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Zoom zwischen Wachstum und Sicherheit

Videodienst in der Kritik : Zoom hat Versprechen noch nicht erfüllt

Der Videodienst-Anbieter Zoom ist in den vergangenen Monaten rapide gewachsen. Dabei blieb die Sicherheit auf der Strecke, lautet die Kritik. Nun bessert Zoom zwar nach, doch noch sind Fragen offen.

Zoom hat versprochen, es nahezu unmöglich zu machen, dass sich Außenstehende in Meetings einhacken und diese abhören können. Dazu ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung  nötig. Diese Technik würde die Konversationen so abschotten, dass nicht einmal Zoom sie nachvollziehen könnte. Dieses Versprechen bleibt Zoom allerdings bislang schuldig.

Die Strafverfolgungsbehörden sind gegen diese Form der Verschlüsselung, wie es sie schon in Apps wie iMessage, WhatsApp oder anderen gibt. Sie behinderte legitime Ermittlungen der Polizei, lautet ihr Argument.

Solch eine Verschlüsselung würde Zoom Vorteile gegenüber konkurrierenden Diensten von Google, Microsoft, Cisco Systems und Facebook verschaffen, wie Rory Mir von der Organisation Electronic Frontier Foundation sagt, die sich für Rechte im digitalen Raum einsetzt. „Die Menschen haben derzeit keine große Auswahl an Möglichkeiten“, sagt Mir. „Aber Zoom liegt ziemlich vorne, diese Verbesserungen umzusetzen.“ Zoom hat noch nicht offengelegt, wann die Verschlüsselung fertig sein wird. Aber das Unternehmen hat bereits seinen Plan aufgegeben, diese Funktion zunächst nur den zahlenden Nutzern zur Verfügung zu stellen. Die ursprüngliche Ankündigung hatte ein negatives Echo ausgelöst. Das Unternehmen entschied sich daraufhin, die Verschlüsselung auch auf nicht-zahlende Benutzer auszuweiten.

Wenn Zoom wirklich zeigen wolle, dass es die Privatsphäre seiner Nutzer in den Vordergrund stelle, dann müsse es sich den Begehrlichkeiten der Strafverfolger und anderer Regierungsbehörden nach einem Zugang zu den Videokonferenzen widersetzen, sagt Mir.

Zoom-Chef Yuan habe erklärt, dass er die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung begrenzen und weiter mit Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten wolle. Später habe das Unternehmen klargestellt, damit wolle man verhindern, dass Zoom für Kinderpornografie verwendet werde. „Einige Aktivisten glauben nun, Zoom sei wie ein Polizist“, sagt Mir. Finanzchefin Steckelberg erklärte dazu, Zoom erfülle nur die örtlichen Gesetze in jedem der mehr als 80 Länder, in denen der Dienst angeboten werde.

Privatsphäre und Datenschutz könnten zusätzliches Gewicht bekommen, wenn Zoom, wie einige Analysten vermuten, damit beginnt, Werbung in seinen kostenlosen Versionen zu zeigen, um seine Gewinne zu steigern. Laut Steckelberg gibt es für die nächste Zeit keine Pläne, Werbung zu verkaufen. Aber sie schloss diese Möglichkeit auch nicht aus.

Sollte Zoom diesen Weg gehen, wird es nach Ansicht von Mir schwierig, der Möglichkeit zu widerstehen, auch persönliche Daten zu erheben. „Daten sind das neue Öl“, sagt er. „Aber das kann auch giftig sein.“

Als die Corona-Pandemie im März Fahrt aufnahm, fand sich ein eher unbekannter Video-Konferenz-Dienst plötzlich im Rampenlicht wieder. Zoom wurde schnell ein Begriff dafür, Arbeitskollegen, Kirchengemeinden, Schulklassen, Freunde, Familienmitglieder oder andere Menschen während der Corona-Beschränkungen miteinander zu verbinden. Aber genauso schnell geriet Zoom auch wegen seiner laxen Sicherheit ins Zwielicht, die ein Ausspähen von privaten Videokonferenzen oder intimen Gesprächen möglich machte.

Nach einer Welle von Klagen wegen Datenschutz-Verstößen stoppte Firmenchef Eric Yuan am 1. April alle Arbeiten an neuen Angeboten und versprach, die Schwächen seines Dienstes innerhalb von 90 Tagen zu beheben. Diese Zeit ist nun vorbei.

 Zoom preist derzeit in einem Blogbeitrag einige der Fortschritte, die man gemacht habe, an. Die sichtbarste Veränderung ist, dass alle Videokonferenzen jetzt mit einem Passwort geschützt sind und die Teilnehmer in einem digitalen Warteraum bleiben, bis der Gastgeber sie einlässt.

Hinter den Kulissen hatte sich Yuan regelmäßig mit einem Gremium aus führenden Sicherheitsexperten der Technologie-Industrie beraten. Dem gehörte unter anderem der frühere Yahoo- und Facebook-Manager Alex Stamos an. Auch mit Oracle-Gründer Larry Ellison tauschte er sich aus. Der postete ungewöhnlicherweise sogar ein Video, in dem er Zoom als „einen grundlegenden Dienst“ pries.

Womöglich war das jedoch nicht ganz zufällig, schließlich baut Zoom auf die Rechnerleistung von Oracle und auch von Amazon, um die Masse seiner Meetings abzuwickeln. Da werden dieses Jahr schätzungsweise zwei Billionen Minuten zusammenkommen, das entspricht etwa 3,8 Millionen Jahren. Wie mehrere Medien berichteten, hatte Zoom bereits Anfang Mai täglich über 300 Millionen Nutzer weltweit. Aktuelle Zahlen sind nicht bekannt.

(dpa)