumstände seiner Nutzer zu wissen, um zielgerichtet Werbung vermitteln zu können. Bei einer konsequenten Umsetzung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hätte auch Facebook aber keinen Zugang zu den Inhalten der Nutzer, versichert Zuckerberg. Er deutete an, dass sein Unternehmen neue Ideen zum Geldverdienen finden könne.

Im Fall Cambridge Analytica, der Facebook massiv unter Druck setzte, waren Daten von Facebook-Nutzern vom Entwickler einer Umfrage-App vor über fünf Jahren widerrechtlich an eine Datenanalysefirma weitergegeben worden. Facebook wusste seit Ende 2016 davon, begnügte sich aber mit der Zusicherung, dass die Daten vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht.

(dpa)